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Bilder der Zerstörung: Umgestürzte Bäume auf der Prinzessin-Margaret-Allee im Westen von Langen.

Gewitter

Kreis Offenbach: Mehr als 1000 Einsätze nach dem Unwetter

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21 verletzte Personen, umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller im Kreis Offenbach.

Frank Heinrich deutet auf das Waldstück gegenüber seinem Haus am Ortseingang des Rödermarker Stadtteils Waldacker: „Schauen Sie mal, da kann man jetzt durchgucken nach Dietzenbach.“ Bisher sei der Wald so dicht gewesen, dass das nicht möglich gewesen sei. „Jetzt ist ab der zweiten Reihe in dem Waldstück alles weg.“ Die Fallböe, die am Sonntagabend mit einem Gewitter und Starkregen durch den Landkreis Offenbach zog, hat selbst dicke Bäume umgeknickt wie Streichhölzer.

Quer über die Straße hätten etwa zehn Bäume gelegen, erzählt der Anwohner – wohlgemerkt allein auf den 100 Metern bis zur Waldacker-Kreuzung. Der Abschnitt ist am Montagvormittag noch gesperrt. Die Nachbarn seien zu Hause gewesen, als das Unwetter wütete, und hätten kurz um ihr Leben gezittert, sagt Heinrich. Er selbst war am Sonntagabend unterwegs, wurde aber von der Feuerwehr angerufen, weil ein Baum vor und hinter seinem Auto heruntergekracht war. Er hatte aber Glück: „Das Auto ist ganz.“

Auf einem drei bis vier Kilometer langen Streifen zwischen Rödermark, Dietzenbach, Dreieich und Langen überall das gleiche Bild: abgeknickte Bäume, dicke Äste, die die Feuerwehr auf die Seite räumte, Baumstämme, die zersägt wurden, um den Weg freizumachen, eine Mischung aus Blättern, Zapfen und Holzstaub auf der Straße. Überall riecht es nach frischem Holz. Immer wieder steigt der Polizeihubschrauber auf, um sich ein Lagebild zu verschaffen. Langen hat es am schwersten erwischt; die Stadt scheint fast von der Außenwelt abgeschnitten, weil die B486 wegen umgestürzter Bäume sowohl zur einen als auch zur anderen Seite hin gesperrt ist.

Überall ist das Kehren angesagt. Hauseigentümer schwingen den Besen, um die Gehwege unter den Blätterbergen wieder sichtbar zu machen. In Dietzenbach wird die ganz Wucht des Sturms im Gewerbegebiet deutlich: Der Sturm hat zwei schwere Autoanhänger mit Werbebannern umgeworfen, sie liegen wie Mahnmale auf Gehsteig und Parkplatz.

Vor dem Edeka-Markt im Stadtteil Steinberg steht das Häuschen, unter dem normalerweise die Einkaufswagen geparkt sind, so windschief, als wolle es jede Sekunde zusammenbrechen. Am Globus-Baumarkt hat ein solches Häuschen dem Unwetter nicht standgehalten, liegt in Einzelteile verstreut auf dem Parkplatz.

Die Burgfestspiele in Dreieichenhain fielen buchstäblich ins Wasser. Die letzte Vorstellung wäre es gewesen, Konstantin Wecker sollte auftreten. „Um 19 Uhr sollte Vorstellungsbeginn sein, um 18.10 Uhr kam das Unwetter“, sagt Dominique Klein von den veranstaltenden Bürgerhäusern Dreieich. „Wir waren gerade kurz vor dem Einlass.“ Die 200 Besucher, die sich bereits im Foyerzelt eingefunden hatten, wurden in der angrenzenden Burgkirche und im Dreieich-Museum untergebracht, weil es unter den fliegenden Bauten zu gefährlich war. „Konstantin Wecker war schon da und hat das Unwetter live miterlebt“, sagt Klein. Bis auf ein paar abgerissene Planen sei aber nichts passiert. Die Lautsprecher seien voll Wasser gelaufen, „aber das ist reparabel“. Man sei noch am Sichten und Testen, ob die restliche Technik funktioniert.

Im Parkschwimmbad in Dreieich dagegen funktioniert nichts mehr, weil das Laub der Bäume die Leitungen verstopft hat. Der Sauger bekomme die Massen an Blättern gar nicht aus dem Schwimmbecken, sagt Betriebsleiterin Dalila Kahl. „Die Technik fällt dauernd aus, die Filter sind zu, wir können die Umwälzung nicht laufen lassen.“ Am Morgen habe es schon Chloralarm gegeben.

Auf der Liegewiese hat der Sturm mehrere riesige Bäume gefällt. Man könne niemanden ins Schwimmbad lassen, weil in den Baumkronen noch lose Äste liegen, die jederzeit herunterfallen können, so Kahl. Die Freibadsaison hat sich in Dreieich erledigt, ab Mittwoch werde nun das Hallenbad geöffnet, die Saisonkarten gelten nun bis 15. September fürs Hallenbad.

Der neue Kunstrasenplatz in Dreieichenhain ist bis auf Weiteres nicht nutzbar, dort wurde das Korkgranulat ausgeschwemmt. Auch der SC Hessen Dreieich beklagt Schäden – wenn auch nicht so schlimm wie befürchtet, obwohl das Stadion am Wald liegt. „Die Überdachung der Tribüne ist beschädigt“, sagt ein Mann, der auf dem Parkplatz mit der Motorsäge gerade ein Auto von einem Baum befreit, der auf dem Dach liegt.

Ganz besonders stark hat der Sturm hingegen im Seligenstädter Stadtteil Froschhausen gewütet. Die Einfallstraße in den Ort war am Sonntagabend komplett unpassierbar, mehrere gekappte Bäume versperrten die Fahrbahn. Wegen eines Wasserschadens blieb die dortige Alfred-Delp-Schule gestern komplett geschlossen.

21 Personen wurden durch das Unwetter verletzt, vier davon schwerer, darunter auch ein Kind. Zwischen 18 und 20.30 Uhr gingen allein bei der Leitstelle der Polizei in Offenbach über 280 Einsatz- und fast 50 Alarmmeldungen ein, die 29 Feuerwehren im Kreis meldeten über 1000 Einsätze. Die A3 und die A661 sowie die Bundesstraße mussten kurzzeitig gesperrt werden. In Dietzenbach fiel ein Baum auf die S-Bahn, die 25 Fahrgäste blieben aber unverletzt und wurden evakuiert. In Langen befreite die Feuerwehr am Sonntagabend mehr als 70 Menschen aus ihren Autos.

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