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Klaus Leichum zog als 14-Jähriger in die Gewobau-Wohnung – und seitdem nie mehr aus.

Gewobau

Neu-Isenburg: Mieter aus Überzeugung – seit Jahrzehnten

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Die gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Gewobau besteht seit 70 Jahren. Ein Bewohner der ersten Stunde ist nie ausgezogen.

Der alte Mietvertrag liegt vor ihm in einer Mappe auf dem Tisch. „55,50 D-Mark plus zwei D-Mark Wassergeld“, liest Klaus Leichum ab. So viel hat seine Mutter im Dezember 1953 für die Wohnung an der Wilhelm-Leuschner-Straße bezahlt, die die gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Gewobau Neu-Isenburg gerade errichtet hatte. Mehr als 55 Jahre später wird er zum 1. April 732 Euro inklusive Umlagen zahlen, wohnt aber immer noch dort – und ist damit einer von mehreren Mietern der ersten Stunde, die dem städtischen Wohnungsbauunternehmen über all die Jahre die Treue gehalten haben.

Am gestrigen Donnerstag feierte die Gewobau 70. Geburtstag: Per Stadtverordnetenbeschluss erfolgte am 21. März 1949 die Gründung, um die dramatische Wohnungsnot zu beseitigen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs herrschte. Ein handwerklicher und industrieller Verbund mischte damals kräftig mit: Er beteiligte sich mit 40,2 Prozent an der städtischen Gesellschaft. „Mitarbeiter in Handwerk und Industrie brauchten eine Wohnung“, erklärte Geschäftsführer Stephan Burbach. Heute gehört die Gewobau zu 96,93 Prozent der Stadt Neu-Isenburg, Erbengemeinschaften und das Unternehmen Du Pont halten die restlichen Anteile. „Man kann die Weitsicht der Gründerväter gar nicht hoch genug einschätzen“, sagte Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos). „Wir hätten hier viele Probleme, wenn wir diese Wohnungsgesellschaft nicht gehabt hätten.“

Männer und Frauen, die seit den Anfangsjahren in ihrer Gewobau-Wohnung leben, waren zum Jubiläum ins Rathaus eingeladen. Einer von ihnen ist Klaus Leichum, der Sohn des großen Neu-Isenburger Leichtathleten Wilhelm Leichum, der bei den Olympischen Spielen 1936 eine Bronzemedaille gewann, aber 1941 in Russland im Krieg fiel.

Der heute 80-Jährige fühlt sich wohl in den zweieinhalb Zimmern, die er am 15. Dezember 1953 mit seiner Mutter und einem seiner zwei Brüder bezog. Die Wohnung sei damals mit Kohle geheizt worden, blickt er zurück. Heute seien die 58,5 Quadratmeter sonnendurchflutet, hätten große Fenster und einen Balkon. Das waren auch die Punkte, die ihn dazu bewogen, nach dem Tod der Mutter im Jahr 2005 weiterhin dort zu wohnen. „Früher war das eine geförderte Wohnung“, sagt er. Als sie aus der Förderung fiel, habe es größere Mieterhöhungen gegeben. „Als die Mutter 250 Mark Miete für die Wohnung bezahlt hat, habe ich der Gewobau eine Kaution bezahlt, um die Wohnung behalten zu können“, sagt er.

Sechs Parteien wohnen in dem Haus an der Wilhelm-Leuschner-Straße, das in all den Jahren zweimal saniert wurde. „Das letzte Mal vor ungefähr sechs Jahren, da wurde der Balkon angebaut“, sagt Leichum. Auch der Nachbar unter ihm lebe schon sehr lange in dem Haus – obwohl die Mieten nach den Modernisierungen hochgingen.

Früher habe er schon Gedanken an einen Auszug in eine Eigentumswohnung gehabt, gibt der ehemalige Versicherungskaufmann zu. „Aber irgendwie habe ich keine passenden Angebote gefunden.“ Nun kommt ein Umzug nicht mehr in Frage – auch nicht in die jüngst nach seinem Vater benannte Straße im Neubaugebiet Birkengewann, wo die Gewobau Mietwohnungen und Reihenhäuser hochzieht.

Die Gewobau in Zahlen

Im Dezember 1949 wurde das erste Haus der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft bezogen. Bis Ende des Jahres 1958 wuchs der Wohnungsbestand auf 826 Wohnungen, Ende 1988 lag er bei 1834 Wohnungen.

Zum Vorjahresende hatte die Gewobau 2504 Wohnungen und 32 Gewerbeobjekte in ihrem Bestand.

Von 2006 bis 2018 investierte die städtische Gesellschaft rund 90 Millionen Euro, um 2232 Wohnungen in 217 Häusern zu modernisieren. ann

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