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Stimme der Stadt

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Von: Andreas Hartmann

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Angelika Müller empfängt die Besucher im Neu-Isenburger Rathaus. Jetzt stellt sie dort auch ihre Bilder aus.
Angelika Müller empfängt die Besucher im Neu-Isenburger Rathaus. Jetzt stellt sie dort auch ihre Bilder aus. © Monika Müller

Angelika Müller empfängt die Besucher im Neu-Isenburger Rathaus. Neuerdings tut sie dies auch mit Kunst.

Angelika Müller dürfte zu den bekanntesten Menschen von Neu-Isenburg gehören –trotzdem wird sie auf der Straße nur höchst selten erkannt. Müller sitzt seit zehn Jahren am Empfang des Rathauses. Wer hier anruft, hört ihre angenehm tönende volle Stimme mit dem leicht hessischen Zungenschlag auf dem Anrufbeantworter der Stadt oder landet direkt bei ihr selbst und wird weitervermittelt.

Ist es nicht manchmal ganz schön hart, am Empfang zu sitzen und alles abzukriegen? „Bei uns rufen ja ganz unterschiedliche Menschen an, wir sind die ersten Ansprechpartner im Rathaus. Wir müssen entscheiden, an wen wir die Anrufer weiterverbinden. Ich höre gerne zu, aber wenn noch viele weitere Leute warten, muss ich das auch sagen. Ich bin sehr gelassen geworden“, sagt die gebürtige Offenbacherin.

Die Gesichter am Eingang merken sich die Besucher nicht, ist ihre Erfahrung. „Achtzig Prozent der Besucher fragen erst mal uns. Wir zeigen den Leuten, wo sie hinmüssen, und dann sind wir auch schon wieder vergessen. Aber ich bin auch ganz froh darüber.“

In den kommenden Tagen und Wochen ist das vielleicht ein bisschen anders: Denn bis zum 31 Juli empfängt Müller die Besucher im Foyer des Rathauses gleich doppelt: persönlich und mit ihren Bildern. Gemeinsam mit einer Freundin, der Fotografin Petra Grölle, nutzt sie den langgestreckten Raum für eine Ausstellung, der sie zusammen den Titel „Struktur trifft Natur“ gegeben haben. Und so kann sie – das gibt es sicher selten bei Ausstellungen – jeden Tag von der Empfangstheke aus zuschauen, ob die Rathausbesucher vor ihren bunten abstrakten Gemälden stehenbleiben und was sie dazu sagen.

Neue Chance mit 50

Dass sie hier ausstellen darf, empfindet die 59-Jährige immer noch als etwas ganz besonderes. Denn ihren Arbeitsplatz hier bei der Stadt liebt sie, und was sie hier tut, tut die „begeisterte Isenburgerin“, wie sie selbst sagt, mit großer Freude. „Ich fand es toll, dass ich damals hier in der Stadtverwaltung eine Chance bekommen habe, obwohl ich schon 50 war“, sagt sie. „Ich hatte vorher unendlich viele Bewerbungen geschrieben und war sehr geknickt. Und dann durfte ich hier noch mal durchstarten. Ich habe das Gefühl, dass man immer wieder etwas lernen kann, muss und sollte.“

Der neue Beruf war auch ein gutes Training für Müllers Stimme – Bandansagen für die Stadt spricht sie heute fast immer ohne eine Korrektur. „Aber ich bin ja eh ein emotionaler Mensch“, sagt sie. Vor einem Jahr erst hat sie mit dem Singen begonnen, heute singt sie voller Begeisterung bei einem Frauenchor. „Das ist genial.“

Auch mit dem Malen hat die ausgebildete Dekorateurin, die vor vielen Jahren zur Büroassistentin umschulte, spät angefangen, erst vor 15 Jahren. Als Künstlerin sehe sie sich nicht, sagt sie mehrfach – und macht sich doch viele Gedanken über ihre Bilder. „Ich habe meine Vorstellungen von dem, was ich machen will. Dazu gehört auch, zu wissen, wann es gut ist, aufzuhören. Manchmal übermale ich meine Bilder wieder.“ Und dann ist wieder Platz für etwas Neues.

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