Bürgermeisterwahlen

An die Urnen!

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Morgen entscheiden Bürger über das nächste Stadtoberhaupt. Wir stellen die Kandidaten vor.

Morgen gilt’s: Die Bürger entscheiden, wer in den kommenden sechs Jahren Langen regiert. Sechs Bewerber treten für das Bürgermeisteramt an. Bei dieser „Kandidatenflut“ wäre es eine Überraschung, wenn sich einer der Bewerber schon im ersten Wahlgang durchsetzt und mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen auf sich vereint. Somit dürfte es in zwei Wochen, am Sonntag, 16. Februar, zu einer Stichwahl kommen, bei der die zwei Kandidaten mit der höchsten Stimmenzahl ins Rennen gehen.

27 226 Wahlberechtigte sind morgen aufgerufen, den künftigen Bürgermeister zu wählen. Wahlberechtigt sind dabei auch Bewohner aus Ländern der Europäischen Union. Von 8 bis 18 Uhr sind die 13 Wahllokale im Stadtgebiet geöffnet. Aus Kostengründen wurden einige Wahllokale zusammengelegt.

Eine Legislaturperiode hat der amtierende Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD) hinter sich gebracht. Er tritt nun zum zweiten Mal an. Die Grünen schicken mit Stefan Löbig einen eigenen Bewerber ins Rennen, genauso wie die Freien Wähler mit Heinz-Georg Sehring. Mit Jan Werner, Holger Kintscher und Uwe Langen haben sich drei Parteilose zur Kandidatur entschieden.

2 319 Briefwähler hatten bis gestern, 12 Uhr, ihre Stimme abgegeben. „Das sind im Vergleich zur letzten Wahl etwa zehn Prozent mehr“, sagt die stellvertretende Wahlleiterin Heike Kahse. Sie rechnet trotzdem nicht damit, dass die fast 54 Prozent Wahlbeteiligung vom Januar 2008 erreicht werden. „Damals fiel die Bürgermeisterwahl mit der Landtagswahl zusammen“, erklärt sie.

Es dürfte spannend werden, ob der relativ „zahme“ Wahlkampf die Massen mobilisieren konnte. Lediglich Jan Werner sorgte für Gesprächsstoff: Zum einen brachte er sein Konterfei schon vor der Sechs-Wochen-Frist an Hoftoren und in privaten Gärten an, zum anderen monierte er beim städtischen Wahlamt, dass die Plakate seines Konkurrenten Holger Kintscher nicht nur geklebt, sondern auch mit Reißzwecken angepinnt waren.

Beim Versand der Wahlbenachrichtigungen passierte ein Fauxpas: 22 Bürger wurden vom EDV-Dienstleister Ekom 21 doppelt bedacht. Das Wählerverzeichnis, das im Wahllokal akribisch geführt wird, verhindert jedoch, dass jemand mit zwei Benachrichtigungen auch zweimal seine Stimme abgeben kann. „Große Wahlen, kleine Probleme“, konstatierte Wahlleiter Carsten Weise. „Deswegen wird es keine zweite Wahl geben.“

Im Internet sind die Ergebnisse der Bürgermeisterwahl zeitnah unter www.wahlen-langen.de abrufbar.

FRIEDER GEBHARDT

Amtsinhaber (64) SPD: „Ich habe das Amt in einer schwierigen Phase übernommen. Mittlerweile ist die Stadt aber auf gutem Kurs. Der dramatische Einnahmeneinbruch liegt weniger an der Abwanderung von Unternehmen, sondern daran, dass wir in einer Wirtschaftskrise sind. In der Nahversorgung wird Langen mit dem Fachmarktzentrum Pittlerstraße und den geplanten Quartierszentren aufgewertet. Nach Prognosen werden allein durch das Fachmarktzentrum rund 18 Millionen Euro an Kaufkraft zurückgewonnen. Im kulturellen Bereich ist Langen gut aufgestellt, aus der ganzen Region kommen Leute zu Veranstaltungen zu uns. Die Einführung eines Jugendparlaments befürworte ich, Jugendliche sollten früh demokratische Entscheidungswege einüben.“ (som)

STEFAN LÖBIG

Kandidat der Grünen (50): „Mir wäre es wichtig, dass sich standorttreue mittelständische Unternehmen in Langen ansiedeln. Freilich sind auch große Konzerne willkommen, doch dafür müssten wir hier erst die richtigen Voraussetzungen schaffen: In Neurott etwa gibt es noch massive Probleme mit der Breitbandversorgung. Von weiteren Steuern als Einnahmequelle wie der andernorts diskutierten Pferdesteuer halte ich nichts. Wir müssen den Sparkurs weiterführen, aber darauf achten, dass wir uns nicht kaputt sparen. Es muss in Langen bezahlbaren, aber auch hochwertigen Wohnraum geben. Als Bürgermeister würde ich mich dafür einsetzen, dass es zu keiner weiteren Auskiesung und Fällung des Bannwaldes kommt.“ (som)

HEINZ-GEORG SEHRING

Kandidat der FWG-NEV (61): „Wir müssen die Neuverschuldung stoppen und gleichzeitig versuchen, die Leistungen beizubehalten. Das geht nur durch die Neuansiedlung von Gewerbe. Langen hat da großes Potenzial auf seinen Flächen. Allerdings muss der Internetzugang für Firmen verbessert werden. Unbedingt müssten wir den Hebesatz der Gewerbesteuer senken. Wir geraten an die Grenze von Sporthallenkapazitäten und Fußballfeldern, da muss sich die Stadt Gedanken machen. Kulturell und in der Jugendarbeit sehe ich Langen gut aufgestellt. Anstelle eines Jugendparlamentes würde ich gerne andere Wege der Partizipation aufzeigen – etwa, dass in Schulen kommunalpolitische Themen erörtert werden. (som)

JAN WERNER

Parteiloser Kandidat (36): „Als Bürgermeister würde ich mich um die Neuansiedlung von Gewerbe kümmern, denn nur durch Erhöhung der Einwohnerzahl können wir die Schulden nicht abbauen. Dazu müssen wir auch die obere Bahnstraße beleben: Wenn Pläne für eine Fußgängerzone in der Schublade sind, dann sollte man sie nicht drinnen lassen. Wir werden auch eine neue Sporthalle benötigen; von den erwarteten 4000 neuen Einwohnern werden wohl 1000 Sport treiben wollen. Ich bin gegen ein Jugendparlament: Der Nachwuchs soll sich in Parteien oder Wählervereinigungen einbringen. Es ist wichtig, dass wir im Stadtparlament Jugendliche haben und diese nicht in ein anderes Parlament auslagern.“ (som)

HOLGER KINTSCHER

Parteiloser Kandidat (55): „Um die Einnahmen zu erhöhen, müssen wir zahlendes Gewerbe ansiedeln. Gerade im oberen Teil der Bahnstraße ist mit Wettbüros oder Nagelstudios nicht das richtige Gewerbe vorhanden. Wir müssen aufhören, unsere Gebiete zu verramschen. Bei weiteren Steuern als Einnahmequelle muss unbedingt zuerst der Nutzen geprüft werden: Bei der Gewerbesteuer A in Langen oder der Dietzenbacher Sexsteuer ist der Verwaltungsaufwand größer als der Nutzen. Vereinsmäßig, von der Jugendarbeit her und kulturell sehe ich Langen gut aufgestellt. Wer etwas verbessern möchte, muss sich einbringen, das gilt für alle Generationen. Jugendliche müssen wir möglichst früh an die Partizipation heranführen.“ (som)

UWE LANGEN

Parteiloser Kandidat (53): „Langen benötigt ein Stadtmarketing, eine Zusammenarbeit von Wirtschaftsförderung, Einzelhändlern und Gewerbeverein, damit nicht wie bisher die Kaufkraft aus der Stadt abfließt. Wir benötigen deshalb attraktive Einzelhandelsangebote. Nur durch Gewerbeansiedlungen und durch mehr Einwohner können wir Schulden abbauen. Durch den demographischen Wandel müssen wir auch die städtische Infrastruktur auf die Bedürfnisse der älteren Generation ausrichten. Die Jugend kann sich in Vereinen einbringen; solches Engagement birgt vielfältige Möglichkeiten, kommunal Einfluss zu nehmen. Ein Jugendparlament könnte wie eine Schule für das Demokratieverständnis wirken.“ (som)

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