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Nein zu Bauvorschriften

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Von: Christoph Manus

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Im fränkischen Rundling von Ober-Roden.
Im fränkischen Rundling von Ober-Roden. © Sascha Rheker

Anwohner in Ober-Roden kämpfen gegen die neue Gestaltungssatzung. Das Parlament von Rödermark hat sie mit breiter Mehrheit in Auftrag gegeben.

Die Rödermärker Stadtverordneten waren sich einig. CDU, SPD, Andere Liste und FDP beauftragten im Juni 2008 den Magistrat, eine Gestaltungssatzung für die Ortskern von Ober-Roden festzulegen, um diesen „mit seinen städtebaulichen und architektonischen Qualitäten zu erhalten“. Zweieinhalb Jahre später liegt diese Satzung nun samt einer Gestaltungsfibel vor – und sorgt für mächtig Streit.

Anwohner sind „massiv erbost“, wie es Arno Mieth, einer von ihnen formuliert. Die Satzung sei ein Eingriff in ihr Eigentumsrecht, ja Regulierungswut. „Wir haben 100 Jahre keine Satzung gebraucht – wieso sollen wir sie jetzt brauchen?“, sagt Mieth.

Ziel der Satzung ist es, Gebäude so zu gestalten, „dass sie sich in die historisch gewachsene Baustruktur und das Straßenbild harmonisch einfügen“, wie es im Entwurf heißt. Geltungsbereich ist der sogenannte fränkische Rundling: das rund um die Kirche gewachsene Zentrum, im Osten bis zur Gartenstraße, im Westen bis zur Rilkestraße, das noch als Kreis zu erkennen ist. Die Vorgaben des Satzungsentwurfs ergeben sich aus einer Gestaltungsfibel, für die das Planungsbüro Darmstadt für 15?000 Euro den Gebäudebestand untersucht hat.

Diese Fibel zeigt positive und negative Beispiele für die Häusergestaltung im Ortskern und gibt Empfehlungen, die sich in der Gestaltungssatzung wiederfinden. Vorgeschrieben – mit Ausnahmen – ist darin etwa das steile Satteldach mit einer Neigung zwischen 45 und 55 Grad, für das „ausschließlich Tonziegel oder Dachsteiner in naturroten und rotbraunen Farbtönen zulässig“ sind.

„Die Regelungen gehen ans Eingemachte“, ärgert sich Mieth. Es gebe bereits genügend Gesetze, um Bausünden zu verhindern. Als solche gelten etwa der Flachbau der Sparkasse, aber auch das Rathaus. Die SPD hat das Anliegen der Anwohner rasch aufgegriffen – und Bürgermeister Roland Kern (Andere Liste) attackiert. Es könne nicht Aufgabe von Politik sein, etwas gegen den Willen der Bürger mit Brachialgewalt durchzusetzen. Kern sprach dagegen von Panikmache. Er räumt inzwischen aber gegenüber der FR ein, dass es sinnvoll gewesen wäre, die Bürger früher zu informieren, „Wir haben da noch eine Bringschuld.“ Er hält eine Satzung weiterhin für „richtig und sinnvoll“ – auch als Handreichung für den Magistrat bei Bauanfragen. Einen Bebauungsplan gibt es für den Ortskern nicht.

Wenn eine Mehrheit der Meinung sei, eine Satzung sei nicht sinnvoll, tue es aber auch eine Gestaltungsfibel, sagt Kern. Sollte sich die ablehnende Haltung der Ortskernbewohner bei der Anhörung nicht ändern, werde es Zeit. die Reißleine zu ziehen – und sich auf die Fibel zu beschränken, sagt auch AL-Chef Eckhard von der Lühe. Vielleicht sei die Zeit für eine solche Satzung nicht reif.

Erst das „dilettantische Vorgehen“ des Bürgermeisters habe die Wellen hochschaukeln lassen, meint SPD-Fraktionschef Armin Lauer. Die SPD plane ein Treffen mit der Anwohner-Gruppe. „Vielleicht gibt es einen Minimalkonsens“, sagte Lauer gestern.

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