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Musik für die Nerven

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Von: Claudia Isabel Rittel

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Levin konzentriert sich Mozart auf den Ohren.
Levin konzentriert sich Mozart auf den Ohren. © Monika Müller

Die Wilhelm-Busch-Grundschule fördert die Konzentration der Kinder mit Klassik. Besonders geeignet sind Mozarts „Kleine Nachtmusik“ oder Klänge von Harfen oder Flöten.

"Hörst Du nicht richtig?“ Das ist eine Frage, die Kinder wohl seit eh und je ertragen müssen. Nicht richtig hören kann aber vielerlei Ursachen haben. Manchen Kindern bescheinigt der Ohrenarzt ein gutes Hörvermögen – trotzdem kommt die Information nicht richtig an. Oder sie können sich einfach nicht merken, was sie hören. „Auditive Wahrnehmungsstörungen“ nennen Experten das. Wahrnehmen heißt nicht Hören, sondern bezieht sich auf die Verarbeitung von Lauten im Gehirn.

Die Folge: Die Kinder können sich nicht mehr gut konzentrieren, reagieren überempfindlich auf Geräusche – oder kaum noch. Aber: „Auch unruhige Kinder sind manchmal Kinder mit einer gestörten Hörwahrnehmung“, sagt Ergotherapeutin Eva-Maria Eisenberg. Manche Kinder würden paradoxerweise auch selbst sehr laut – obwohl sie ja eigentlich besonders empfindlich sind. „Letztlich ist es eine Störung der Hirnfunktion“, so Eisenberg. Kinder können dadurch Probleme mit Sprechen und Sprache bekommen oder bei der Koordination von rechts und links; später kann ihnen das Lesen und Schreiben lernen schwerfallen.

Diese Erfahrung haben auch die Lehrer an der Wilhelm-Busch-Schule in Rodgau gemacht. Lehrerin Nicola Otto berichtet, dass von 13 Kindern in der Vorklasse vier Probleme hätten, Gehörtes zu verarbeiten. Manche könnten sich auch nicht auf Wichtiges konzentrieren: Obwohl sie einem Gespräch folgen wollen, dominieren andere Laute aus der Umgebung ihre Wahrnehmung.

„Man kann das sehr gut mit einfacher klassischer Musik therapieren“, sagt Eisenberg, „wenn es konsequent gemacht wird.“ Geeignet sei etwa Mozarts „Kleine Nachtmusik“ oder Klänge von Harfen oder Flöten. Vor allem hohe Frequenzen regten das Gehirn an. Verschiedene Firmen bieten Geräte an, die Töne entsprechend verändern. Sie sollen Kindern helfen, sich besser auf einzelne Töne zu fokussieren.

In Zukunft wird auch die Wilhelm-Busch-Schule betroffene Kinder mit einem solchen Gerät fördern, das mit Musik Wahrnehmung und Konzentration trainiert. Angeschafft hat sie es mit einer Spende des Lions Club Rodgau-Rödermark über 600 Euro. Das Gerät unterscheidet sich von einer Musikanlage dadurch, dass es Töne aus der Musik herausfiltert und andere betont. Auch springt die Musik zwischen rechtem und linkem Ohr hin und her, um die Nerven zu stimulieren.

Das Training an dem neuen Gerät werde in den Stundenplan eingebunden, so Ott, vor allem in die Förderstunden. Ott hat als erste eine Schulung gemacht. Sie wird jetzt andere Lehrer in die Therapie einweisen, die für jedes Kind zwölf Wochen dauert – „trainiert“ werden sollte täglich. Unzweifelhaft nachgewiesen ist ihre Wirkung nicht. Der neunjährige Adrian war einer der ersten, die es ausprobiert haben. Ihm hat es gefallen: „Da kriegt man nicht so viel von den anderen mit.“

Wo Störungen der Hörwahrnehmung herkommen, ist nicht immer klar. Sie können schon beim Embryo ausgelöst werden. Manchmal sind aber auch Reizüberflutung, häufige Mittelohrentzündungen oder traumatische Erlebnisse die Ursache. Hinzu komme, dass Erwachsene häufig auf Kinder einredeten, ohne ihnen richtig zuzuhören, so Eisenberg.

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