Restaurantbesitzerin Claudia Bubenheim mit veganem New York Cheesecake, einer von den Gästen geliebten Spezialität.  
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Restaurantbesitzerin Claudia Bubenheim mit veganem New York Cheesecake, einer von den Gästen geliebten Spezialität.  

Neu-Isenburg

Neu-Isenburg: Corona-Auflagen machen Geschäft unrentabel

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Das vegane Restaurant Paletti in Neu-Isenburg schließt wegen Corona vorübergehend, um ein neues Konzept zu finden.

Claudia Bubenheim aus Neu-Isenburg hat in ihrer Karriere als Restaurantbesitzerin schon einmal eine tiefgreifende Entscheidung getroffen: Vor zwei Jahren wurde aus ihrer Genussbar „Paletti“ ein rein veganes Lokal. Jetzt hat sie wieder einen Entschluss gefasst, den ihr allerdings Corona aufgezwungen hat: Da die Einnahmen wegen der strengen Covid-19-Auflagen nicht reichen, schließt das Restaurant vorübergehend. Binnen vier Wochen will Bubenheim eine Lösung finden, wie sie und ihr kleines Lokal überleben können.

Fünf Jahre gibt es das Paletti an der Kirchstraße jetzt schon. Schnuckelige Kleingastronomie, Wohnzimmeratmosphäre, anfangs noch vegetarisch-vegan und mit Biofleischspeisen, seit zwei Jahren mit rein pflanzlicher Küche. Am morgigen Sonntag ist das einzige vegane Restaurant in Neu-Isenburg nun letztmals geöffnet, bevor es an die Umstrukturierung geht.

„Durch Corona konnten wir in den vergangenen Wochen in keinster Weise rentabel wirtschaften“, sagt Bubenheim. Vor zwei Wochen hat sie die kleine Terrasse des Lokals geöffnet, konnte dort aber wegen des geforderten Mindestabstands nur acht bis zehn Plätze anbieten. Der Gastraum mit den 24 Sitzplätzen blieb ganz geschlossen. Er sei zu klein, um die Abstandsregeln einhalten zu können, erklärt Bubenheim. „Ich muss dort die Laufwege freihalten, es darf auch kein Tisch auf dem Weg zur Toilette stehen.“ Dass der beliebte Sonntagsbrunch, der immer viel Umsatz brachte, im Gastraum noch nicht möglich ist, schmerzt sie besonders. Der Personalaufwand habe somit in den vergangenen Tagen in keinem Verhältnis zum Umsatz gestanden.

Take-away-Service für sich entdeckt

So lange die Restaurants in Hessen zu bleiben mussten, entdeckte Bubenheim wie viele andere Lokalbesitzer den Take-away-Service für sich. „Das lief an manchen Tagen ganz gut, an anderen schlecht, war aber nicht kostendeckend“, sagt sie. Die Gerichte konnte sie nicht für den Preis wie im Restaurant verkaufen und auch Menüs konnten nicht angeboten werden. Das lag jedoch nicht nur an Corona, sondern auch an einem Missgeschick ihres Kochs: Er schnitt sich die Fingerkuppe ab, wurde krank geschrieben, und die 49-Jährige musste zusätzlich vier Wochen lang Ersatzpersonal bezahlen.

Die vom Staat angeordneten Restaurantschließungen wegen Corona kamen für Bubenheim zu einer Unzeit – gerade, als sie beschlossen hatte, nicht nur abends und sonntags zum Brunch zu öffnen, sondern von Montag bis Freitag auch einen Mittagstisch zu etablieren. Ein zweiter Koch wurde eingearbeitet und Anfang März machte das Paletti erstmals mittags auf. „Eine Woche lang, dann mussten wir schließen.“ Die Gastronomin erhielt Corona-Soforthilfe vom Staat. „Zu wenig“, stellte sie im Nachhinein fest. Die Kalkulation der Einnahmen ging nicht auf, da der Umsatz ihres zweites Standbeins – ein Eventservice – „komplett bei null liegt“. Der Eventservice habe das Paletti vor allem in den Sommermonaten mitgetragen, sagt sie. Weil die Außengastronomie der Genussbar sehr klein ist und die Gäste in lauen Nächten lieber draußen sitzen, sei dort im Sommer kein großer Umsatz zu machen.

Konzept für einen Hofgarten eingereicht

Die Restaurantbesitzerin will sich nun neu strukturieren und hat bei der Stadt Neu-Isenburg ein Konzept für einen Hofgarten eingereicht. „Ich warte noch auf die Genehmigung“, sagt sie. Am Gärtnerweg, dort wo sie ihr Büro und Lager hat, rund 500 Meter vom Paletti entfernt, will sie die große Hoffläche gastronomisch nutzen – natürlich wieder vegan. Dort soll auch der Brunch wieder möglich sein sowie Feiern für dann bis zu 50 Leute – in Vor-Corona-Zeiten eine wichtige Einnahmequelle für sie. Das Paletti will sie trotzdem weiterführen. „Das ist für mich eine Herzensangelegenheit.“ 

Aber das Angebot, die Öffnungszeiten und die Speisen würden sich wandeln, sagt sie. Parallel soll auch ein veganes Bed-and-Breakfast-Hotel ans Paletti angeschlossen werden. „Ich habe das Haus am Jahresende gekauft und will es sanieren“, sagt sie. Crowdfunding soll bei der Finanzierung des Hotels helfen.

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