In der ehemaligen Wurstfabrik an der Schleussnerstraße wurden einst die berühmten Frankfurter Würstchen hergestellt. stadt neu-isenburg
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In der ehemaligen Wurstfabrik an der Schleussnerstraße wurden einst die berühmten Frankfurter Würstchen hergestellt.

Neu-Isenburg

Wo sich in Neu-Isenburg einst die Wurstdosen stapelten

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Die Stadt Neu-Isenburg hat überraschend alte Fotos von der Produktion in der Wurstfabrik Luft erhalten. Das alte Gebäude soll das Herzstück des Stadtquartiers Süd werden.

Am 25. März werden die Stadtverordneten in ihrer Sitzung den Bebauungsplan für das Stadtquartier Süd, das letzte große zusammenhängende Siedlungsgebiet in Neu-Isenburg, beschließen. Dann ist der Weg frei für Neubauten auf dem 105 000 Quadratmeter großen Areal. Ein Teil der Stadtgeschichte bleibt jedoch erhalten: Der Klinkerbau der ehemaligen Bundesmonopolverwaltung für Branntwein an der Schleussnerstraße wird als Herzstück des Quartiers mitsamt angeschlossener Halle saniert, eine Kita soll ins Hauptgebäude einziehen.

Dass auf dem Gelände einst die Wurstfabrik Luft ansässig war, die die berühmten Frankfurter Würstchen hergestellt hat, ist zumindest den älteren Neu-Isenburgern noch geläufig. Doch diejenigen, die dort gearbeitet haben, sind längst verstorben, und wie es im Inneren des Ziegelsteingebäudes aussah, war somit nicht bekannt – bis zur vergangenen Woche. Da erreichte Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos), der auch Vorsitzender des Vereins für Geschichte, Heimatpflege und Kultur ist, Post aus Böblingen. Thorsten Pohl hatte dort das Haus der Familie Leukroth entrümpelt und fand wertvolle Dokumente und Fotos über die Wurstherstellung in dem alten Neu-Isenburger Ziegelsteingebäude. „Pohl hat den Nachlass nicht entsorgt, sondern der Stadt zur Verfügung gestellt“, freut sich Hunkel.

Stadtquartier Süd

Das Stadtquartier Südentsteht auf bisher versiegelten Industrieflächen an der Schleussnerstraße und Hugenottenallee.

Neben Wohn- und Bürogebäudensind ein öffentlicher Park und ein freier zentraler Platz sowie eine Kita und eine Markthalle mit Gastronomie geplant.

Im Februarwurde bereits mit den Rodungs- und Abrissarbeiten für das Quartier begonnen.

Am Donnerstag, 12. März,erhalten die Bürger um 19 Uhr im Plenarsaal des Rathauses Einblick in die Inhalte des Bebauungsplans. Dabei werden auch die nächsten Schritte vorgestellt. 

Stolz zeigte er am Mittwoch in der Magistrats-Pressekonferenz rund 20 alte Schwarzweiß-Bilder aus der Fleisch- und Wurstproduktion, die auf Papier geklebt sind. Dank Pohl sind jetzt auch Zeitungsausschnitte aus den 20er- bis 50er-Jahren, ein Zeugnis für „Herrn Wilhelm Luft“ über die Befähigung zur Bedienung eines Dampfkessels, sowie Bankunterlagen aus den 1920er-Jahren im Besitz der Stadt. Umbaupläne für die Luft’sche Spezialfabrik für Frankfurter Würstchen wurden ebenfalls per Post nach Neu-Isenburg geschickt, sowie ein Lageplan-Baugesuch für den späteren Standort im Alten Ort, eine Zeichnung des Kesselhauses und eine Baubeschreibung in Sütterlin-Schrift, „die wir erst entziffern müssen“, so Hunkel. Die Schwarzweißfotos sollen ausgestellt werden, so Hunkel, müssten aber erst noch digitalisiert und damit gesichert werden.

„Die Fliesen und der Fliesenspiegel, die auf den alten Bildern zu sehen sind, sind immer noch da und sollen auf jeden Fall erhalten werden“, sagt der Bürgermeister. Er sei froh, dass die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobau „und nicht irgendeine Heuschrecke“ das Gelände der einstigen Branntweinmonopolverwaltung des Bundes erwerben konnte. So habe man einen entsprechenden Einfluss.

Die Gewobau wird auf ihrem Bundesmonopolgelände 370 Wohnungen entstehen lassen, der Frankfurter Investor Groß & Partner, der auch die DFB-Fußballakademie plant, baut auf dem angrenzenden ehemaligen Agfa-Areal 380 Wohnungen. 60 Prozent Wohnen und 40 Prozent Gewerbe sind in dem Quartier geplant – oder anders ausgedrückt: Es gibt Platz für 1700 Menschen und 1900 Arbeitsplätze.

Nach zehn Jahren könne der Bebauungsplan für das Stadtquartier Süd am 25. März endlich Rechtskraft erlangen, so Hunkel. Die Offenlage sei schon beendet und habe ergeben, dass sich die Schallgrenzen geringfügig geändert haben. Deshalb müsse im Quartier Lärmschutz installiert werden.

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