+
An der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 17 könnte die Seilbahn über die Frankfurter Straße beginnen.

Neu-Isenburg

Per Seilbahn über die Innenstadt

  • schließen

Neu-Isenburgs Erster Stadtrat will eine kuriose Idee Realität werden lassen: eine zwei Kilometer lange Seilbahn über die Frankfurter Straße.

Es ist nicht so, als sei der Gedanke noch nie da gewesen, aber er klingt für viele verrückt oder zumindest kurios: Stefan Schmitt, Erster Stadtrat und CDU-Vorsitzender in Neu-Isenburg, hat die Idee einer Seilbahn über das Zentrum seiner Heimatstadt neu befeuert. Im Jahrespressegespräch des CDU-Stadtverbands  machte er sich für eine solche Trasse vom nördlichen Ortseingang zur südlichen Stadtgrenze stark.

Im September 2017 tauchte das Thema Seilbahn in Neu-Isenburg zum ersten Mal auf, und zwar als Zukunftsidee von Stadtrat Dirk Wölfing (Grüne) beim Messekongress „Quo vadis – Stadt der Zukunft“ in der Hugenottenhalle. Die Gondeln könnten doch über die Frankfurter Straße schweben, meinte er damals. Heißt: Eine Seilbahn-Trasse von zwei Kilometern von der Frankfurter Stadtgrenze bis zur Südgrenze in Richtung Dreieich-Sprendlingen. Anfangspunkt wäre die Straßenbahn-Endhaltestelle der Linie 17.

Eine Seilbahn sei vorteilhaft, meint Schmitt, weil sie nur wenig Platz brauche. Die Stahlträger müssten nicht „alle paar Meter platziert werden“. Und Platz sei auf der stark frequentierten Frankfurter Straße das große Thema. Seit Jahrzehnten werde über die Verlängerung der Straßenbahnlinie nach Sprendlingen diskutiert. Aber der Straßenraum sei nicht breit genug für Tram, Autos, Fußgänger, Radfahrer, Bäume, Busse, Parkplätze, Aufenthaltsqualität und Andienung der Geschäfte. „Wenn man dort die Straßenbahn realisieren will, wird man irgendeine Nutzung aufgeben müssen“, so Schmitt. Eine Seilbahn dagegen muss sich den Platz mit niemandem teilen, sei darüber hinaus auch vergleichsweise einfach und preiswert zu bauen.

„Ich weiß, dass es Leute gibt, die von einer spinnerten Idee sprechen, aber man muss dem Thema auf jeden Fall Raum geben“, sagt Schmitt. Die alternative Verkehrslösung werde deutschlandweit vor allem in Metropolregionen immer häufiger diskutiert. „Wenn wir über die Frankfurter Straße diskutieren, möchte ich eine Seilbahn-Lösung als Zukunftsmusik mitdiskutieren“, sagt er, und erklärt: „Wir reden über die Zeit, wenn die RTW-Strecke in der Stadt realisiert ist.“

Schmitt steht mit solchen Visionen nicht alleine da: Erst vor wenigen Tagen hat RMV-Geschäftsführer Knut Ringat eine Personen-Seilbahn über den Main zwischen Frankfurt und Offenbach ins Gespräch gebracht, für die möglicherweise noch in diesem Jahr eine Machbarkeitsstudie erstellt werden soll.

Ideenskizze beauftragt

Der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main hat Anfang Dezember für 10 000 Euro sogar schon eine Ideenskizze beauftragt. Jürgen Follmann, Professor für Verkehrswesen an der Hochschule Darmstadt, solle mit seinen Studierenden mögliche Orte und deren Topographien untersuchen, so Regionalverbandsdirektor Thomas Horn. Im Mai werde der Regionalverband dann zum ersten regionalen Seilbahntag einladen. „Da wird auch die erste Referenzstrecke genannt werden.“

Schmitt habe mit ihm schon konkret über das Neu-Isenburger Projekt gesprochen, sagt Horn. Er sieht es als überaus wichtig an, dass Seilbahnen in der Rhein-Main-Region auf die politische Agenda kommen. „Wir wollen Pioniere sein, wollen die Diskussion anschieben, dieses Verkehrsmittel näher zu prüfen.“

„Wir können unsere Verkehrsprobleme nur noch lösen, wenn wir unkonventionelle Wege gehen“, sagt Horn. Für den urbanen Raum sei eine Brückentechnologie notwendig, „weil S- und U-Bahn-Projekte Planungshorizonte von 30 Jahren haben“. Eine Seilbahn sei rein von der Bauzeit her innerhalb von zwei Jahren realisiert, sie sei auch günstiger als ein Schienenprojekt, verursache geringe Betriebs- und Investitionskosten, der Flächenverbrauch sei niedrig, die Beförderung stetig, es gebe keine Wartezeiten. „Wir halten eine Seilbahn für noch effektiver als Radschnellwege“, sagt Horn. Seilbahnen müssten unbedingt in den ÖPNV integriert werden.

„Probleme fangen an, wenn das Seilbahnsystem über sieben oder acht Kilometer geht“, sagt er. Demnach sei die angedachte Neu-Isenburger Strecke optimal. Horn spricht von einer Kabinenbahn, die mit Rollator, Kinderwagen und Fahrrad zu benutzen ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare