Tilman Frank , 53, ist Gründer und Geschäftsführer von Capitalent Medical.

Neu-Isenburg

Campus für ausländische Pflegekräfte in Neu-Isenburg geplant

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
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Auf dem früheren Rundschau-Areal in  Neu-Isenburg soll ein Ausbildungszentrum mit Sprachschule und Wohnmöglichkeiten für die Azubis entstehen.

Qualifiziertes Pflegepersonal aus dem Ausland nach Deutschland holen: Mit diesem Geschäftsmodell startete der Frankfurter Personalvermittler Capitalent Medical 2012. Knapp 1000 Fachkräfte hätten seitdem in deutschen Kliniken zu arbeiten begonnen, sagt Geschäftsführer Tilman Frank. Das Erlernen der deutschen Sprache ist für ihn ein Schlüssel für eine erfolgreiche Integration der ausländischen Kräfte in Deutschland. Ein Ausbildungscampus soll es den Bewerbern künftig ermöglichen, den Start ins Berufsleben abseits der Heimat noch besser zu meistern.

Wie Frank der FR erläuterte, soll auf dem früheren Rundschau-Gelände in Neu-Isenburg eine Sprach- und Pflegeschule mit Wohnmöglichkeit entstehen. Er hofft, dass sie im Frühjahr 2021 eröffnet werden kann. Das sei ein „sportlicher Zeitplan“. Capitalent Medical wird nicht selber bauen, sondern die Immobilie von dem Eigentümer des Areals, der Isarkies Wohn- und Gewerbegrund GmbH, mieten. Der Investor aus Essenbach bei Landshut will das Grundstück zu einem Gewerbeareal entwickeln.

Frank zufolge war es „wahnsinnig schwer“, eine Kommune zu finden, die sich für das Projekt begeistern ließ, unter anderem weil Wohnungen nur in Ausnahmefällen in einem Gewerbegebiet erlaubt seien. In Bürgermeister Herbert Hunkel habe man aber jemanden gefunden, der das Vorhaben voll und ganz unterstütze.

Capitalent Medical wurde Anfang 2012 von dem Mediziner Tilman Frank in Frankfurt gegründet. Er war zuvor bei McKinsey tätig, ehe er den Schritt in die Selbständigkeit wagte. Der 53-Jährige ist Geschäftsführer des auf die Vermittlung ausländischer Pflegefachkräfte spezialisierten Unternehmens. 


Ziel des Personalvermittlers ist es, qualifizierte Pflegekräfte nach Deutschland zu holen. Anfangs kamen sie aus dem europäischen Raum, inzwischen ist die Firma in zehn Ländern tätig, darunter Brasilien, Kolumbien, Mexiko, Vietnam, Thailand und Namibia. Dort bestehen Kooperationen mit 27 Universitäten und 16 Sprachschulen.

Die ausländische Kräfte erhalten Stipendien, kostenlose Deutsch-Sprachkurse und Unterstützung bei Behördengängen. Partner von Capitalent Medical sind im Rhein-Main-Gebiet das Sana-Klinikum Offenbach, das Hospital zum Heiligen Geist und das Universitäts-Klinikum (beide in Frankfurt). ags

Nach den bisherigen Planungen gehören zum Ausbildungscampus Schulungsräume und 30 Ein- sowie Zweibettzimmer für rund 40 Pflegefachkräfte. Sie sollen während ihrer Zeit in Neu-Isenburg nicht nur die deutsche Sprache fließend sprechen lernen, sondern auch mit den Besonderheiten der deutschen Kultur und des Gesundheitswesens vertraut werden. Ziel ist, die Bewerber auf des Sprachniveau B2 zu bringen, das Voraussetzung für die Arbeitserlaubnis sei.

Capitalent Medical unterscheidet sich nach Angaben Franks von anderen Vermittlungsagenturen dadurch, „dass wir von den Leuten keinen einzigen Cent verlangen“. Die Intensivsprachkurse in den Heimatländern wie auch in Deutschland und das Stipendium „finanzieren wir vor“. Die Kosten gab er mit rund 8000 Euro pro Person an. Man wolle nicht nur Bewerber haben, deren Eltern sich die Ausbildung leisten könnten. „Wir wollen die, die wir für geeignet und motiviert halten.“ Er betonte, alle Kandidaten verfügten in ihren Heimatländern bereits über einen akademischen Abschluss in der Krankenpflege.

Das Auswahlverfahren bezeichnete Frank als aufwendig. Das sei auch nötig, „weil jede Fehlentscheidung uns Geld kostet“. Die Ausbildungskosten zahle der neue Arbeitgeber nach Einstellung der Pflegekräfte, die letzte von drei Raten der Vermittlungsgebühr erst nach der Probezeit.

Die Bewerber müssen sich zudem verpflichten, zwei Jahre lang in der Einrichtung zu arbeiten. Hören sie früher auf, müssen sie die Kosten für den Sprachkurs anteilig zurückzahlen. Das passiert allerdings inzwischen sehr selten. Die sogenannte „drop-out-rate“ liege bei unter einem Prozent, sagt Frank. Begonnen hatte Capitalent Medical mit Pflegern aus Spanien. Dort sei man aber nicht mehr aktiv, weil die Rückkehrerquote zu hoch gewesen sei.

Frank betont, es würden nur Bewerber aus Ländern rekrutiert, wo laut der Weltgesundheitsorganisation WHO die medizinische Versorgung nicht gefährdet ist. Sein Unternehmen verzichte deshalb trotz vieler Bewerbungen auf Fachkräfte aus Indien, weil das Land auf der WHO-Liste stehe.

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