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Im Jahr 1848 war der kreuzförmige Grundriss der hugenottischen Siedlung Neu-Isenburg noch deutlich zu erkennen.

Neu-Isenburg

Auf den Spuren der Hugenotten

Ein Geschichtspfad vom Walldorfer Badesee über Zeppelinheim bis zur Bansamühle in Neu-Isenburg erinnert an die Flucht der französischen Protestanten und an ihre gelungene Integration in der neuen Heimat.

Von Anne Jäger

Wer auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser wandeln möchte, kann sich ab Oktober bei einem gemütlichen Spaziergang durch Neu-Isenburg und Zeppelinheim über die Geschichte der Flüchtlinge informieren. Zwar reicht der historische Fluchtweg von der Dauphiné in Südfrankreich über die Schweiz bis nach Bad Karlshafen in Nordhessen, doch rund 15 von den 1800 Kilometern des Fernwanderweges führen durch den Streckenabschnitt Neu-Isenburg.

25 Texttafeln säumen dann den Weg und erzählen von der Flucht und den Lebensverhältnissen der Hugenotten. Damit verbunden ist die Siedlungs- und Stadtgeschichte Neu-Isenburgs mitsamt ihrer regionaltypischen Besonderheiten. Die Route beginnt am Badesee Walldorf und führt zunächst nach Zeppelinheim. Beschäftigte des Luftschiffhafens gründeten dort Anfang des vergangenen Jahrhunderts eine Siedlung, um in der Nähe ihres Arbeitsplatzes zu wohnen.

Der Hugenottenpfad führt zum Naturschutzgebiet Gehspitzweiher, am Weiher entlang, durch die Bahnhofsunterführung bis zum Waldspielplatz Tannenwald. Hier erinnern mehrere Tafeln daran, dass auch heute noch Menschen in Neu-Isenburg eine neue Heimat finden.

Die Strecke verläuft weiter an der Friedensallee und führt zum Frankfurter Haus, das ursprünglich ein Forsthaus war. Es diente dem Förster dazu, die ersten Siedler davon abzuhalten, Vieh zum Weiden in den Wald zu führen. Der Hugenottenpfad führt die Spaziergänger zum Alten Stadthaus und zum Marktplatz, wo die Hugenotten ihre erste Kirche errichteten. Durch die Pfarrgasse geht es ein paar Schritte weiter zur Alten Schule, die die Stadt jetzt erst hat sanieren lassen. Dort bekommen Interessierte einen Einblick in das Leben einer 15-jährigen Hugenottin. Ihre Vita wird auf einer Texttafel als fiktive Geschichte erzählt.

Der letzte Rastpunkt ist die Bansamühle, wo sechs weitere Tafeln über die Stadtgeschichte bis hin zum Zweiten Weltkrieg informieren. Wanderer können den Pfad in beide Richtungen laufen. Die Bansamühle ist sowohl Start- als auch Endpunkt.

Im vergangenen Jahr wurde bereits der Trägerverein Hugenotten- und Waldenserpfad gegründet, der die Realisierung des Streckenabschnitts voranbrachte. Erster Vorsitzender des Vereins ist Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos). Die Leiterin des Kulturbüros, Bettina Stuckard, hat das Projekt umgesetzt und die Texttafeln innerhalb von zwei Monaten entworfen. Das Projekt kostet etwa 10.000 Euro. Diese Summe wird sowohl von der Stadt als auch von Spenden verschiedener Neu-Isenburger Firmen gezahlt. Die Infotafeln werden erst kurz vor der Eröffnung angebracht.

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