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Patricia Herbel und Andrea Malizia leben mit Baby Emilio auf engem Raum.

Neu-Isenburg

Drei Menschen, 40 Quadratmeter

Neu-Isenburg ist ein teures Pflaster - es ist nicht leicht, hier eine günstige Wohnung zu finden. Auf der Suche ist auch ein junges Paar mit Kleinkind, das äußerst beengt in der Rheinstraße lebt.

Von Dirk Rüsing

Emilio ist sechs Monate alt. Mit seinen Eltern Patricia Herbel und Andrea Malizia lebt der Junge in einer 40 Quadratmeter großen Zweieinhalbzimmer-Wohnung an der Rheinstraße. Seit Emilio zur Familie gehört, ist es eng in der Wohnung. Kinderbett und Wickelkommode stehen im Elternschlafzimmer. Das Wohnzimmer muss als Spielwiese für den Jungen herhalten. Überall liegen Spielzeug und andere Babyutensilien auf dem Boden verteilt. „Die Wohnung ist einfach zu klein für uns drei“, sagt Patricia Herbel.

Dringend sucht die Familie nach einer größeren Bleibe. Doch ihr fehlt das nötige Geld. Neben dem Gehalt, das Andrea Malizia als Koch verdient, fließen monatlich Kindergeld und Elterngeld für Patricia Herbel in die Familienkasse. Pro Monat stehen knapp 1700 Euro zur Verfügung.

Seit Oktober 2009 hat Herbel keinen Job mehr. Da sie als Mutter eines Babys dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehe, habe sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I, sagt sie. „Bei Pro Arbeit wurde mir mitgeteilt, dass mir auch kein Hartz IV zusteht“, so Herbel. Das Gehalt ihres Lebensgefährten sei dafür zu hoch.

Im kommunalen Jobcenter des Kreises Offenbach sei ihr jedoch ein Mietkostenzuschuss in Aussicht gestellt worden. Eine Sachbearbeiterin habe ihr einen Zuschuss von bis zu 200 Euro ausgerechnet, sagt Herbel. Das Jobcenter habe zur Voraussetzung gemacht, dass eine größere Wohnung maximal 72 Quadratmeter groß sein und höchstens 615 Euro kosten dürfe.

Doch weder über ihren jetzigen Vermieter, den Bauverein Darmstadt, noch über die gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Gewobau Neu-Isenburg und erst recht nicht auf dem freien Markt sei eine solche Wohnung zu bekommen. „Hier in Neu-Isenburg kostet eine Wohnung dieser Größe mindestens 700 Euro“, sagt Herbel. Ein Umzug in eine andere Stadt komme für das Paar kaum in Frage, da Andrea Malizia morgens teils um 5 Uhr zur Arbeit muss. „Wir haben kein Auto, und um diese Zeit fahren noch keine Busse“, sagt Malizia. Derzeit fährt er mit dem Rad zur Arbeit.

Kreissprecher Ralf Geratz-Krambs erklärte gestern dazu, Pro Arbeit, also der Kreis, sei in diesem Fall nicht zuständig. Nur bei Hartz-IV-Empfängern seien etwaige Mietzuschüsse Angelegenheit von Pro Arbeit, sagt er. Geratz-Krambs verweist Herbel an die Stadt Neu-Isenburg.

Auch dort hat das Paar bereits um Unterstützung gebeten. Ohne Erfolg. „Einen Zuschuss würden wir von Neu-Isenburg nur bekommen, wenn uns niemand sonst unterstützen würde“, sagt Herbel.

Unverbindliche Rechnung

Dem widerspricht Carmen Schaaf, Leiterin des städtischen Fachbereichs für Soziales. Die Familie habe, wie jeder andere auch, die Möglichkeit, sich unverbindlich einen etwaigen Mietkostenzuschuss bei der Stadt ausrechnen zu lassen. „Dabei werden die jeweilige Miete, das Einkommen und mögliche Freibeträge berücksichtigt“, sagt Schaaf. Sie erklärt, eine dreiköpfige Familie habe die Chance auf einen Zuschuss, wenn die Miete nicht höher als 631 Euro ausfalle und das Einkommen der Familie unter 1450 Euro liege. Die Sätze seien in einem hessischen Landesgesetz festgelegt, so Schaaf.

Familien mit höherem Einkommen haben in Neu-Isenburg jedoch die Chance, eine Sozialwohnung zu bekommen, wenn sie mindesten ein Jahr in der Stadt leben. „Solche Leute können sich bei uns wohnungssuchend melden und wir schlagen sie den entsprechenden Wohnbaugesellschaften vor" sagt Schaaf.

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