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7,95 Euro pro Quadratmeter zahlen die Mieter der Wohnungen an der Freiherr-vom-Stein-Straße 16 derzeit. Das Haus wurde 2006 modernisiert. 

Neu-Isenburg

308 Neu-Isenburger Sozialwohnungen bleiben günstig

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Die Belegungsrechte der Stadt für 308 Sozialwohnungen enden nicht, sondern werden um zehn Jahre verlängert.

Geringverdiener sowie Sozialhilfe- und Hartz-IV-Empfänger in Neu-Isenburg können aufatmen: Ihre Sozialwohnungen in Häusern der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (Gewobau) werden in den kommenden zehn Jahren Sozialwohnungen bleiben, werden nicht frei vermietet werden können. Das beschlossen die Stadtverordneten einstimmig. Die SPD wollte noch zusätzlich sechs Jahre lang die Mietpreise bei der Gewobau einfrieren, fiel bei der Parlamentsmehrheit aber durch. Nur die Linken votierten dafür.

Im Gegensatz zu anderen Kommunen im Kreis Offenbach werden in Neu-Isenburg seit 2016 keine Sozialwohnungen mehr gebaut. Die Gewobau errichtet aktuell im Neubaugebiet Birkengewann zwar rund 200 Wohneinheiten, doch die sind allesamt frei finanziert. Heißt: Mieter müssen dort zwischen 11,50 und 12,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter hinlegen.

Auch im neu zu erschließenden Stadtquartier Süd ist kein sozialer Wohnungsbau geplant. Neu-Isenburg hat nämlich im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Sozialwohnungen im Kreis Offenbach. 1257 öffentlich geförderte Wohnungen nannte die Stadt im März 2018 auf eine entsprechende Anfrage der Linken. Langen steht demnach auf Platz zwei mit 1200 Sozialwohnungen, Obertshausen auf Platz drei mit 750.

Wohnungszahlen: 2600 Wohnungenhält die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (Gewobau) aktuell in Neu-Isenburg. Davon sind 1050 Wohnungen in der Mietpreis- und Belegungsbindung.

In den letzten zehn Jahren hat die Gewobau lediglich 37 Wohnungen mit Belegungsbindung neu errichtet.

Die Nassauische Heimstätte hat in Neu-Isenburg einen Bestand von 398 Wohnungen. Davon waren 2018 noch 124 in der Sozialbindung.

Dem Bauverein Darmstadt gehörten im Vorjahr noch 66 preisgebundene Wohnungen in Neu-Isenburg.

Fachleute des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) in Darmstadt ermittelten, dass bis 2030 im Kreis Offenbach 6300 geförderte Wohnungen nötig sein werden. ann

Die Stadtverordneten haben deshalb beschlossen, die Sozialbindung von Gewobau-Wohnungen zu verlängern, sozusagen häppchenweise. Zuerst einmal wird das Belegungsrecht für geförderte Wohnungen, die zwischen 2018 und 2020 aus der Wohnungsbindung gefallen sind beziehungsweise fallen, um zehn Jahre verlängert. „In der vergangenen Woche haben wir beim Land Hessen somit 74 Wohnungen angemeldet“, sagt Gewobau-Geschäftsführer Stephan Burbach. Das Land Hessen zahlt monatlich einen Zuschuss von 80 Cent pro Quadratmeter Wohnfläche. Die Stadt fördert die Wohnungen jeden Monat mit 50 Cent je Quadratmeter. Auf zehn Jahre ergibt das 219 636 Euro städtischen Zuschuss. Dieses Geld soll aus der Fehlbelegungsabgabe gezahlt werden, die die Gewobau in den Jahren 2016, 2017 und 2018 erhalten hat. Insgesamt 272 670 Euro mussten Besserverdiener in den vergangenen drei Jahren an die Gewobau zahlen, weil ihr Einkommen über der für Sozialwohnungen zulässigen Grenze lag.

Im kommenden Jahr sollen dann die Belegungsrechte der Stadt für 120 Wohnungen um zehn Jahre verlängert werden. „Wir können immer nur für das Folgejahr Anträge stellen beim Ministerium“, sagt Burbach. Beschlossen ist jedenfalls, für bis zu 234 Wohnungen, die in den Jahren 2021 bis 2028 aus der Sozialbindung fallen, jeweils zum nächstmöglichen Termin Zehnjahres-Verlängerungen beim Land zu beantragen.

Durchschnittlich 7,95 Euro pro Quadratmeter zahlen beispielsweise die 41 Mieter in dem Haus an der Freiherr-vom-Stein-Straße 16 derzeit. Würde das Haus aus der Sozialbindung fallen, könnte die Gewobau auf dem freien Wohnungsmarkt 11,52 Euro pro Quadratmeter erzielen. „Die Mieten für die 74 Wohnungen, die wir gerade verlängern, liegen zwischen 6,62 und 8,09 Euro pro Quadratmeter“, sagt Burbach.

Die Gewobau solle sechs Jahre lang auf Mietpreisanpassungen verzichten, meinte die SPD. Entstehende Verluste sollten aus dem Nachtragshaushalt der Stadt ausglichen werden. „Nachdem wir in allen Baugebieten fertig gebaut haben, ist das die letzte Möglichkeit, noch irgendwie regulierend in den Markt einzugreifen“, sagt Dirk Gene Hagelstein (SPD).

Der Standpunkt der Regierungskoalition aus CDU, Grünen und Freien Wählern: Seit gut 20 Jahren saniere die Gewobau energetisch, und gut sanierte Wohnungen in großer Menge zu unterhalten, koste viel Geld. Mieten würden trotzdem, wenn überhaupt, deutlich unterhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstgrenze angehoben.

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