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Ein Friedwald-Mustergrab bei Weilrod.

Dietzenbach Friedwald

Letzte Ruhe unterm Laubbaum

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Im Nordwesten der Kreisstadt Dietzenbach soll bis Mitte 2015 ein Begräbniswald entstehen. Rund 27 Hektar groß ist das Gebiet nördlich des Wollwiesenteichs und der Reitanlage Wildwieseneck, das sich wegen seiner Laubbäume hervorragend als Friedwald eignet.

Der Andrang ist groß, schon eine Viertelstunde vorher sind alle Stühle im Saal des Dietzenbacher Rathauses belegt, weitere müssen herangeschafft werden. Mehr als 120 Besucher sind es schließlich, die sich über die Einrichtung eines Trauerhains in der Kreisstadt informieren wollen. Man befinde sich in der Auftaktphase des Projekts, der „frühzeitigen Bürgerbeteiligung“, betont Ursula Becking-Noller von der Stadtplanung. Im Nordwesten der Stadt, im Gebiet um den Ebertsberg, soll ein Friedwald entstehen.

Seit 2010 schon überlegt das Unternehmen Friedwald, einen Begräbniswald gleichen Namens in Dietzenbach einzurichten. „Bei Führungen durch die Friedwälder in der Umgebung wie Michelstadt oder Gelnhausen sahen wir, dass viele Interessenten aus dem Kreis Offenbach kamen“, sagt Stephan Martini, Kontaktmann von Friedwald. Im Westen des Kreises sollte deshalb ein geeignetes Waldstück als neuer Standort gefunden werden, entschied die Firma. Nach Untersuchungen in Langen und Dreieich fiel die Wahl auf Dietzenbach. Auch bei der Stadt sei man auf Interesse gestoßen.

Rund 27 Hektar groß ist das Gebiet, das als Friedwald ausgewiesen werden soll. Es liegt nördlich des Wollwiesenteichs und der Reitanlage Wildwieseneck. Das Waldstück gehört Hessenforst, das Unternehmen Friedwald möchte es auf 99 Jahre pachten. Mit seinem hauptsächlichen Bestand aus Laubbäumen eigne sich das Gebiet hervorragend als Friedwald, erklärt Ronald Uhle von der Planungsgruppe ASC Frankfurt. Trotz seiner Nutzung als Begräbnisstätte werde der Waldcharakter nicht angetastet, der Wald bliebe weiterhin Erholungsgebiet.

Ein merkliches Aufstöhnen geht durch die Besucherreihen, als der Zeitplan verkündet wird: Bis Ende des Jahres sollen alle formalen Schritte des Bebauungsverfahrens abgeschlossen sein. Wenn es keine Widersprüche gebe, sei „im günstigsten Fall im Frühjahr 2015 mit dem Baubeginn zu rechnen“, sagt Martini. Eröffnung wäre dann im Sommer 2015.

Nur geschottert, nicht asphaltiert

Obwohl nur wenig gebaut werden müsse, müssten auch hier die planungsrechtlichen Schritte eingehalten werden, betont Becking-Noller. Nicht allen im Publikum will das gefallen. „Wenn es zwei Widersprüche gibt, zieht es sich über Jahre hin“, frozzelt ein Besucher leise.

Als Zufahrt sollen die vorhandenen Wirtschaftswege dienen, allerdings müssten dort noch vier Ausweichbuchten entstehen. Wo genau die liegen, ist noch nicht bekannt; das Land ringsum gehört teils der Stadt, teils Privatleuten. Auch Parkmöglichkeiten nördlich des Wollwiesenteichs sind geplant. „Aber nur geschottert, es wird wie auf den Waldwegen keine Asphaltierung geben“, sagt Martini.

400 Quadratmeter für Trauerfeiern

Zwei Versammlungsstätten über jeweils 200 Quadratmeter für Trauerfeiern sind geplant. Dabei ist eine schlichte Ausführung mit hölzernem Rednerpult und Sitzbänken angedacht. Als Umzäunung sollen Baumstämme oder hüfthohe Holzbalustraden dienen. Der Eingriff in die Natur soll so gering wie möglich sein. Eine geschlossene Umzäunung werde es aber nicht geben, erklärt Martini. Parzellenweise und über mehrere Jahre müsse der Friedwald erschlossen werden.

Die sonst häufig gestellte Frage, ob denn nicht die Gefahr besteht, dass Wildschweine die Urnen ausgraben, ersparen die Dietzenbacher dem Kontaktmann von Friedwald. Der lächelt und beantwortet sie dennoch: „Die Wildschweine machen das nicht, die haben schlicht kein Interesse daran.“

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