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Starke Farben: Eine Besucherin betrachtet die Werke von Jens-Olaf Prießnitz.
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Starke Farben: Eine Besucherin betrachtet die Werke von Jens-Olaf Prießnitz.

Dietzenbach

Malen mit Rost und Ei

  • Martin Brust
    VonMartin Brust
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Lokale Künstler aus zeigen auf der Kunstmesse ARTig in Dietzenbach ihr Schaffen. Besucher dürfen nicht nur gucken, sondern auch kaufen.

Arno Kuchinka ist überzeugt: "Ich kann gar nicht malen“. Während er das sagt, steht er vor seinen Bildern auf der ARTig 2014 im Bürgerhaus Dietzenbach. Zum achten Mal hat die Kreisstadt Künstlerinnen und Künstler eingeladen, ihre Werke zu zeigen. Überwiegend hängen Gemälde und Zeichnungen an den Stellwänden, vereinzelt gibt es auch Objekte oder Künstlerbücher zu bewundern. Und auch mitzunehmen, denn die Schau ist auch eine Verkaufsausstellung.

Aber wenn er nicht malen kann, wie kommt Kuchinka dann zu seinen 14 Bildern am Stand? Und die sind nicht mal ein Prozent aller Werke, die er im Depot hat. „Ich lasse das ‚Es‘ malen“, sagt der Dietzenbacher, erst dann werde es interessant. Er male eigentlich seit 55 Jahren, sagt der ebenso alte Autodidakt. Tatsächlich begann er aber in einer Reha-Klinik nach einem schweren Hirnabszess damit, Bilder auf Leinwände zu bringen. „Dort gab es Aquarellmalen als Angebot. Freunde haben mitbekommen, dass ich das mache und mir zum nächsten Geburtstag die Grundausstattung geschenkt“, erzählt Kuchinka. Das war vor über 20 Jahren und seither hat er sich weit vom Aquarellieren entfernt: Farben aus Ei, Öl, Pigmenten und Geheimnissen verwendet er heute. Aus Eisenpulver, feuchter Leinwand, Salz und Kleister entstehen Rostbilder. CDs, Nescafé, Sand, Erde oder Keramikfliesen sind Teil seiner Bilder. „Bei mir wird nichts weggeschmissen“, sagt er. Immer wieder tauchen Buchstaben oder Zahlen in den Bildern auf, denn nach seiner Erkrankung und zweimaliger Schädelöffnung hatte er grundlegende Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen zeitweise komplett verloren.

Während Kuchinka ein alter Hase auf der ARTig ist und seit 2007 jedes Jahr dabei war, stellt Katja Leers-Farr zum ersten Mal in Dietzenbach aus. Die Heusenstammerin ist Mitglied von KIR – Kunst in Rödermark und von Schrift fasziniert. In allen Bildern, die sie mitgebracht hat, sind Schriftzeichen oder Texte integriert. Leers-Farr arbeitet bevorzugt mit Tusche, Tinte und Aquarellfarben auf Papier und zeigt sehr leuchtende Farben – was sie mit vielen anderen der 27 Künstlerinnen und Künstler gemeinsam hat. Neben den Bildern hat Leers-Farr auch vier aufwendig gestaltete Künstlerbücher mitgebracht, die sich auch gesellschaftlich relevanten Themen wie etwa Obdachlosigkeit widmen. „Ich bin oft in den USA und dort ist der Kontrast zwischen den vielen Obdachlosen und den vielen Reichen sehr groß“, erläutert sie zu ihrem Buch „Homeless“.

Auch am Stand von Irene Lucinda Narciso leuchtet es. Die in Angola geborene Portugiesin lebt heute in Dreieich und schafft auf beeindruckende Weise Unmögliches: Riesige Miniaturen hat sie an ihre Stellflächen gehängt, ebenfalls in leuchtenden Acrylfarben gemalt. Narciso malt winzige Abstraktionen oder auch Afrikaansichten und vereint diese dann auf teils sehr großen Hintergründen zu Bildern, die sicher nicht an jeder Wohnzimmerwand Platz finden. Und die an handgefertigte Computerpixel denken lassen. Bbunt geht es auch am Stand von Jens-Olaf Prießnitz zu. „Wie es ja auch der Gedanke der ARTig ist, versuche ich mich jedes Jahr an etwas Neuem“, erzählt der gelernte Schauwerbegestalter. Letztes Jahr hat er großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien gezeigt, also das Gegenteil zu den jetzt am Stand hängenden bunten, viereckigen Bildern, die ihre Struktur durch miteinander verklebte und vertackerte Leinwandstreifen bekommen. Fotografie war Prießnitz Einstieg in die Kunst, später kamen Skulpturen und Plastiken sowie Malerei hinzu.

An seinem Stand zeigt sich auch die ökonomische Wirksamkeit der Ausstellung, denn Samstags kurz nach Eröffnung hat er bereits zwei Bilder verkauft. Und das trotz eher spärlichen Besucheraufkommens angesichts des guten Wetters und der selbst im direkten Umfeld des Bürgerhauses kaum vorhandenen Hinweise auf die Schau. Sonntag sei stets der bessere Tag, sagt Prießnitz.

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