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Ganz am Ende der Liebigstraße in Richtung A3 soll ein Gewerbepark mit zwei Hallen entstehen. rolf oeser

Rodgau

Lastwagen im Wohngebiet

Mit Bauchschmerzen hat die Mehrheit der Rodgauer Parlamentarier der Erschließung des Gewerbegebiets Weiskirchen-Ost - und damit mehr Lastwagenverkehr zugestimmt.

Eigentlich war man sich schon vor Jahren einig: keine Logistikunternehmen im Rodgauer Gewerbegebiet Weiskirchen-Ost, direkt an der Autobahn 3. Eigentlich. Seit Montagabend ist nämlich alles anders. Die Regierungskoalition aus SPD, Grünen, FDP und Rodgauer Liste hat der Erschließung des Geländes zugestimmt; CDU, AfD und der Wählerverein „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB) votierten dagegen. Die Koalitionspartner machten allerdings keinen Hehl daraus, dass sie diese Entscheidung mit Bauchschmerzen trafen. Die Multi Park V GmbH lässt dort nämlich einen Gewerbepark mit zwei Hallenkomplexen entstehen – und das bedeutet Schwerlastverkehr in den Ortsstraßen.

Dass sich im Gewerbegebiet Weiskirchen-Ost jetzt doch Logistikunternehmen ansiedeln können, liegt an einem Bebauungsplan, der in den Schubladen der Stadtverwaltung jahrelang vor sich hin schlummerte. Der Ortsbeirat hatte ihn 2003, die Stadtverordneten dann 2005 beschlossen; er beinhaltete die Maßgabe, dass auf dem Areal keine Großlogistik erlaubt ist. 2007 wurden noch die Träger öffentlicher Belange gehört, ab 2009 ruhte er aber im Verfahren – wie auch viele andere Bebauungspläne der Stadt. Die CDU sah am Montagabend den Magistrat als Schuldigen, die FDP dagegen meinte, alle Stadtverordneten hätten irgendwann aufgehört, ihre Beschlüsse zu kontrollieren.

Wie auch immer – dieser Bebauungsplan hat somit noch keine Rechtsgültigkeit erreicht. Damit ist ein Vorgängerplan aus dem Jahr 1974, der die Ansiedlung von Speditionen auf dem Areal in Teilen zulässt, der einzig gültige Bebauungsplan. Auf diesen alten Plan kann sich der Investor, der erst die Erschließung des Gebiets bezahlt und dann zwei große Hallen erstellt, nun berufen.

Hätte die Mehrheit der Stadtverordneten am Montagabend dem Erschließungsvertrag nicht zugestimmt, wäre der Stadt möglicherweise ein Prozess ins Haus gestanden. Bei einem Bodenpreis von 150 Euro pro Quadratmeter wäre dann bei 28 000 Quadratmetern Fläche ein Vermögensschaden von 4,2 Millionen Euro entstanden, rechnete Heino Reckließ (FDP) aus.

Der Magistrat hatte deshalb im Vorfeld versucht, „Schadensbegrenzung“ zu betreiben und hatte der Multi Park V GmbH im Erschließungsvertrag einige Zugeständnisse abgerungen. So wurde die Andienung der Firmen, die sich dort ansiedeln, auf maximal 100 Lastwagen pro Tag begrenzt. „Das sind 200 Lkw-Bewegungen pro Tag“, rechnete Clemens Jäger (CDU) den Parlamentariern vor. Das sei zu viel, führe zu einer Überlastung der Ortsstraßen, weil das Gewerbegebiet keinen direkten Autobahnanschluss hat. Außerdem werden die Lastwagen ausgerechnet dort auf die Bundesstraße 45 auffahren, wo es durch Staus auf der A3 „eh schon einen Flaschenhals gibt“, so Werner Kremeier (Grüne).

Zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens dürfen keine schweren Lastwagen die zwei Hallen mit mehr als 20 Laderampen anfahren. Die Multi Park GmbH finanziert auch den Bau einer Kehrschleife, die notwendig ist, weil die Kurve zur Daimlerstraße hin aktuell für Lastwagen zu eng ist. Das Unternehmen plant 101 Pkw-Stellplätze auf dem Gelände; 51 wären laut Stellplatzsatzung nur notwendig. Auch ein Service-Point mit WC, Sanitär- und Sozialräumen für die Lastwagenfahrer ist vorgesehen.

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