Nur knapp zwei Kilometer trennen den Urberacher Ortskern, allgemein "Dalles" genannt, von der "Oase" am Ortsausgang Richtung Messel. Zwei Kilometer zwischen Kirchplatz und Pärchenclub - doch wer denkt, dieser Kontrast beschwöre Konflikte in dem immer noch sehr katholisch geprägten Rödermärker Stadtteil herauf, liegt falsch.
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Nur knapp zwei Kilometer trennen den Urberacher Ortskern, allgemein "Dalles" genannt, von der "Oase" am Ortsausgang Richtung Messel. Zwei Kilometer zwischen Kirchplatz und Pärchenclub - doch wer denkt, dieser Kontrast beschwöre Konflikte in dem immer noch sehr katholisch geprägten Rödermärker Stadtteil herauf, liegt falsch.

Rödermark

Die Nachbarn stört das nicht

"Das ist doch lustig", sagt ein 22-Jähriger aus Urberach, "ich wurde schon öfter gefragt, ob ich die Oase kenne, sobald ich erzählt habe, dass ich aus Urberach komme." Von Anne Jäger

Von Anne Jäger

Nur knapp zwei Kilometer trennen den Urberacher Ortskern, allgemein "Dalles" genannt, von der "Oase" am Ortsausgang Richtung Messel. Zwei Kilometer zwischen Kirchplatz und Pärchenclub - doch wer denkt, dieser Kontrast beschwöre Konflikte in dem immer noch sehr katholisch geprägten Rödermärker Stadtteil herauf, liegt falsch.

Roland Kern (Andere Liste/Grüne) amtiert seit 2005 als Bürgermeister in der Stadt mit rund 28000 Einwohnern. Zu seinen Aufgaben zählt er, sich wöchentlich zu einer Besprechung mit den Mitarbeitern des Ordnungsamtes zu treffen.

Seit die Rödermärker ihn ins Amt gewählt haben, sind ihm noch keine Beschwerden über das mutmaßliche Sündenbabel "Oase" zu Ohren gekommen. "Dann scheint ja alles in Ordnung zu sein - easy-going sozusagen", sagt der Bürgermeister.

Maria Franke ist 55 Jahre alt und wohnt seit ihrer Geburt in Urberach. Das Etablissement am Ende der Darmstädter Straße würde sie nicht aufsuchen. Trotzdem herrscht Toleranz. "Die tun mir nix, also tu ich denen nix", sagt Franke, "und die liegen so abgeschieden, da bekommt man ja eh nichts von mit."

Marc S. hingegen hat von der "Oase" schon einiges mitbekommen - und das, ohne dass er je da gewesen wäre. Der 22-Jährige hat vor kurzem seinen Heimatort in einer TV-Dokumentation entdeckt. Diese drehte sich jedoch nicht um den schönen Ortskern oder die erfolgreiche Fußballmannschaft Urberachs. Die Dokumentation thematisierte die Beziehung eines Paares, das gelegentlich den Sexualpartner tauscht, unter anderem eben in dem Rödermärker Stadtteil.

"Das ist doch lustig", findet der Auszubildende, "die Oase steigert den Bekanntheitsgrad von Urberach. Ich wurde schon öfter gefragt, ob ich die Oase kenne, sobald ich erzählt habe, dass ich aus Urberach komme."

Der Pärchenclub zählt das Hotel "Villa Magnolia" zu seinen Partnerhotels. Die Besucher, die dort nächtigen, erhalten nicht nur einen Sonderpreis, sondern auch einen Shuttle-Service.

Für den Pächter der "Villa Magnolia", Thomas Heyne, sind die Nutzer dieses Angebotes jedoch Gäste wie alle anderen auch. "Noch nie hat sich jemand auffällig verhalten, unsere Gäste sind immer seriös", betont Heyne nachdrücklich.

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