Neu-Isenburg

Nachts Tempo 90 auf der A3 in Höhe Neu-Isenburg

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Eine Neu-Isenburger Bürgerinitiative fordert vom Verkehrsminister eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 90 km/h für Autos auf der A3.

Gerade einmal 500 Meter sind es vom Alten Ort, dem Ortskern von Neu-Isenburg, zur Autobahn 3, die dort achtspurig vorbeiläuft. Im Ortsteil Gravenbruch sind die Bürger noch näher dran – manche wohnen sogar nur 100 Meter von der A3 entfernt. Tagsüber werde der Verkehrslärm von anderen Lärmquellen – in der Hauptsache von den Flugzeugen – übertüncht, sagt Norbert Schniotalla, Sprecher der Bürgerinitiative Schöner Alter Ort. Doch nachts, wenn die Flugzeuge am Boden bleiben, sei die Autobahn umso lauter zu hören. Die Bürgerinitiative (BI) hat deshalb an Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) geschrieben.

„Lärmschutzwände kosten viel Geld“, weiß Schniotalla. Deshalb schlägt die BI vor, zwischen 22 und 6 Uhr die Geschwindigkeit auf der A3 in Höhe Neu-Isenburg für Autos auf 90 Stundenkilometer zu begrenzen; für Lastwagen soll nur noch Tempo 60 erlaubt sein. Zumindest eine zeitlich begrenzte Testphase müsse doch möglich sein, meint die BI in dem Schreiben an den Verkehrsminister. Schließlich gebe es auf der Autobahn 661 auf Dreieicher Gemarkung von 22 bis 6 Uhr auch Tempo-80-Schilder. „Wir verlangen also nichts Utopisches.“

Tagsüber regele die Verkehrsleitzentrale die Geschwindigkeit auf der A3 durch LED-Verkehrszeichen auf 110 oder 120 Stundenkilometer herunter, sagt Schniotalla, „aber nachts gilt dort freie Fahrt für freie Bürger“. Vor allem bei Nord- und Ostwind seien die acht Spuren eine Lärmquelle. „Wir hören nachts die Lkw hupen und die Motorräder aufdrehen.“

Hessen-Mobil bleibt hart

Die BI verweist darauf, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung zu weniger Schadstoffen führe. Und auch Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) schöpft „im Zeichen des Klimawandels“ Hoffnung.

Die zuständige Straßenverkehrsbehörde Hessen-Mobil erteilt Tempo 90 auf FR-Anfrage aber eine Absage. Bereits im Vorjahr seien Lärmberechnungen durchgeführt worden, um zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine nächtliche Geschwindigkeitsbegrenzung erfüllt seien – damals auf 80 Stundenkilometer. Ergebnis: Die Lärmgrenzwerte von 60 Dezibel seien nicht überschritten worden. „Die damals durchgeführten Berechnungen haben immer noch Bestand“, schreibt die Behörde. Auch eine zeitlich begrenzte Testphase sei somit ausgeschlossen.

Allerdings seien bei drei Gebäuden an der Stieglitzstraße in Gravenbruch die Lärmgrenzwerte um 1 bis 7 Dezibel überschritten worden. Deshalb seien dort Schallschutzfenster und -lüfter eingebaut worden. Die Stadt ließ den Verkehrslärm auch selbst untersuchen. „Nach unseren Berechnungen haben wir immer noch eine Grenzwertüberschreitung in einem Wohnblock“, sagt Hunkel. Gemeinsam mit Hessen-Mobil wolle man deshalb Messungen in den betreffenden Wohnungen durchführen, habe auch den Eigentümer schon zweimal angeschrieben, aber keine Antwort erhalten. Jetzt werde man direkt auf die Mieter zugehen.

In einer Anfrage an Hessen-Mobil wurde schon im Vorjahr die Bitte geäußert, auf Höhe Gravenbruch die Lärmschutzwand umzubauen, die „errichtet wurde, als die A3 noch vierspurig war“, so Schniotalla. Bei Hessen-Mobil biss man aber auf Granit. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass das Bauwerk in einem technisch guten Zustand sei, hieß es vonseiten der Behörde. Eine Ertüchtigung der Lärmschutzwand sei nur bei einem Neubau oder einer Erweiterung der Autobahn möglich, nicht aber beim Bauen im Bestand. „Obwohl eine weitere Fahrspur und die Freigabe der Standstreifen dazu kam“, ärgert sich Schniotalla. Hessen-Mobil spricht jedoch nicht von einer weiteren Fahrspur, sondern von einem „Sortierfahrstreifen“. Das rechtfertige somit keinen verbesserten Lärmschutz.

Dass eine Brücke über die A3 abgerissen wird und nach ihrem Neubau nun 20 Meter näher an die Wohnbebauung im Ortsteil Gravenbruch heranrücken soll, war für Hessen-Mobil bisher auch kein Argument. Man verbaue dafür ja Flüsterasphalt, argumentiere die Behörde, so Hunkel.

Auf FR-Anfrage erklärt Hessen-Mobil nun, dass die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau (Deges) für die Lärmschutzwand verschiedene Varianten prüfe. Deshalb lasse sich auch noch nicht sagen, ob sie erneuert oder umgebaut werde.

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