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Familientreffen: Nur die Künstler fanden sich am Freitagabend zur ARTig im Capitol ein. Die Öffentlichkeit war ausgesperrt. 

Dietzenbach

Per Mausklick durch die ARTig in Dietzenbach

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Die Dietzenbacher ARTig ist Corona zum Opfer gefallen. Die Stadt hat aber schnell gehandelt: Die Kunstausstellung soll nun in einem virtuellen Rundgang für jedermann erlebbar werden.

Die Stellwände waren schon aufgebaut, die Beleuchtung war schon installiert, die rund 250 Bilder und Kunstwerke hingen und standen schon – und dann wurde die ARTig in Dietzenbach kurzfristig abgesagt. Acht Stunden vor der geplanten Eröffnung ist die 14. Kunstausstellung am Freitag dem Corona-Virus zum Opfer gefallen.

Bis Freitagvormittag sah das alles noch ganz anders aus: Nur die Vernissage um 19 Uhr sollte entfallen, die eigentlich bis Sonntag dauernde Ausstellung im Dietzenbacher Capitol sollte aber für jedermann zugänglich sein.

Dann folgte eine neue Risikobewertung – und um 11 Uhr sagte die Stadt die ARTig ab. So fanden sich um 19 Uhr nur die Künstler im Capitol ein, um mit einem gemeinsamen Foto diese „historische ARTig“, so Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) zu dokumentieren – und im Anschluss ihre Kunstwerke abzuhängen oder abzubauen. „Entscheidungen, die man mal getroffen hat, können sich in diesen Tagen sehr schnell ändern“, entschuldigte sich der Bürgermeister bei den Künstlern.

Die Stadt fand aber eine Möglichkeit, die Kunstwerke trotzdem zeigen zu können: Ralf Spiegel von der städtischen Presseabteilung kontaktierte kurzerhand den Dietzenbacher Filmemacher Ömer Sabry und bat ihn darum, die Ausstellung zu dokumentieren. „Er hat sofort zugesagt und hat sich noch schnell eine neue Kamera gekauft“, sagte Spiegel.

Ein gemeinsames Gruppenfoto sollte diese „historische“ ARTig dokumentieren. 

Kurz vor der Eröffnung, die eigentlich gar keine war, machte der Medienproduzent seine hochauflösenden 360-Grad-Fotos von den Kunstwerken. Am Wochenende setzte er die 3D-Ansichten aus dem Capitol dann zusammen. „Daraus entsteht ein virtueller Rundgang wie in einem Museum“, erklärte Sabry. Das heißt: Alle Kunstinteressierten können sich selbst per Mausklick durchs Capitol zu den Exponaten und Ansichten navigieren. „Man kann sich auch jedes Bild heranzoomen, um es näher zu betrachten“, so Sabry. Der virtuelle Rundgang durch die ARTig soll zum Ende der Woche auf der städtischen Homepage unter www.dietzenbach.de sowie auf der Internetseite framestormmedia.de möglich sein. Sabry wird auch einen Imagefilm über die Ausstellung erstellen. Dietzenbach feiert in diesem Jahr 800-jähriges Bestehen, der Film soll die Kunstszene in der Stadt dokumentieren.

Stets gibt es auf der ARTig auch ein Sonderthema, dem sich die Künstler in ihrer eigenen Stilrichtung widmen. In diesem Jahr lieferte jeder ein Exponat zum Thema „Eine junge Stadt wird 800 Jahre alt“. Im Verlauf der 800-Jahr-Feier werde es sicher noch eine Möglichkeit geben, diese Kunstwerke einzusetzen, beruhigte Bürgermeister Rogg die Künstler. Arno Kuchinka, der „Erfinder“ der ARTig, sprach sich dafür aus, die Exponate im Sommer im Rathaus nochmals zu zeigen.

Rechts eine Arbeit von Markus Zeller aus Dietzenbach, links der Medienproduzent, der Bilder für den virtuellen Rundgang machte. 

Die Künstler nahmen die Veranstaltungsabsage am Freitagabend halbwegs gelassen - auch wenn ihnen Einnahmen aus dem Verkauf von Exponaten wegbrachen. „Wir nutzen die ausgefallene Eröffnung jetzt halt als Treffen“, sagte Gisela Zwonar. Das sei die Chance, sich gegenseitig auszutauschen, pflichtete ihr Elisabeth Schuler bei. Beim Aufbau sei dafür eh nie Zeit.

Bozena Höhneva-Nürnberger dagegen war sauer: „Die Stadt hätte auch schon gestern sagen können, dass man mit einer Absage der ARTig rechnen muss“, meinte sie. Dorita Jung dagegen hatte die Absage „in ihrem tiefsten Inneren schon geahnt“. Jelena Macura-Kuhn hatte noch eine Kalligraphie mit einem Spruch von Ringelnatz aufgehängt: „Sicher ist, dass nichts sicher ist“ war da in weißen Lettern auf braunem Backpapier zu lesen.

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