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1000 Brote werden täglich an Menschen verteilt, die sich das Grundnahrungsmittel nicht leisten können. 

Neu-Isenburg

18 Jahre humanitäre Hilfe aus Neu-Isenburg

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Jutta Lösch aus Neu-Isenburg hat schon 45 Hilfstransporte für arme Menschen im ukrainischen Transkarpatien organisiert. Nun ist ein neues Sammellager gefunden.

Braucht ein Land wie die Ukraine denn wirklich Hilfslieferungen? „Ja“, sagt Jutta Lösch aus Neu-Isenburg und zeigt auf eine Landkarte. Der Großteil der Waren werde nämlich in den Osten des Landes gebracht, wo die ukrainische Armee gegen russische Soldaten kämpft. Transkarpatien im Westen dagegen werde immer mehr abgehängt, es fehle an vielem. Genau dort, hart an der ungarischen Grenze, kommt die Hilfe an, die die 78-jährige Pfarrersfrau seit 18 Jahren mit ihrem Projekt „Täglich Brot für Beregovo“ organisiert.

Hilfe – das heißt für das Ehepaar Lösch Kleidung, Schuhe, Decken, Handtücher und Bettwäsche, aber auch Brot und Suppe. Die beiden sammeln Sach- und Geldspenden, um die Menschen in Beregovo zu unterstützen.

45 Transporte haben Jutta und Matthias Lösch mittlerweile in die Provinz organisiert, die 15 Kilometer hinter der ungarischen Grenze liegt und deren Bewohner zu 80 Prozent ungarische Wurzeln haben. „Alte Leute warten dort seit Jahren auf die Rente, Kinder kommen ohne Frühstück in die Schule, 80 Prozent der Einwohner sind arbeitslos“, sagt sie. Die Munitionsfabriken, in denen die Menschen Arbeit fanden, gammeln seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor sich hin, das Grundwasser ist ölig und kontaminiert. Viele Männer haben die Stadt verlassen, um nicht per Einberufungsbescheid im Osten des Landes in den Krieg ziehen zu müssen. Übrig geblieben sind Alte, Mütter und Kinder.

Spenden Jeden Samstagzwischen 10 und 12 Uhr werden im Gebäude der Firma Westphal, Hugenottenallee 169, Sachspenden für Beregovo angenommen.

Eine Woche nach Ostern soll sich der 46. Transport auf den Weg machen.

Geldspenden können auf das Konto IBAN DE32 5059 2200 0108 5349 69 unter dem Stichwort „Beregovo“ bei der Volksbank eingezahlt werden. ann

Die Neu-Isenburger wissen mittlerweile, dass die Hilfe genau dort ankommt, wo sie gebraucht wird – weil die Pfarrersfrau bei jedem Transport mit dabei ist. Deshalb spenden die Bürger fleißig und immer wieder. Um so mehr hat es den Beregovo-Verein getroffen, dass er keine Sachspenden mehr annehmen konnte, weil das Haus verkauft wurde, in dem das Hilfsgüter-Lager untergebracht war. Jetzt hat die Firma Westphal ein Stück ihrer Halle im Hugenottenpark abgeteilt, „dort können wir packen und kostenlos lagern“, sagt Jutta Lösch.

Immer dann, wenn zehn Tonnen Hilfsgüter zusammenkommen, macht sie sich mit Freiwilligen auf den Weg an die ungarisch-ukrainische Grenze. 17 Stunden sind sie unterwegs – und kämpfen aktuell mit großen Problemen. Kiew habe die Grenzen für Hilfslieferungen dichtgemacht, berichtet Lösch. „Als Mensch darf man rüber, aber Spenden dürfen nicht mehr eingeführt werden.“ Not macht aber auch Helfer erfinderisch: Sie haben einen Weg gefunden, den die 78-Jährige jedoch nicht näher beschreiben möchte. Sie will Vorsicht walten lassen, „denn wir sind jetzt die Einzigen, die noch Spenden in die Region bringen“.

Die Hilfsgüter landen bei Bela Nagy, dem Direktor des Diakonischen Zentrums der Reformierten Kirche in Transkarpatien, der sie dann verteilt. Kleider würden auch nach 18 Jahren immer noch gebraucht, weil das Dekanat, das Nagy versorgt, ungefähr so groß sei wie der Kreis Offenbach. „Nagy entscheidet, wo die Bedürftigkeit am größten ist“, so Jutta Lösch. Er sei absolut integer, werde vom Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz bezahlt und müsse deshalb auch keine Bestechungsgelder annehmen.

Kinder aus dem sogenannten Zigeunerdorf in Beregovo erhalten durch die Spenden gewaschene Kleidung und Unterricht. 

Das ist umso wichtiger, als Nagy auch die deutschen Spendengelder verwaltet. Jutta Lösch verschickt nämlich regelmäßig 1300 Rundbriefe, in denen sie um Geldspenden bittet. 15 000 bis 20 000 Euro kommen so jährlich zusammen. Nagy kauft damit unter anderem Mehl, mit dem täglich im Diakonischen Zentrum 1000 Brote gebacken werden, und Zutaten für 400 Suppen, die in Schraubgläser gefüllt werden. Per Lieferwagen werden sie kostenlos an Menschen verteilt, die sich dieses Essen nicht leisten können.

Nagy hat mit den Spendengeldern auch schon ein Kunststofftreibhaus und einen Generator angeschafft – und immer mal Küken für einen Bauernhof. „Zeit zum Ausbrüten gibt es bei Hunger nicht“, erklärt Lösch. Ihre Gelder haben ein Altenheim entstehen lassen, ein Mutter-Kind-Haus und ein Demenzhaus. 150 Kinder der sogenannten Zigeunerschule werden täglich mit gewaschenen Kleidern eingedeckt, erhalten Frühstück, Mittagessen und Schulmaterial. Auch eine Aids-Station soll bald entstehen.

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