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Strafanzeige gegen Amtsleiter in Neu-Isenburg

Online-Spielsucht

254.000 Euro weg - Strafanzeige gegen Amtsleiter in Neu-Isenburg

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Ein städtischer Beamter soll in Neu-Isenburg insgesamt 254.000 Euro Stiftungsgelder veruntreut haben. Nun wurde Strafanzeige gestellt.

Der Neu-Isenburger Leiter des städtischen Fachbereichs Sport und Kultur soll in die Kasse gegriffen haben. Als eines der fünf Vorstandsmitglieder der Volksbank-Stiftung zur Förderung von Sport und Kultur in Neu-Isenburg soll er seit 2016 sukzessive 254.000 Euro aus dem Stiftungsvermögen für sich abgezwackt und Unterschriften gefälscht haben. Der Grund: Online-Spielsucht. Die Stadt nannte den Namen des Tatverdächtigen nicht, wohl aber seine Funktion. Am Montag wurde er bis auf Weiteres vom Dienst freigestellt.

Der Stiftungsvorstand sei am 10. September über die Unregelmäßigkeiten informiert worden, sagte Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos). Nach einer Kontenüberprüfung habe die Volksbank Dreieich den Hinweis gegeben. „Ich habe den Fachbereichsleiter in mein Büro zitiert und mit ihm gesprochen. Er hat das Delikt sofort zugegeben“, so Hunkel.

Kontensperrung veranlasst, Bankkarte eingezogen

Eine Kontensperrung wurde veranlasst, die Bankkarte eingezogen. Die stellvertretende Fachbereichsleiterin für Sport und Kultur, Heidrun Schäffer-Rettig, wurde zum neuen Vorstandsmitglied der Volksbank-Stiftung berufen. Die Stadt bat die Kreisrevision als Aufsichtsbehörde um Prüfung, ob der Tatverdächtige auch auf städtischen Konten zugegriffen hat. „Wir haben bisher aber keine Anzeichen.“

Der beschuldigte Amtsleiter war bei der Stiftung zur Förderung von Sport und Kultur mit der Geschäftsleitung beauftragt und verfügte über Kontovollmacht. Schon seit 2016 soll er sich am Stiftungsvermögen bereichert haben, seit dem gleichen Jahr sei er schon spielsüchtig, so Hunkel. Es habe mehrere Abbuchungen gegeben, „der letzte Kontozugriff erfolgte im Mai dieses Jahres“.

Laut Kultur- und Sportdezernent Theo Wershoven (CDU), der auch als Vorsitzender der Stiftung zur Förderung von Kultur und Sport fungiert, sei der fehlende Betrag vom Tatverdächtigen mittlerweile zurückgezahlt und dem Stiftungsvermögen wieder zugeführt worden. Das Geld stammte aus dem Verkauf einer Eigentumswohnung und war eigentlich für einen schönen Lebensabend mit seiner Frau bestimmt, so Hunkel.

Amtsleiter in Neu-Isenburg: Keiner wusste von Spielsucht

Der Stiftung sei somit kein Schaden entstanden, sagte Wershoven, im Dezember könnten wieder 20.000 Euro für besondere Verdienste oder Projekte ausgeschüttet werden. Da der Ertrag in Zeiten der Niedrigzinspolitik gering ist – im Vorjahr waren das nur 300 Euro –, stockt die Volksbank die Summe regelmäßig auf.

Die Stadt habe nicht nur Strafanzeige wegen Veruntreuung, sondern auch wegen Unterschriftenfälschung gestellt, so Hunkel. Der Amtsleiter soll nämlich auch die Unterschrift eines Steuerberaters gefälscht haben, der als Kassenprüfer der Stiftung fungierte. Dass die Manipulationen drei Jahre lang nicht auffielen, erklärte Erster Stadtrat Stefan Schmitt (CDU) als Mitglied des Stiftungsvorstands so: „Uns wurden vom Steuerberater erstellte und unterzeichnete Bilanzen vorgelegt. Da geht man natürlich davon aus, dass alles in Ordnung ist.“

Der Beamte sei jetzt in fachärztlicher Behandlung, sagte Hunkel. „Kein Mensch hat gewusst, dass er spielsüchtig ist, nicht einmal seine Frau.“ Bei einer Verurteilung zu einer Strafe von mindestens zwölf Monaten seien seine Pensionsansprüche verwirkt.´

Von Annette Schlegl

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