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Thomas Niedermayer setzt auf Produkte aus fairem Handel.

Obertshausen

Meister der Aromen

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Leckeres Weichkaramell: Thomas Niedermayer ist Deutschlands einziger Fudge-Hersteller. Seine Süßigkeiten werden deutschlandweit in Feinkostläden angeboten.

Salzbutter aus der Bretagne, geräucherter Kardamom aus Nepal, Haselnüsse aus dem Piemont: Thomas Niedermayer setzt auf hochwertige Zutaten. Seit vier Jahren hat sich der gelernte Konditor auf Fudge, eine gerade in Großbritannien und den USA beliebte Süßigkeit, spezialisiert. „Bei Fudge handelt es sich um Weichkaramell“, sagt Niedermayer und lacht, „ich bin so was wie ein Fudge-Pionier in Deutschland: Ich muss immer noch erklären, um was es sich handelt.“

Obwohl Niedermayer Konditor gelernt hat, arbeitete er dann 25 Jahre im Maschinenbau bei MAN Roland. „Als das Unternehmen Insolvenz anmeldete, habe ich überlegt, was ich gern machen würde. Da Süßes eh mein Ding ist, bin ich auf Fudge gekommen“, sagt der 49-Jährige. Mit einem Fertigungstisch in einer Küche fing er mit der Herstellung an – heute beschäftigt Niedermayer zwei Angestellte, an vier Tischen wird die süße Karamellmasse produziert. „Jetzt habe ich auch das richtige Alter, um als Selbständiger zu arbeiten: Mit 20 wäre das nichts für mich gewesen“, ist Niedermayer überzeugt.

Unter der Bezeichnung „Aromakünstler“ werden seine Süßwaren in Feinkostläden in der ganzen Republik angeboten. Dass er den Firmennamen mit Bedacht ausgewählt hat, zeigt ein Blick auf seine Zutaten. Die Haselnüsse und Mandeln haben einen kräftigen, vollen Duft und Geschmack, das schwarze Meersalz eine pikante Note. Statt Massenware werden exklusive Süßigkeiten mit ausgewählten Zutaten hergestellt, Niedermayer setzt dabei auf Waren aus fairem Handel, wie etwa beim Zucker aus Brasilien. „Fair gehandelte Rohstoffe sind zwar etwas teurer, aber der Geschmack rechtfertigt es - und mir ist wichtig, dass die Produzenten anständig bezahlt werden.“

Mit dem als „Plombenziehern“ in Deutschland bekannten englischem Industriefudge haben Niedermayers Kreationen nichts zu tun, dafür sorgt schon der hohe Sahne- und Schokoladenanteil. Und da Niedermayer auch gern mit Aromen experimentiert, gibt es neben klassischen Variationen mit Nüssen oder Früchten auch ungewöhnliche Kreationen. „Beliebt ist das Hessen-Fudge mit Apfelwein der Kelterei Höhl“, sagt er, aber er hat auch schon Grüne-Soße-Fudge oder ein Oliven-Fudge für einen Darmstädter Olivenhändler entworfen.

„Ich arbeite viel mit Ingo Holland vom Alten Gewürzamt in Klingenberg zusammen: Wir probieren ganz unterschiedliche Geschmacksrichtungen aus.“ So entwickelt Niedermayer aktuell ein rotes Fudge mit Ruby-Red-Kakaobohnen oder eines mit weißen Absinth. Mehr als acht Sorten hat er aber nicht gleichzeitig in der Produktion. „Die Sorten werden nach Saison angeboten und gehen dann sofort in den Verkauf“, sagt er. Selbst bei der Verpackung setzt Niedermayer auf Nachhaltigkeit, so werden die Päckchen etwa mit Muskatnussschale gefärbt.

Auf Messen im ganzen Bundesgebiet stellt Niedermayer seine Produkte vor. Und nutzt Reisen auch dazu, die Produzenten seiner Rohstoffe kennenzulernen. Dabei werden auch neue Kreationen entwickelt. „Die Ideen kommen von draußen, in der Küche werden die dann abgearbeitet“, sagt er und lacht.

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