Flughafen-Ausbau

Belasteter Aushub vom Ausbau des Frankfurter Flughafens kommt auf Deponien

  • Annette Schlegl
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Fraport beantwortet bei einer Ortsbeiratssitzung Fragen zum Terminal-3-Aushub

Die Pläne des Flughafenbetreibers Fraport, ein Bodenlager für verseuchten Erdaushub von Terminal 3 einzurichten, haben im nahen Neu-Isenburg für Aufregung gesorgt. Am Mittwochabend beantworteten drei Mitarbeiter von Fraport Fragen von mehreren Dutzend Bürgerinnen und Bürgern. Eingeladen hatte der Ortsbeirat des Neu-Isenburger Stadtteils Zeppelinheim. Auch ein von der Stadt eingeschalteter Anwalt war gekommen. Die Stimmung war unaufgeregt, die Argumentation sachlich. Nach Protesten der Anliegerstädte sucht Fraport inzwischen nach geeigneten Deponien, um die mit poly- und perfluorierten Chemikalien (PFC) belastete Erde ordnungsgemäß zu entsorgen. Der Flughafenbetreiber hatte Neuigkeiten mitgebracht.

Bis vor ein paar Tagen war kein Entsorgungskonzept ersichtlich. Wie erfolgreich ist die Suche von Fraport nach Alternativen zum geplanten Bodenlager?

Fraport hat Ende vergangenen Jahres den Abtransport des belasteten Aushubs zu Deponien öffentlich ausgeschrieben. Aktuell sind die Ausschreibungen schon beendet, Fraport hat auf alle Ausschreibungen Angebote erhalten und schon erste Verträge unterzeichnet. Möglicherweise kann das Unternehmen noch in diesem Jahr den verunreinigten Boden sogar komplett auf Deponien entsorgen und das beantragte Bodenlager muss gar nicht gebaut werden.

Wohin soll das Erdreich zur Entsorgung gefahren werden?

Die Deponie im hessischen Büttelborn hat keine Kapazitäten, auf Deponien in der Nähe von Köln und in den neuen Bundesländern kann die Erde aber entsorgt werden. 30 000 Kubikmeter wurden schon abgefahren, für 250 000 Kubikmeter ist Fraport aktuell in Verhandlung.

Gibt es weitere Alternativen?

500 Kubikmeter PFC-verseuchte Erde sollen nach Ingolstadt gefahren und dort gewaschen werden. Es muss aber noch geprüft werden, ob das ein gangbarer Weg für die Zukunft ist.

Von 600 000 Kubikmetern belasteter Erde ist die Rede, aber auch von 670 000 Kubikmetern. Was ist richtig?

670 000 Kubikmeter wurden für das Terminal 3 ausgehoben, für 600 000 Kubikmeter Aushub hat Fraport Anfang 2019 beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt ein Bodenlager auf Basis des Bundesimmissionsschutzgesetzes beantragt. Davon muss das Unternehmen 350 000 Kubikmeter entsorgen. In den Ausschreibungen ist aber nur von 180 000 Kubikmetern die Rede.

Welche Dimensionen hat das beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt beantragte Bodenlager?

Rund 470 Meter in Ost-West-Richtung und 160 Meter in Nord-Süd-Richtung. Maximal darf 24 Meter hoch aufgeschüttet werden.

Wer hat die PFC-Kontamination verursacht?

Die U.S. Air Force hat dort Löschübungen durchgeführt. 2006 übernahm Fraport die mit Feuerlöschschaum und damit mit PFC kontaminierte Fläche.

Warum hat der Flughafenbetreiber nicht schon damals gehandelt?

Fraport hatte damals schon einige hochgradig verseuchte Stellen gefunden, die auch saniert wurden. Die restliche Fläche wurde seinerzeit als nicht belastet angesehen, weil PFC für ungiftig gehalten wurden und zu jener Zeit noch ganz andere Toleranzen galten. Mitte 2018 wurden die Grenzwerte für PFC dann deutlich verschärft – und nach diesen neuen Vorgaben war plötzlich viel mehr Erdaushub von Terminal 3 verunreinigt.

Wie gefährlich ist der Bodenaushub?

PFC stehen heute im Verdacht, krebserregend zu sein, werden aber auch für Outdoor- und Arbeitskleidung verwendet und kommen in Pizzakartons und Pappbechern vor. Die Chemikalien sind biologisch nicht abbaubar, gelangen ins Grundwasser und so in den Naturkreislauf. Allerdings kann man erst, wenn der Grenzwert 2000- bis 3000-mal höher liegt, von gefährlichem Abfall sprechen.

Wie ist derzeit dafür gesorgt, dass keine PFC ins Grundwasser gelangen?

Seit Ende 2018 liegt der Bodenaushub von Terminal 3 auf einer undurchlässigen Folie nahe der Baugrube. Für das belastete Wasser, das sich in der Baugrube angesammelt hat, wurde vor Ort eine Anlage für die Aufbereitung errichtet.

Wie groß ist die Lärm- und Schadstoffbelastung für die Nachbarstädte Mörfelden-Walldorf und Zeppelinheim, die auch schon unter dem Lastwagen-Verkehr zum Bau des Terminal 3 leiden?

Knapp 93 000 zusätzliche Lastwagen-Bewegungen sind nötig, um die Erdhügel nahe der Baugrube entweder in Deponien abzufahren oder zum Bodenlager auf dem Flughafengelände zu verfrachten. Die Ladeflächen der Lastwagen werden mit Planen abgedichtet, damit kein belasteter Staub entweicht.

Warum ist keine Entsorgung mit der Bahn möglich?

Fraport hat bisher noch keine Deponien mit Bahnanschluss gefunden.

Wie können sich die Bürgerinnen und Bürger der Nachbarkommunen wehren?

Einwendungen können bis zum 6. März per E-Mail an IS-Geschaeftsstelle-F@rpda.hessen.de erhoben werden. Die Erörterung ist für den 29. April in Frankfurt geplant.

Zusammengestellt von Annette Schlegl

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