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Anna Adam und Jalda Rebling haben wie hier in Dreieich vor allem Schüler über jüdisches Leben informiert.

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Mit Matzebrei gegen Vorurteile

Der „Happy Hippie Jew Bus“ informiert im Landkreis Offenbach über jüdisches Leben und Tradition.

Der Buddha trägt eine Kippa, ein kunterbunter Wimpel ist mit „Shalom“ beschriftet und Flower-Power-Motive gibt es zuhauf: Der Name des „Happy Hippie Jew Bus“ ist Programm, bunt und flippig kommt er daher. Noch bis Dienstag machen Anna Adam und Jalda Rebling mit ihrem Bus im Kreis Station und informieren über jüdisches Leben, Glauben und Traditionen.

Die Künstlerin Anna Adam hat das Projekt vor acht Jahren ins Leben gerufen, seitdem ist sie mit der Kantorin Jalda Rebling quer durch die Republik unterwegs. „Für viele Besucher sind wir die ersten Jüdinnen, die sie bewusst treffen“, sagt Rebling. In den Kreis Offenbach eingeladen hat die beiden Berlinerinnen die Fachstelle „Demokratie leben“ des Kreises. „Wir haben jede Menge Anfragen von Schulen bekommen, dass wir sie besuchen sollen – mehr, als wir erfüllen können“, sagt Adam.

Der Happy Hippie Jew Bus macht am heutigen Samstag ab 8 Uhr auf dem Wochenmarkt in der Bahnhofstraße in Neu-Isenburg Station.

Am Dienstag, 14. Mai, sind Anna Adam und Jalda Rebling zu Gast bei der Petrusgemeinde Langen, Bahnstraße 46. Vormittags sind Schulen zu Besuch, von 14 bis 16 Uhr ist der Bus für alle Besucher offen. som

Mit Augenzwinkern und in lockerer Atmosphäre vermitteln die beiden Frauen Inhalte ihres Glaubens und Lebens. So werden an Stellwänden kleine Bilder von Lebensmitteln nach den Kategorien der jüdischen Speisevorschriften sortiert: „Milchig“ und „fleischig“ gibt es da, aber auch „neutral“ und „nicht erlaubt“. Die Pizza? Ganz klar, sie zählt wegen des Käses zu den Speisen mit Milch. „Außer, es liegt Schinken drauf – dann ist sie nicht koscher, darf also nicht gegessen werden“, sagt Adam. Schwierig wird es bei den Weißwürsten. „Echte Weißwürste sind aus Kalbfleisch, also erlaubt. Aber weil Schwein billiger ist, wird meist Schweinefleisch benutzt.“ Und damit wären auch die Weißwürste nicht koscher.

Das Lebensmittelspiel ist nur eine von vielen Methoden, um jüdische Traditionen vorzustellen. „Unser Bus ist bis oben vollgestopft mit didaktischen Utensilien“, sagt Rebling. Spielerisch fänden Kinder wie Erwachsene leichter Zugang zur Thematik. „Ich habe vorher schon Vorträge über das Judentum gehalten, aber gerade bei Schulklassen war die Hemmschwelle hoch. Das kommt alles bedeutungsschwer daher, manche Besucher sind dann gehemmt“, sagt Adam. Mit dem flippigen Bus aber würden Klischees durchbrochen, Neugier geweckt und der Einstieg erleichtert. Und wenn eine Küche vor Ort ist, kocht Adam auch mit den Besuchern. Im Mühlheimer Jugendzentrum wurde beispielsweise Matzebrei, eine Pfannkuchenvariante mit Matzen, gemeinsam zubereitet.

„Wir sprechen auch ganz gezielt bestimmte Vorurteile an, etwa, dass Juden reich seien“, sagt Rebling. Oder dass sich alle Juden stets an die Speisevorschriften hielten. „Natürlich nicht: In Israel sind an Fastentagen die Eisdielen ebenso voll wie überall“, sagt sie und lacht.

Aggressivität begegne ihnen allerdings auch. „Aber meist versteckt, etwa, wenn der Shalom-Aufkleber von unserem Bus heruntergerissen wird“, sagt Rebling. Abschrecken lassen sie sich freilich nicht. Sie und Adam wollen weiter Vorurteilen mit Humor begegnen.

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