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Wer im „Feinkost-Paradies“ auf Plastik und unnötige Verpackungen verzichtet, erhält vergünstigte Preise.

Neu-Isenburg

Markteinkäufe ohne Plastik in Neu-Isenburg

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Immer weniger Plastik auf dem Neu-Isenburger Wochenmarkt. Ein Feinkosthändler gewährt sogar drei Prozent Rabatt für selbst mitgebrachte Behältnisse.

Eigentlich geht er mit bestem Beispiel voran: Auf dem Neu-Isenburger Wochenmarkt gibt Suat Beykoz den Kunden Preisnachlass, die mit ihrem eigenen Behälter an seinem Feinkost-Stand einkaufen. Und doch sind es am Samstag die Wenigsten, die ein Glas oder Tupperware dabei haben. Oliven, getrocknete Tomaten, Meeresfrüchte, Frischkäse – der Kundenzuspruch ist groß, doch immer wieder stapeln sich viele Plastikschälchen für die Antipasti auf der Verkaufstheke und wandern dann auch noch in dünne Plastiktütchen.

Dabei hatte Suat Beykoz doch erzählt, 76 der 115 Kunden, die er in der Vorwoche bediente, hätten ihre eigene Verpackung mitgebracht! Erklärungsversuch von seinem Schwager Sadik Altintas, der am Samstag im Feinkost-Wagen hinter der Theke steht: Es seien normalerweise die Stammkunden, die ein Gefäß dabei haben, und in den Ferien seien nun mal viele in Urlaub. Und tatsächlich gehören am Samstag die meisten zur Laufkundschaft, nehmen im Vorübergehen spontan dies und das aus der Theke mit.

Vor gut zwei Jahren hat Beykoz in seinem „Feinkost-Paradies“ erstmals drei Prozent Preisnachlass für Kunden offeriert, die ihr eigenes Gefäß zum Einkauf mitbrachten. Seine Frau, die sehr ökologisch denke, habe diese Idee gehabt, erklärt er. Mit den drei Prozent Skonto habe er umweltbewusste Kunden belohnen wollen.

„Wir geben hier viel Geld für die Verpackungen aus, und was ich dadurch einspare, wollte ich an die Kunden weitergeben“, sagt er. Mehr Umsatz habe ihm das aber nicht gebracht – obwohl sein Alleinstellungsmerkmal deutlich sichtbar an den Seitenscheiben des Verkaufswagens prangt.

Vor allem in Glas seien die südländischen Spezialitäten auch länger haltbar, erklärt Altintas, dass nicht alleine die Umwelt, sondern auch der Kunde gewinnt. „Nach rund einer Woche ändert sich durch das Plastik der Geschmack.“

Rabatt für eigene Behältnisse

Er wisse, dass es hier Rabatt für eigene Behältnisse gibt, sagt ein jüngerer Kunde, aber er wolle das nicht. „Lieber die Verpackung daheim schön sauber ausspülen und dann ab in den gelben Sack“, sagt er. Einem Ehepaar, das mit Jutesacke vor der Verkaufstheke ansteht, ist das alles zu umständlich. „Allein schon die Tatsache, dass wir uns morgens Gedanken machen müssen, wie viele Töpfchen wir zum Einkauf mitnehmen“, sagt der Mann. Eine ältere Kundin dagegen ist jede Woche mit ihrer Tupperware da. Auch an diesem Samstag ersteht sie auf diese Art wieder Oliven und Datteln.

Ellen Schmidt kauft seit einem Jahr nur lose. „Weil ich das Plastikzeug hasse“, begründet sie, und zieht zum Beweis ein aus Gardinenstoff genähtes Säckchen aus ihrem Beutel, in das sie ihren Schnittlauch gepackt hat. Dass es beim Feinkosthändler auch ohne Plastik geht, habe sie nicht gewusst, sagt sie, und verspricht: „Beim nächsten Mal hab ich ein Gefäß dabei.“

Die Leute auf dem Neu-Isenburger Markt seien sehr umweltbewusst geworden, sagt Felix Hölzel von Geflügel Schader aus Lampertsheim. „Der Tütenverbrauch ist bei uns um 70 Prozent zurückgegangen.“ Es gebe sogar ein paar Kunden, die für Fleisch und Wurst Tupperware oder Glas mitbringen. Über Skonto wie bei Beykoz könne man deshalb durchaus nachdenken.

„Seit rund einem Jahr habe ich hier auf dem Markt vielleicht noch zehn Käufer mit Plastiktüten“, sagt auch Verkäufer Timo Rensch am Stand von Jarchows Backwaren aus Seligenstadt. Mitgebrachte Kundenbehälter darf er nach eigener Aussage nur kontaktlos auf der Theke befüllen. „Ich darf nichts hinter die Ladentheke nehmen“, sagt er.

Der Vogelsberg-Metzger packt seine Ware am Stand nur noch auf Verlangen in Kunststoff. „Wir wickeln Wurst und Fleisch mit Papier ein und machen eine Papiertüte außen rum“, sagt Irmgard Wies. Mehrwegbehälter von Kunden sind für sie aber problematisch, denn von der Hygiene her sei es nicht zulässig, dass eine „ortsfremde Schüssel“ hinter die Theke wandere.

Verboten ist das Befüllen von mitgebrachten Behältern nicht. Laut Hygienevorschrift muss das Gefäß aber auf der Theke stehen bleiben oder auf eine Papierunterlage gestellt werden, damit es nicht mit anderen frischen Waren in Kontakt kommt. Sollte es zu hygienischen Problemen kommen, haftet der Verkäufer.

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