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Es bleibt in der Familie

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Von: Andreas Hartmann

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Michael Wels (links) und Volker Hörr (Mitte) mit dem neuen Inhaber Jörg Hörr.
Michael Wels (links) und Volker Hörr (Mitte) mit dem neuen Inhaber Jörg Hörr. © Monika Müller

„Volker’s Trend Shop“ macht weiter – ab Mitte August in der Bahnhofstraße.

Um den wohl kultigsten Kramladen von Neu-Isenburg mussten sich die Kunden in den vergangenen Wochen ziemliche Sorgen machen: Die Besitzer Volker Hörr, 64, und Michael Wels, 59, wollten ihren „Volker’s Trend Shop“ in der Frankfurter Straße 70 aufgeben: Aus Altersgründen und weil das Haus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll.

Doch die Sorgen haben ein Ende: „Volker’s Trend Shop“ macht weiter, unter neuer Adresse und neuer Leitung – und trotzdem ändert sich erfreulich wenig: Volker Hörrs elf Jahre jüngerer Bruder Jörg übernimmt den Laden, der in die Bahnhofstraße 27 in der Fußgängerzone zieht. „Und natürlich helfen wir ihm, wenn es nötig ist, und geben ihm Tipps“, sagt Volker Hörr.

Die alten und der neue Chef sind grade am Einpacken. In den Kisten verschwinden Stofftiere und ein Kampfflugzeug-Modell aus Plastik, Puppen und Porzellan, Weihnachtspyramiden und wertvolle Erzgebirgs-Holzarbeiten der Traditionsfirma Wendt & Kühn.

Seit der Eröffnung 1986, damals im legendären Milchladen von Liesel Dörr in der Taunusstraße, hat sich „Volker’s Trend Shop“ auf die begehrte Volkskunst aus Ostdeutschland spezialisiert. Volker Hörr kann abenteuerliche Geschichten davon erzählen, wie schwierig es war, vor der Wende 1989 an die begehrte Ware zu gelangen. Die Kunden sind dem Laden oft schon lange treu, viele sammeln die Figuren auch.

Sammler sind gute Kunden, und Hörr und sein Freund Wels erkannten den Trend schnell. Lange Schlangen gab es hier vor 15, 20 Jahren, als Diddl-Figuren, Yu-Gi-Oh!- oder Pokemon-Karten schlagartig Verkaufsschlager wurden. „Wir haben Spielenachmittage angeboten, zu denen regelmäßig bis zu 70 Kinder kamen“, erinnert sich Volker Hörr.

Doch so schlagartig solche Moden aufblitzen. so schlagartig sind sie auch wieder vorbei. „Von einem Tag auf den anderen“ wollte kein Kind mehr japanische Anime-Karten sammeln – gut, dass sich Hörr und Wels auch auf Nachlässe und die dabei anfallenden „Kunst und Krempel“ spezialisiert haben. Auch so hieß der Laden im Lauf der letzten Jahrzehnte schon mal, doch irgendwann flatterte eine Abmahnung des Bayerischen Rundfunks ins Haus, der ein Fernsehmagazin gleichen Namens betreibt. Das sei eine „Frechheit“, ärgert sich Volker Hörr noch heute. „Unser Laden hieß schon Jahre vor der Sendung so!“

Jetzt steigt also der jüngere Bruder ein, und „Volker’s Trend Shop“ bleibt in der Familie. Der gelernte Fernmeldetechniker hat immer mal wieder mitgearbeitet und geholfen. Mit seiner letzten Arbeitsstelle bei einer Zeitarbeitsfirma sei er nicht glücklich gewesen. „Jetzt freue ich mich auf den Start am 17. August“, sagt er.

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