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Sogar für die Deutschlandfahne ist noch Platz - fünf Polizisten auf einem Motorrad bei der Polizeischau in Neu.-Isenburg.

Neu-Isenburg

Frauen lieben Uniform

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Das Polizeipräsidium Südosthessen zeigt bei einer großen Schau in Neu-Isenburg, wie Verbrechen aufgeklärt werden und wie der Alltag der Beamten aussieht. Viele Jugendliche nutzen das, um sich den Beruf genauer anzusehen.

Leer blicken die Augen auf die Schuhe des Betrachters, ein Messer mit blutverschmierter langer Sägeklinge passt zu der Wunde auf dem Rücken des Opfers. Der Tatort, eine Kneipe. Mit einer Schaufensterpuppe in der Halle am Sportpark nachgestellt, zeigte die Szene am Samstag im Rahmen der Polizeischau in Neu-Isenburg, wie die Ermittler arbeiten.

Der fiktive Täter hat sich selten dämlich angestellt: Eine Zigarettenkippe liegt noch auf dem Aschenbecher, ein blutiger Schuhabdruck und umgekippte Gläser lassen reichlich DNA und Fingerabdrücke erwarten. „Die haben bestimmt Krach um die Kohle bekommen und dann hat der eine den anderen platt gemacht,“ mutmaßen zwei junge Nachwuchskriminalisten, die hier auch ihre eigenen Fingerabdrücke nehmen lassen können und die Ermittlungstechniken vorgestellt bekommen.

Vielleicht sind die beiden anschließend zu Klaus Bastian gegangen. Der Hauptkommissar ist Einstellungsberater und informiert in einem Bus mit einer Kollegin Jugendliche über die Polizeilaufbahn. „Wir haben heute sehr viele Interessenten,“ sagt er zufrieden. Immer wieder schälen sich aus dem dichten Gedränge zwischen Vorführungen und Mitmachaktionen junge Besucher, die das Gespräch suchen. „Viele kommen mit ihren Eltern, die den Berufswunsch unterstützen“, sagt Bastian und nennt eine Auffälligkeit: „Die Frauen wollen eher Uniform tragen und zur Bereitschaftspolizei, die Männer eher zur Kripo.“ Nächster Interessent ist der 17-jährige Antony. Bereitschaftspolizei oder Kripo? „Zur Kripo,“ kommt es wie aus der Pistole geschossen. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht: Der junge Mann ist fit in mehreren Selbstverteidigungsarten und fängt jetzt mit der Fachoberschule an. Dieser Abschluss ist neben dem Abitur in Hessen Zugangsvoraussetzung für die Polizeischule, die jährlich 550 Bewerber aufnimmt.

Hubschrauber und Taucher

Die gesamte Bandbreite des Berufes wurde am Samstag auf dem Gelände präsentiert: Der Polizeihubschrauber flog für ein Gastspiel ein, Fahrzeuge vom Wasserwerfer bis zum Polizeiboot waren zum Begucken oder Probesitzen aufgefahren.

Das Mädchen im benachbarten Schwimmbad geht sicherheitshalber zwischen den Beinen ihres Vaters in Deckung: Der schwarze Gummimann mit gelber Maske, der da blubbernd auftaucht, ist ihr dann doch unheimlich. Erst als der Taucher der technischen Einheit der Mühlheimer Bereitschaftspolizei ihr freundlich zuwinkt, wagt die sehr junge Besucherin einen zweiten Blick.

Die Ausrüstung von Walter Füssel dagegen ist eher unscheinbar: Seine mobilen Laserpistolen entscheiden in einer halben Sekunde darüber, ob man weiterfahren darf oder den Führerschein abgeben muss. Ob er sich häufig Beschimpfungen von Rasern anhören muss? „Man muss sich als Polizist generell einiges anhören,“ sagt Füssel schulterzuckend. Mit dem mobilen Gerät stehe er meistens vor Schulen oder Kindergärten, „da hat man dann aber oft die Akzeptanz der Bevölkerung.“

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