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Auch Gerdi, die 88-jährige Parkplatzwächterin des Frankfurter Hauses, behält ihren Arbeitsplatz.

Neu-Isenburg

Wieder Hoffnung im Frankfurter Haus

Die Neu-Isenburger Traditionsgaststätte hat schwere Zeiten hinter sich. Ein Wasserrohrbruch brachte Wirtin Monika Schwebel monatelangen Verdienstausfall. Doch sie bleibt optimistisch: „Das Team steht hinter mir“, sagt sie.

Von Achim Ritz

Am Himmel über dem historischen Gasthof Frankfurter Haus im Norden von Neu-Isenburg ziehen an diesem Vormittag dunkle Wolken auf. Da braut sich etwas zusammen. Doch der Sommerregen dauert nur kurz, nach einer halben Stunde strahlt der Himmel an einigen Stellen schon wieder in kräftigem Blau. So wechselhaft wie das Wetter war bis vor kurzem auch die Stimmung von Monika Schwebel, der Inhaberin des Gasthofs. Es ging wirtschaftlich hin und her, mal gab es in dem beliebten Gastronomiebetrieb mit der großen Gartenwirtschaft ein Gewitter, mal Sonnenschein.

Monika Schwebel musste Anfang des Jahres bei der GmbH, die sie vom Vorbesitzer des Frankfurter Hauses übernommen hatte, die Reißleine ziehen und Insolvenz anmelden. Das Traditionsgasthaus hat sie fortan als Firma auf ihren eigenen Namen angemeldet. Der Betrieb, in dem rund 30 Teil- und Vollzeitkräfte beschäftigt seien, laufe aber weiter, betont sie. „Das Team steht hinter mir. Wir sind optimistisch“, sagt die Wirtin aus Neu-Isenburg und ergänzt: „Ich will jetzt nur meine Ruhe haben und meine Arbeit hier machen“.

Die Turbulenzen der vergangenen Jahre, die juristische Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Besitzer des Frankfurter Hauses, dessen Namen sie nicht mehr aussprechen möchte, haben viel Kraft gekostet. Um das historische Wirtshaus, das sie 2003 gepachtet hatte, nicht zu verlieren, hat sie die Immobilie 2005 gekauft. „Das ist meine Existenz“, sagt Monika Schwebel.

Ihre berufliche Existenz stand vergangenes Jahr zeitweise auf der Kippe, als es im Nebengebäude der Wirtschaft, dem sogenannten kleinen Frankfurter Haus einen Wasserrohrbruch und rund 250.000 Euro Schaden gab. Besonders schlimm seien die Einnahmeausfälle gewesen, klagt die Wirtin. Sie habe viele Anfragen zu Hochzeits- oder Geburtstagsfeiern zurückweisen, Gesellschaften absagen müssen, denn das Haus konnte wegen der Erneuerungsarbeiten von Februar bis November nicht genutzt werden.

Trotz der Altlast wegen der Insolvenz der alten GmbH werde ihr aber finanziell jetzt nicht die Luft genommen, sagt Monika Schwebel. Der Mut auch nicht. Sie gibt sich zuversichtlich, schmiedet schon wieder Pläne, die sie jedoch nicht allein realisieren kann. Auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Areal des Frankfurter Hauses gebe es genügend Freifläche, auf der ein Hotel entstehen könnte, so die Wirtin.

Ein Hotel auf dem hinteren Teil des Grundstücks und der bestehende Gastronomiebetrieb vorn könnten ihrer Ansicht nach eine gute Symbiose eingehen. Chinesische Investoren hätten bei ihr bereits angeklopft, doch die Pläne der Asiaten seien für diesen Standort am Wald, der auf Frankfurter Gemarkung liegt, eine Nummer zu groß gewesen. Also bleibt erst einmal alles beim Alten, und die 88-jährige Frau vorn am Parkplatz, die alle nur Gerti nennen, darf wie in den vergangenen Jahrzehnten weiterhin die Gäste begrüßen und dafür sorgen, dass die mitunter noblen Karossen mancher prominenter Gäste platzsparend abgestellt werden.

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