Die Studierenden der Hochschule Darmstadt lassen die Straßenbahn per Fotomontage schon mal fahren.  
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Die Studierenden der Hochschule Darmstadt lassen die Straßenbahn per Fotomontage schon mal fahren.

Neu-Isenburg/Dreieich

Per Straßenbahn von Frankfurt über Neu-Isenburg bis nach Dreieich

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Von Frankfurt über Neu-Isenburg bis nach Dreieich: Studierende der Hochschule Darmstadt haben untersucht, wie die Straßenbahnlinie 17 verlängert werden kann, die derzeit noch am Neu-Isenburger Ortseingang endet.

Noch fährt die Straßenbahnlinie 17, die Frankfurt mit Neu-Isenburg verbindet, nur bis zur Stadtgrenze, noch ist am Ortseingang von Neu-Isenburg Schluss. Das könnte sich aber ändern: Die Tram soll künftig der Länge nach von Nord nach Süd durch die Stadt fahren und dann sogar weiter nach Dreieich zum Bahnhof Sprendlingen führen. So plant es zumindest die Stadt Frankfurt und hat die Städte Neu-Isenburg und Dreieich gebeten, sich an einer Studie zu beteiligen, die die Kosten und den Nutzen einer Verlängerung der Straßenbahnlinie 17 untersucht.

Einige Studierende im Masterstudium Verkehrswesen an der Hochschule Darmstadt haben schon mal Vorarbeit geleistet. In einer Lehrveranstaltung zum Thema „Stadtstraßen“ haben sie geprüft, ob der vorhandene Platz ausreicht, um eine Straßenbahn von Frankfurt über Neu-Isenburg nach Dreieich-Sprendlingen fahren zu lassen. Ihr Ergebnis: In Neu-Isenburg reicht der Straßenraum für eine zweispurige Tram, in Dreieich könnte es für eine zweigleisige Streckenführung eng werden. In einer ersten Grobplanung ist dort nur ein Gleis angedacht. Im Sommersemester werden sich die Studierenden mit der Route in Dreieich aber noch näher befassen.

In Neu-Isenburg haben sich die Studierenden erst einmal die Ist-Situation mit Verkehr, Park- und Querungsmöglichkeiten angeschaut und sind in die Busse eingestiegen. „Es fahren viele Busse, aber relativ unpünktlich“, sagte Professor Jürgen Follmann bei der Vorstellung der Ergebnisse im Rathaus. Eine Straßenbahn könne viel mehr Menschen transportieren, deshalb seien künftig nicht mehr so viele Busse notwendig.

Das Strassenbahnprojekt

Die Idee einer Verlängerung der Straßenbahnlinie 17 ist nicht neu. Schon zu Zeiten des Umlandverbands Frankfurt – dem Vorgänger des Regionalverbands Frankfurt/RheinMain, der von 1975 bis 2001 existierte – wurde eine Machbarkeitsstudie bis zur Zeppelinstraße in Dreieich in Auftrag gegeben.

Die Gelegenheit ist günstig, weil der Fördersatz jetzt hoch ist. Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz wurde erst vor zwei Wochen geändert: Der Bund fördert Investitionen in den ÖPNV nun mit 75 statt bisher 60 Prozent, sofern eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung erfolgt.

Pro Kilometer Straßenbahn rechnet Professor Jürgen Follmann von der Hochschule Darmstadt mit „locker 15 Millionen Euro Kosten“. Bei den sechs Kilometern bis zum Bahnhof Sprendlingen wären das 90 Millionen Euro.

Die Sanierung bestehender Anlagen ist jetzt ebenfalls förderfähig. Damit könnte auch die Grunderneuerung der Endhaltestelle in Neu-Isenburg bezuschusst werden. ann

Die Straßenbahnen führen auf zwei Gleisen „grundsätzlich immer auf der Fahrspur der Autos mit“, sagte Follmann. Seine Studierenden haben den Straßenraum in ihrer Untersuchung neu aufgeteilt und auch gleich einen Radfahrstreifen mit eingeplant, der mindestens 1,85 Meter breit ist. Es sei versucht worden, Parken wechselseitig beizubehalten. Anders ausgedrückt heißt das: Eine Parkreihe würde an der Frankfurter Straße verschwinden, mehr als die Hälfe der Parkplätze ginge verloren. „Aber meine Studierenden haben gesehen, dass im Parkhaus des Isenburg-Zentrums noch viele Plätze frei sind“, sagte der Professor.

An der Haltestelle Isenburg-Zentrum, der Kreuzung mit den Zügen der Regionaltangente West (RTW), können die Autos an der Straßenbahn vorbeifahren. „So stellen wir die RTW nicht zu.“ Follmann plädierte für einen schnellen Grundsatzbeschluss, „damit die Kreuzung nicht zweimal aufgerissen werden muss“.

Entlang der Landesstraße 3317, die Neu-Isenburg mit Dreieich verbindet, soll die Strecke nur eingleisig verlaufen, damit im dortigen Schutzwald möglichst wenig Bäume fallen müssen. Auch in Dreieich haben die Studierenden nur ein Gleis vorgesehen. „Sie haben ohne große Umbauten und möglichst kostengünstig geplant“, sagte Follmann. Wenn man aber zukunftsträchtig bauen wolle, solle man dies zweigleisig tun und auch Mobilitätsstationen in Dreieich diskutieren. Und: „Man sollte sich mit dem Bau direkt an die RTW hinten dranhängen.“

Die Stadt Frankfurt hatte die beiden Städte gebeten, für die Potenzialanalyse zu kooperieren, die Daten zur Machbarkeit, möglichen Fahrgastzahlen und voraussichtlichem Nutzen liefert. Die Untersuchung der Darmstädter Studierenden reicht nämlich als Entscheidungsgrundlage nicht aus.

Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel und sein Dreieicher Kollege Martin Burlon (beide parteilos) wollen darüber hinaus auch noch wissen, ob der Einzelhandel so gestärkt werden kann, wie sich die Tram auf den innerörtlichen Verkehr auswirkt, und ob auch der Radverkehr zukunftsgerecht eingebunden werden kann.

Die Kosten der Analyse sollen gedrittelt werden; auf jede Stadt kämen rund 17 000 Euro zu. Eine entsprechende Magistratsvorlage wird am 4. März in Dreieich im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Energie behandelt sowie am 11. März im Neu-Isenburger Bauauschuss.

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