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Künstler Bruchhäuser lebt und arbeitet in Neu-Isenburg.
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Künstler Bruchhäuser lebt und arbeitet in Neu-Isenburg.

Ausstellung

Beruhigendes Farbenspiel

  • VonJörg Echtler
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Die Krankheit Parkinson brachte Jörgen Bruchhäuser zur Malerei. Er malt farbenfroh: Abstrakte Bilder und Aquarelle. im Rathaus von Neu-Isenburg sind die Gemälde von Bruchhäuser zu sehen.

Plötzlich war da dieses Zittern. Jörgen Bruchhäuser erinnert sich noch genau. Die Hände wollten einfach nicht mehr stillhalten. 2004 kam die Diagnose: Parkinson. Für den damals 62-Jährigen endete jäh ein intensives Berufsleben. Vorruhestand.

Sitzt man dem gebürtigen Dänen heute gegenüber, so ist das Zittern ein Teil von ihm. Zeitweise wird es so stark, dass die Tischplatte vibriert. „Wenn ich nervös bin, wird es stärker“, sagt er mit leiser, aber eindringlicher Stimme. Trotzdem hat Bruchhäuser seinen Weg gefunden, der Krankheit zu begegnen. Durch die Kunst.

Malen statt Medikamente

In der Kur 2008 malt er sein erstes Aquarell. Eigentlich ist der Kurs schon voll, aber wenige Tage vor der Abreise bekommt er Block und Pinsel in die Hand. Seither lässt es ihn nicht mehr los, das Malen. Und schafft das, was Medikamente und andere Therapien nicht vermögen: das Zittern hört auf, zumindest zeitweise, während der Konzentration auf das Gestalten. „Ich steige richtig in das Bild hinein“, verdeutlicht er. Mehrere Stunden am Stück kann er so arbeiten. Seine Frau Doro muss ihn dann wieder „zurückholen“.

Mehr als 200 Bilder hat Bruchhäuser bis heute gemalt. „Es wundert mich, dass ich weitergemacht habe“, sagt er, während er sein Erstlingswerk, eine Hügellandschaft, betrachtet. „Aber ich war mutig.“ Das technische Rüstzeug eignete er sich autodidaktisch an – etwa, indem er Bilder, die ihm gefallen, nachahmte: Ernst-Ludwig Kirchners berühmte Ansicht von Frankfurter Dom und Eisernem Steg oder ein Aquarell von Emil Nolde. Auch in anderen Werken scheint der Expressionismus, etwa eines Kandinsky, Pate gestanden zu haben. Bei Alsfelder Stadtansichten zum Beispiel, mit ihren perspektivisch verzerrten Fachwerkhäusern in leuchtenden Farben.

Abstrakt und farbenfroh

„Ich will Farbe geben“, so lautet Bruchhäusers künstlerisches Credo. Das zeigt sich eindrucksvoll in seinen Skyline-Bildern. Unzählige Male hat er die Frankfurter Silhouette auf die Leinwand gebracht. Mal ganz realistisch, in morgendlicher Beleuchtung, bei Nacht, mal fantastisch wie aus Raum und Zeit gefallen. Das Bildmotiv bildet einen roten Faden im Werk – eine bekannte Melodie, die immer wieder variiert wird, schrieb eine Kunsthistorikerin.

Der Schritt in die Abstraktion ist nicht groß. Bruchhäuser tut ihn in der Werkreihe „Farbenspiel“. Acrylbilder, mit dem Spachtel gearbeitet, die an Arbeiten Gerhard Richters aus den 80er- und 90er- Jahren anknüpfen. Zeitgleich entstehen aber auch wieder Aquarelle, Landschaftsbilder, Blumenmotive. Die Kreativität Bruchhäusers hat viele Gesichter, lässt sich nicht kanalisieren. Allem gemein ist die Farbe als beherrschendes Element.

Vor seiner Erkrankung hatte Bruchhäuser nach eigenem Bekunden „keine großen künstlerischen Ambitionen“. Er arbeitete als Ingenieur im Schiffsbau und wechselte als Pionier im „Lochstreifenzeitalter“ zur EDV. Seit seiner Übersiedlung nach Deutschland 1968 entwickelte er Datenverarbeitungssysteme für Firmen wie Coop, Neckermann oder Tewes. Heute ist die Kunst für ihn weit mehr als ein Hobby. „In den Bildern kann ich ausdrücken, was in mir ist und freue mich, wenn es bei anderen ankommt.“

60 Gemälde von Jörgen Bruchhäuser sind vom 1. bis 28. Februar im Rathaus Neu-Isenburg zu sehen. Eine Vernissage mit Bürgermeister Herbert Hunkel ist am 7. Februar um 18 Uhr. Weitere Informationen auf www.bruchhaeuser-arts.de.

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