Im Verwaltungsgebäude des Druckmaschinenherstellers Manroland hat die Polizeihochschule zusätzliche Räume bezogen.

Mühlheim

Mehr Polizei in Mühlheim

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Die Hochschule für Polizei und Verwaltung in Mühlheim braucht mehr Platz. Im Verwaltungsbau des Druckmaschinenherstellers Manroland ist man fündig geworden.

Mühlheim wird als Polizei-Standort immer bedeutsamer. Bis 2023 könnten wohl rund 1400 Männer und Frauen an der dortigen Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung (HfPV) studieren, blickt Polizeidirektor Matthias Mai voraus – fast dreimal so viel wie noch vor fünf Jahren. Den Platz für so viel Wachstum findet die Polizei ganz unkompliziert auf dem benachbarten Gelände von Manroland. Im fünfstöckigen Verwaltungsgebäude des Druckmaschinenherstellers, dem sogenannten Senefelderhaus an der Borsigstraße, hat die Polizeihochschule im Vorjahr die komplette erste Etage gemietet. Mit Beginn des Wintersemesters soll am 1. September auch das zweite Obergeschoss in Polizeihand sein. Das derzeitige Ausbildungszentrum von Manroland wird sich darüber hinaus zu einem Sport- und Trainingszentrum für die angehenden Polizisten wandeln.

Schon in der vergangenen Legislaturperiode hatte die hessische Landesregierung 1520 zusätzliche Stellen bei der Polizei geschaffen. Nun sollen die hessische Ordnungshüter mit weiteren 750 Stellen verstärkt werden. Der Standort Mühlheim ist dabei der einzige, der expandieren kann; die drei anderen HfPV-Standorte sind räumlich begrenzt. „Wir können Kapazitäten für 1400 Studierende von Polizei und öffentlicher Verwaltung schaffen. Ob es so kommt, ist eine Frage der Landespolitik“, sagt Mai.

Platz gibt es jedenfalls genug. Der Druckmaschinenhersteller Manroland, der vor 15 Jahren noch mehr als 2000 Mitarbeiter zählte, verkleinert sich nämlich mehr und mehr. „870 Mitarbeiter sind jetzt noch im Werk“, sagt Geschäftsführer Rafael Peñuela. Das Unternehmen, das Ende 2011 Insolvenz anmelden musste, wollte Gebäudeteile vermieten oder verkaufen, bot sie, so Peñuela, über Makler im Immobilienmarkt an – und wurde von der benachbarten Polizei angesprochen. Man einigte sich auf einen Deal: Manroland sollte zuerst die erste Etage des Senefelderhauses entsprechend der Bedürfnisse der Polizeihochschule umbauen und dann an den Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen vermieten, der dem Finanzministerium untersteht. Somit konnten am 19. Februar des Vorjahres die ersten HfPV-Studierenden das Stockwerk nutzen. „Das Haus stand schon auf den ersten drei Etagen leer, wir hatten nur noch die vierte und fünfte Etage belegt“, sagt Peñuela. Jetzt ist die Verwaltung von Manroland komplett ins Werk im Offenbacher Teil des Fabrikgeländes gezogen; die Gebäude des Druckmaschinenherstellers liegen verstreut sowohl auf Offenbacher als auch auf Mühlheimer Gemarkung. „In Mühlheim sitzen künftig nur noch die Elektrofertigung und das Kunden-Democenter“, so Peñuela.

Mit Anmietung der zwei Stockwerke von je 2400 Quadratmetern im Senefelderhaus kann die Polizeihochschule ihre Fläche bald verdreifachen. Nachdem so viele Studierende eingestellt wurden, war das war auch bitter nötig. „Im September 2017 haben wir zunächst einmal alle Ressourcen gebündelt, haben mit Doppelstudiengruppen optimiert bis zum Umfallen“, erinnert sich Verwaltungsleiterin Maria Görmer mit Grausen. Sie hat gemeinsam mit Polizeidirektor Mai die Flächen für den Umbau beplant. „Wir haben nächtelang über der Baubeschreibung gebrütet. Die Bauausführung war mithilfe eines Innenarchitekten dann Aufgabe von Manroland“, sagt sie.

Was die beiden Laien geplant haben, ist beispielhaft: ein modernes Bürokonzept mit Akustikwänden, Open Space, Multifunktionsräumen, Besprechungsräumen und Desksharing-Prinzip. Die erste Etage des Senefelderhauses beherbergt jetzt 15 Lehrsäle, Gruppenarbeitsräume, IT-Räume und Lehrsäle für Teilgruppen, sowie Räume für Dozenten und Verwaltung. Die zweite Etage soll bis zum Wintersemester genauso aussehen, die Baugenehmigung lässt aber auf sich warten.

Zum Wintersemester ist auch der Umbau des Manroland-Ausbildungszentrums zum Sport- und Trainingszentrum der Polizei geplant. Boulderwand, TRX-Galgen, ein Kraft- und Fitnessbereich, eine Dojo-Übungshalle, ein Raum für Fahrzeug- und Personenkontrollen und ein Trainingsbereich, in dem das Aufbrechen von Türen geübt werden kann – das alles soll dort verwirklicht werden. „Wir haben unsere Sportdozenten gefragt, was für einen vernünftigen Sportunterricht für angehende Polizeibeamten sinnvoll ist“, sagt Mai.

Für die Ausweitung der Ausbildungskapazitäten in Mühlheim kalkuliert das Land Hessen aktuell mit Miet- und Investitionskosten im siebenstelligen Bereich, verlautbart das hessische Innenministerium auf FR-Anfrage. Und schon gibt es laut Peñuela Überlegungen für den Ausbau von weiteren Stockwerken. 300 Parkplätze sind auf dem Gelände von Manroland jedenfalls schon für die Studierenden angemietet.

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