Neu-Isenburg will seine Stadtbibiliothek nicht nur umbauen, sondern auch auf völlig neue Füße stellen. 
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Neu-Isenburg will seine Stadtbibiliothek nicht nur umbauen, sondern auch auf völlig neue Füße stellen. 

Neu-Isenburg

Ein Café in der Neu-Isenburger Stadtbibliothek

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Eine Reise in die Niederlande lieferte Ideen für die geplante Neukonzeption der Bücherei in Neu-Isenburg. Die FDP hat daraus ein Leitbild erstellt.

Die Neu-Isenburger haben ein Idealbild für ihre Bibliothek: Sie soll das „Wohnzimmer der Stadtgesellschaft“ werden. So hat eine Delegation nämlich die niederländischen Bibliotheken wahrgenommen, die sie im November besucht hatte. Die Studienfahrt sollte Denkanstöße für die Neukonzeption der Neu-Isenburger Stadtbibliothek in der Hugenottenhalle liefern. Auf dieser Grundlage hat die FDP nun ein Leitbild „Die Bibliothek als Wohnzimmer der Stadt“ formuliert. Darin empfiehlt die Fraktion unter anderem, zu prüfen, ob es nicht sinnvoll sein könne, die Immobilie in eine privatrechtliche GmbH zu übertragen.

Die Hugenottenhalle soll saniert, der Gebäudekomplex, in dem auch die Stadtbibliothek untergebracht ist, erweitert und funktional aufgewertet werden.

Um sowohl die Halle als auch die Bücherei attraktiv und konkurrenzfähig zu machen, hat ein Büro ein Nutzungskonzept erarbeitet. Die Studie geht davon aus, dass die Stadtbibliothek künftig 1000 Quadratmeter mehr Fläche brauchen wird. Um so mehr gilt es, diese zusätzlichen Räume sinnvoll zu füllen und „bibliothekarisch neu zu definieren“, wie sich Kulturdezernent Theo Wershoven ausdrückt.

In den Niederlanden – genauer gesagt im Kulturhaus Coda in Apeldoorn, in der Bibliothek Dok Open in Delft und in der Bibliothek Loc-Hal in Tilburg – stieß die Neu-Isenburger Delegation auf zahlreiche kreative Ideen: eine Bücherei mit zentralem Café oder Restaurant, liebevoll gestaltete Kinder- und Jugendbereiche, Wohlfühlatmosphäre mit kulturellen und sozialen Angeboten, RFID-Technik zur Selbstverbuchung an verschiedenen Orten in der Bibliothek, separierte Räume für individuelles und kollektives Arbeiten oder Lernen, sowie sogenannte Makerspaces. Das sind offene Werkstätten, die Privatpersonen den Zugang zu modernen Fertigungsverfahren wie etwa 3D-Drucken oder Laser-Cutten ermöglichen. In Delft ist die Bibliothek mit der Kunst-, Musik- und Ballettschule unter einem Dach untergebracht, in Apeldoorn zusammen mit einem Museum und dem Archiv.

Die Neugestaltung der Isenburger Stadtbibliothek solle sich in erster Linie an der Gestaltung der Bibliotheken in Tilburg und Delft orientieren, schreibt die FDP nun in ihrem Antrag. Das Planungsbüro, das mit dem Umbau des Gebäudekomplexes befasst ist, solle die wesentlichen stilbildenden Elemente der beiden niederländischen Bibliotheken zusammenführen. Das heißt: mehrere Ebenen mit kleinen, modular offen gestalteten Räumen, große Fenster und Oberlichter, ein Café, eine Freitreppe mit Sitzstufen und Steckdosen, die auch als Tribüne dienen kann, eine oder mehrere Bühnen. Die FDP wünscht sich in ihrem Leitbild warme Rot- und Brauntöne, große Vorhänge, die eventuell als Raumteiler dienen können, sowie buchbare Veranstaltungsräume und Co-Working-Spaces.

Der Magistrat hatte prüfen lassen, ob die Immobilie mitsamt Kulturbetrieb in private Hände gegeben werden kann – und favorisiert nun die Lösung, die Hugenottenhalle im Eigenbetrieb zu belassen. Die FDP plädiert ebenfalls dafür, dass die Stadt den Zugriff auf die Hugenottenhalle mitsamt Bibliothek behält, favorisiert aber dennoch ein anderes Modell. „Wir plädieren dafür, prüfen zu lassen, ob nur die Immobilie ausgegliedert und einer Besitzgesellschaft übertragen werden kann“, sagt Fraktionschef Thilo Seipel. Der Stadt bleibe so die Kontrolle über den Kulturbetrieb erhalten. Ein Mitglied des Magistrats müsse die Geschäftsführung der Besitzgesellschaft übernehmen. Die Partei sieht Vorteile in ihrem Vorschlag: „Es würde dann zwar Grunderwerbssteuer anfallen, aber man könnte umsatzsteuerliche Vorteile geltend machen, die diesen Nachteil überwiegen.“

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