Auch wenn der Einzelhandel, zumindest unter Bedingungen, ab nächster Woche wieder öffnen darf, hat ihn die Corona-Krise enorm getroffen.
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Auch wenn der Einzelhandel, zumindest unter Bedingungen, ab nächster Woche wieder öffnen darf, hat ihn die Corona-Krise enorm getroffen.

Einzelhandel

„Wer kein finanzielles Polster hat, fällt jetzt schnell um“

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
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Christoph Braun, Geschäftsführer des Kaufhauses Braun in Langen, macht die Planungsunsicherheit in der Corona-Krise zu schaffen.

Auch wenn der Einzelhandel, zumindest unter Bedingungen, ab nächster Woche wieder öffnen darf, hat ihn die Corona-Krise enorm getroffen. Seit 18. März müssen Geschäfte geschlossen bleiben. Lange war unklar, wann der Betrieb weiter gehen kann. „Die Planungsunsicherheit ist für uns das Schlimmste“, sagte Christoph Braun, der gemeinsam mit seinem Bruder Stephan Geschäftsführer des Kaufhauses Braun in Langen ist, noch vor wenigen Tagen. Weil der Umsatz wegbrach, haben Christoph und Stephan Braun für alle 99 Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden müssen.

„Das gefällt uns gar nicht. Unsere Mitarbeiter befinden sich nicht in einer Gehaltsklasse, in der man das locker wegstecken könnte“, sagt Braun. Rechnet man die Mitarbeiter im Kaufhaus auf Vollzeitstellen um, kommt man auf 46. Über diese Zahl freut er sich in diesen Tagen. Denn Unternehmen bis 50 Mitarbeiter können die staatliche Soforthilfe beantragen.

Christoph Braun leitet gemeinsam mit seinem Bruder das Kaufhaus Braun in Langen.

Auch wenn der übliche Betrieb stillsteht, haben er und sein Bruder viel zu tun. Die beiden stehen in regem Kontakt mit ihren Lieferanten. „Die Ware ist zum Großteil vorgeordert. Auch wenn wir sie aktuell nicht verkaufen können, haben wir ja Verträge geschlossen“, so der Geschäftsführer. Die Frühjahrs- und Sommerkollektionen seien teilweise sogar schon geliefert worden. Für die anderen Lieferungen versuche er, die Termine nach hinten zu verschieben. „Manche räumen uns auch Valuta ein, andere Ware wollen wir auf das Frühjahr 2021 verschieben – das geht allerdings bei Mode nur begrenzt“, sagt Braun.

Modekonzern meldet Insolvenz an

Wie schnell es für ohnehin angeschlagene Firmen jetzt bergab gehen kann, sieht Christoph Braun an den Marken, die er im Kaufhaus anbietet. So musste beispielsweise der Modekonzern Esprit Insolvenz anmelden. Christoph Braun ist sich sicher, dass weitere folgen werden. „Die, die kein finanzielles Polster haben, fallen jetzt schnell um“, sagt er. Existenzielle Ängste um sein Kaufhaus habe er derzeit nicht: „Wir haben den klaren Vorteil, dass wir in den vergangenen Jahren eine gewisse Liquidität aufgebaut haben. Trotzdem macht es einem Angst zu sehen, wie diese langsam verschwindet. Wir können noch schlafen, aber wir schlafen nicht ruhig.“

Einen Onlineshop hat das Kaufhaus nicht. Auch hat Braun nicht den Eindruck, dass in der Bevölkerung gerade Konsumlaune herrscht. Wer das Kultkaufhaus aktuell dennoch unterstützen möchte, kann Gutscheine kaufen. Und Christoph Braun appelliert: „Wenn der normale Betrieb wieder losgeht, hoffe ich, dass die Menschen den lokalen Einzelhandel unterstützen. Es wäre schade, wenn zu viel von unserer Infrastruktur kaputtginge.“

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