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Neu-Isenburg Pflegeheim

Neu-Isenburger haben Vorrang

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Im Pflegeheim für demenzkranke Menschen in Neu-Isenburg leben die Bewohner anders als in herkömmlichen Pflegeheimen in Senioren-Wohngemeinschaften. Der Träger schließt einen Vertrag mit der Stadt ab, nach dem pflegebedürftige Neu-Isenburger bei der Belegung bevorzugt werden.

Es ist ein Tag, an dem man eigentlich nicht am Kaminfeuer sitzen will: Licht flutet durch die bodentiefen Fenster ins helle Foyer des „Hauses an der Königsheide“, das trotz des ländlichen Namens mitten in Neu-Isenburg in der Ludwigstraße gelegen ist. Trotzdem sitzen die drei Senioren an den künstlichen Flammen und beobachten das Treiben um sie herum.

Das vor gut einem Jahr eröffnete Heim für demenzkranke Menschen ist anders als herkömmliche Pflegeheime, die Bewohner leben hier in Senioren-Wohngemeinschaften. „Das zurückliegende Jahr verlief turbulent“, sagt Heimleiterin Elke Terfaß. Die Nachbarschaft habe zu Anfang Berührungsängste gehabt, doch mittlerweile sei das Verhältnis lockerer geworden. Auch von den Angehörigen erhielten sie viel Bestätigung, sagt die 49-Jährige.

Die jüngste Einrichtung der „Mission Leben“ der Inneren Mission, die auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau 17 Heime in Hessen und Rheinland-Pfalz betreibt, sei „eine Perle“. Inzwischen gebe es „keinen anderen Ort, wo das so gut läuft“, sagt Pfarrer Klaus Bartl, Geschäftsführer der Inneren Mission. Die Mission Leben habe damit „absolutes Neuland“ betreten. „Es unterscheidet sich ja doch sehr stark von traditionellen Pflegeheimen.“

Seit November hat das Haus einen Beirat, in dem auch zwei Bewohner und zwei Angehörige sitzen. Mittlerweile ist das Haus voll belegt, 48 Menschen wohnen jetzt hier, die allermeisten sind aus Neu-Isenburg.

Gymnastik, Musiktherapie und Kinderspiele

Das soll auch so bleiben: Gestern haben die Mission Leben als Träger und die Stadt ein Abkommen unterzeichnet, nach dem pflegebedürftige Bürger bei der Belegung bevorzugt werden. Wer schon in ein Heim muss, der soll wenigstens nicht ganz aus seiner vertrauten Umgebung gerissen werden.

Das Leben hier im Haus an der Königsheide sei erst mal gewöhnungsbedürftig gewesen, sagt Heimbewohner Karl-Heinz Schneider, 75, der auch im Bewohner-Beirat sitzt. „Man braucht schon Nerven.“ Er lebt seit vergangenen Sommer hier, hatte zuvor ein Haus mit großem Garten. „Den hatten meine Frau und ich parkartig angelegt“, schwärmt er.

Hier hat er geholfen, Blumenzwiebeln zu stecken, jetzt blühen die Osterglocken vor den Fenstern. Die Bewohner machten zusammen Gymnastik, es gebe Musiktherapie und Kinderspiele – die mache er aber nicht mit, erzählt er. „Aber die geben sich schon viel Mühe hier.“

Trotz der Vollbelegung bleibe das Haus ein Zuschussgeschäft für die Mission Leben, sagt Pfarrer Bartl. Das liegt seiner Ansicht nach an der Unfähigkeit der Politik. „Seit Jahrzehnten ist es nicht gelungen, die Pflegestufen für Demenzerkrankungen zu verändern. Diese Erkrankung müsste beim Pflegeschlüssel angemessen berücksichtigt werden. Aber es wird von Minister zu Minister weitergereicht. Uns bedrängt das sehr.“ Die Innere Mission sei mit dem Haus an der Königsheide ein großes Risiko eingegangen.

„Es war die richtige Entscheidung“, sagt Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos). „Wir sind froh, dass es hier so gut läuft.“ Der Bedarf sei da, aktuell werde ganz in der Nähe ein zweites, privat betriebenes Altersheim gebaut.

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