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Das erste Hospiz im Kreis Offenbach entsteht derzeit in Jügesheim am Wasserturm.

Kreis Offenbach

Rodgau: 20.000 Euro für Hospiz

Nach vier Jahren hat das Neu-Isenburger Parlament 20 000 Euro als Zustiftung zum Kreis-Hospiz beschlossen. Am 1. März sollen die ersten Hospizgäste einziehen.

Jetzt hat auch die reichste kreisangehörige Kommune ihr Scherflein zum ersten stationären Hospiz im Kreis Offenbach beigetragen: In der jüngsten Parlamentssitzung haben die Neu-Isenburger Stadtverordneten 20 000 Euro für die Hospiz-Stiftung beschlossen. Damit unterstützt Neu-Isenburg als letzte der 13 Kreiskommunen das ehrgeizige 3,6-Millionen-Euro-Projekt der Rodgauer Rotarier. Am 1. März 2020 soll das Haus, in dem austherapierte Schwerstkranke ihre letzte Lebenszeit verbringen, am Wasserturm im Rodgauer Stadtteil Jügesheim in Betrieb gehen.

Der jüngste Beschluss des Parlaments setzt den Schlusspunkt unter eine Diskussion, die in Neu-Isenburg bereits vor mehr als vier Jahren begann, als die Rodgauer Rotarier die Kreiskommunen baten, einen Zuschuss zu geben. Im April 2015 brachte die SPD-Fraktion daraufhin den Antrag ein, die Errichtung eines Hospizes für den Kreis Offenbach mit 20 000 Euro zu unterstützen. „Das Thema ging zwei Jahre lang durch die Ausschüsse, bis es im März 2017 abgestimmt und von der Koalitionsmehrheit abgelehnt wurde“, erinnert sich SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Irene Linke.

Zweieinhalb Jahre später hievte es die SPD nun im Rahmen der Beratungen zum Doppelhaushalt 2020/2021 erneut auf die Tagesordnung. Diesmal gab die Regierungskoalition, bestehend aus CDU, den Grünen und der FWG, ihre ablehnende Haltung auf. „Die städtische Haushaltslage ist gut und die Palliativversorgung ist uns wichtig“, begründet CDU-Fraktionsvorsitzender Patrick Föhl die plötzliche Zustimmung.

Die finanzielle Situation

3,6 Millionen Eurosind für den Bau des Kreis-Hospizes nötig.

Das Stiftungskapitalbeträgt mittlerweile 1,9 Millionen Euro. „In diesem Jahr verzeichnen wir eine halbe Million Euro Zuwachs“, so Kuratoriumsmitglied Lothar Mark. Bis zur Eröffnung hofft er auf insgesamt 2,1 Millionen Euro.

Eine Million Eurogibt die Frankfurter Wertestiftung dazu.

200 000 Eurokommen aus privaten Darlehen, 400 000 Euro werden über die Sparkasse zwischenfinanziert. ann

Die Stadt Neu-Isenburg hatte die Zustiftung bisher mit der Begründung abgelehnt, dass Rodgau zu weit entfernt liege. Im viel näheren Frankfurt gebe es zwei Hospize, in Offenbach eines. Darüber hinaus fuhr man mit einem ambulanten Hospizkonzept eine andere Strategie. Sterbebegleitung solle wohnortnah erfolgen, hieß es vonseiten der Regierungskoalition und des Magistrats.

In Zusammenarbeit mit dem Malteser-Hilfsdienst wurden deshalb vor zwei Jahren rund 15 Hospizhelfer ausgebildet. „Sie sind ehrenamtlich tätig, haben ein Jahr lang eine Schulung absolviert“, sagt Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos). Die Stadt habe ihre Ausbildung bezahlt. Nur eine Mitarbeiterin, die die Einsätze steuert und plant, bekomme eine Aufwandsentschädigung, „die anderen werden einmal im Jahr zum Essen eingeladen“. Im neuen Jahr beginne ein weiterer Kurs.

Laut Lothar Mark, Kuratoriumsmitglied der Hospiz-Stiftung, werden am 1. März die ersten unheilbar kranken Menschen ins Rodgauer Kreis-Hospiz einziehen – genau elf Monate nach dem Spatenstich am Wasserturm. Die Eröffnungsfeier ist für den 28. Februar um 11 Uhr geplant, für 1. und 2. Februar lädt die Hospiz-Stiftung zu Tagen der offenen Tür.

„Der Innenausbau wird weitgehend im Dezember fertiggestellt, die Heizung läuft, die Strom- und Wasserversorgung funktioniert“, beschreibt Mark den Stand der Bauarbeiten. Der Betreiber Mission Leben Darmstadt sei schon dabei, Mitarbeiter zu akquirieren; ein Dutzend würden wohl benötigt. Christine Dölle, bis Ende September Koordinatorin für die ambulante Hospizarbeit bei den Johannitern in Rodgau, werde das Haus leiten.

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