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Im Neu-Isenburger Neubaugebiet Birkengewann ist eine einzige Straße nach einer Frau benannt.

Kreis Offenbach

Mehr Weiblichkeit in die Stadt

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Das Plädoyer der SPD Neu-Isenburg nach Frauennamen auf Straßenschildern ist in Langen schon umgesetzt, in Rodgau aber noch gar kein Thema.

Es gibt Frauen, die in Neu-Isenburg Großes geleistet haben. Sie sollten in der Stadt doch auch zu ihrem Recht kommen, fordert die SPD-Fraktion, und pocht darauf, dass ein Parlamentsbeschluss von 2016 endlich umgesetzt wird: Im Baugebiet „Stadtquartier Süd“ sollten Straßen und Plätze nach Frauen benannt werden.

In Langen ist man gerade erst mit bestem Beispiel vorangegangen: Die Bauausschussmitglieder haben in ihrer jüngsten Sitzung mehrheitlich beschlossen, dass allein 16 von 20 Straßen im Neubaugebiet Liebigstraße Frauennamen tragen sollen. Die Entscheidung treffen die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am 13. Februar.

Die Neu-Isenburger Parlamentarier folgten bereits Ende November 2016 einstimmig einem SPD-Antrag, einige Straßen in neuen Baugebieten nach Frauen zu benennen. Für die Benennung im Neubaugebiet Birkengewann war man damals allerdings zu spät dran, weil die dortige Namensgebung schon 2011 feststand. Nur die Opernsängerin Anny Schlemm findet sich deshalb auf einem Straßenschild im Birkengewann.

Im Stadtquartier Süd, dem letzten großen zusammenhängende Siedlungsgebiet in der Stadt, kann der Beschluss nun aber umgesetzt werden, meint die SPD-Fraktion und will in einer Anfrage den aktuellen Stand der Straßenbenennung wissen. Nur sechs Straßen und Plätze seien in Neu-Isenburg aktuell nach Frauen benannt, heißt es aus dem Rathaus. Das heißt im Umkehrschluss: 65 Straßen tragen Männernamen. In der Sitzung, in der auch die Rechtskraft des Bebauungsplans für das Stadtquartier Süd beschlossen werden soll, werde auch über die Vergabe der Straßennamen entschieden, sagt Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos). „Vielleicht schon im März, bestimmt aber im Juni.“

Die SPD-Fraktion hat schon mal Vorarbeit geleistet. Sie schlägt drei Frauen vor, die zu Ehren kommen sollten: Elise Streb, im Jahr 1897 eine der Mitorganisatorinnen des Streiks von mehr als 100 Wäscherinnen, Franziska Schorch, im Jahr 1919 die erste Frau im Neu-Isenburger Gemeindeparlament, und Christine Kircher, eine Kommunalpolitikerin, die eine Volksküche einrichtete. „Bürgermeister Hunkel findet es auch noch gut, die Hebamme Margareta Müller auf einem Schild zu verewigen“, sagt die SPD-Stadtverordnete Inge Manus, die den Stein 2016 ins Rollen brachte. Müller verhalf in 45 Jahren 2800 Babys ans Licht der Welt.

In Rodgau ist man (noch) nicht so weit. Dort gibt es weder einen Parlamentsbeschluss, Frauennamen besonders zu berücksichtigen, noch Vorschläge für die Benennung der Straßen im riesigen Baugebiet Rodgau-West. Dort dürften – je nach Planung – rund 15 Straßennamen nötig sein, heißt es vonseiten der Stadt.

449 Straßen gibt es in der Stadt, nur 14 tragen Frauennamen. „Bei uns haben die damaligen Ortsbeiräte die Straßennamen vergeben“, sagt Pressesprecherin Sabine Hooke. Sie schufen gleichartige Zonen. Deshalb gibt es etwa ein Komponistenviertel oder Bereiche mit Blumen-, Vögel- oder Städtenamen. „Einfachheit und Schreibweise spielten eine Rolle.“

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