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Jan Werner freut sich über seinen Wahlsieg.

Bürgermeister-Stichwahl

Unerwartet deutlicher Wahlsieg in Langen

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Unabhängiger Bewerber um das Amt des Bürgermeisters Jan Werner hängt amtierenden Ersten Stadtrat ab. Nur 40 Prozent der Bürger setzten ihr Kreuz auf dem Wahlzettel.

  • Jan Werner ist neuer Bürgermeister von Langen
  • Er setzt sich gegen Stefan Löbig von den Grünen durch
  • Die Stichwahl am Sonntag (15.03.2020) gewinnt er überraschen deutlich

Langen - Der neue Bürgermeister von Langen heißt Jan Werner. Der 43-Jährige, der als unabhängiger Einzelbewerber antrat, siegte in der gestrigen Stichwahl überraschend deutlich mit 58,85 Prozent. Der unterlegene Erste Stadtrat Stefan Löbig (Grüne) konnte keinen einzigen Wahlbezirk gewinnen.

Viele hatten für die Stichwahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet. Schon der erste Wahlbezirk verhieß für Löbig nichts Gutes. Um 18.18 Uhr wurde auf der städtischen Homepage 39,34 Prozent für Löbig und 60,66 für Werner veröffentlicht. „Steinberg ist ein konservativer Wahlbezirk“ trösteten sich der 56-Jährige und sein Gefolge im Wahlkreisbüro der grünen Abgeordneten Katy Walther da noch. „Das sind nur doch nur 400 ausgezählte Stimmen“, hieß es.

Langen: CDU-Mann liegt bei Bürgermeisterwahl schon früh vorne

Doch schon mit dem zweiten Wahlbezirk wurde es deutlicher, wie die Wahl ausgehen wird. Im Pittler Berufszentrum kam Löbig nur auf 39,97 Prozent, Werner auf 60,03 Prozent. Im Laufe des Abends lag der CDU-Mann, der bei der Bürgermeisterwahl als unabhängiger Kandidat angetreten war, stets mit mindestens 15 Prozent vorne und konnte schließlich sämtliche Wahlbezirke gewinnen.

Die Stadt Langen

Gut 39 000 Einwohnerzählt Langen aktuell. Rund 27 760 von ihnen waren am gestrigen Sonntag zur Stimmabgabe in den Wahllokalen aufgerufen.

Im Stadtparlamentgibt es wechselnde Mehrheiten. Die CDU stellt mit 13 Mitgliedern die größte Fraktion, gefolgt von der SPD mit zehn Abgeordneten. Die Grünen sind drittstärkste Kraft mit acht Parlamentariern.

Als Stadtoberhauptfungiert aktuell noch Frieder Gebhardt (SPD). Der 70-Jährige wurde 2008 ins Amt gewählt, siegte bei der vergangenen Bürgermeisterwahl in der Stichwahl hauchdünn gegen Jan Werner und trat nun nach zwei Wahlperioden nicht mehr an. Seine Amtszeit endet am 30. Juni.

Insgesamtgab es sechs Bewerber für das Bürgermeisteramt. ann

Der 43-Jährige hatte seine Wahlparty in der TV-Gaststätte kurzfristig abgesagt. An der Eingangstür hing ein Zettel, dass „aufgrund der aktuellen Lage um das Coronavirus“ keine zentrale Versammlung des Kandidaten stattfindet. Mit etwa zehn Getreuen verfolgte er den Wahlausgang per Internet im JU-Heim.

Langens neuer Bürgermeister: „Habe nicht mit dieser Deutlichkeit gerechnet“

„Ich habe selbst nicht mit dieser Deutlichkeit gerechnet“, sagte Werner nach seinem Wahlsieg. Das freue ihn umso mehr, als die Wahlbeteiligung trotz Corona fast so hoch war wie in der ersten Runde vor zwei Wochen. Damals gingen 44,96 Prozent zur Wahl, diesmal setzten 40,27 Prozent ihr Kreuzchen auf den Wahlzettel. Er habe das bessere Wahlprogramm gehabt, diagnostizierte er in einem ersten Statement, und sei von allen Schichten der Gesellschaft gewählt worden.

„Schade“, meinte ein sichtlich niedergeschlagener Stefan Löbig, der die Wahlbeteiligung als zu niedrig einstufte. Werner habe mehr Manpower gehabt, sein Wahlkampfteam sei größer gewesen. Zahlreiche SPD-Wähler wären gestern wohl nicht zur Wahl gegangen, vermutete er, weil SPD-Kandidatin Angela Kasikci schon in der ersten Wahlrunde rausflog.

Langen: Schmutzkampagne vor Bürgermeister-Stichwahl

Heute Abend sitze man in der Fraktion zusammen und analysiere die Stichwahl. Ob er nun erneut als Erster Stadtrat kandidiert, ließ Löbig gestern noch offen. „Ich schlafe heute Nacht erst noch drüber.“ Die Wahl soll am Donnerstagabend in der Stadtverordnetenversammlung stattfinden. „Bisher ist die Sitzung trotz Corona noch geplant“, sagte er.

Gegen den Ersten Stadtrat war im Vorfeld der Bürgermeister-Stichwahl eine Schmutzkampagne angezettelt worden: Am Samstag tauchten in der ganzen Stadt Flyer vor Supermärkten und Kirchen, auf denen er anonym für unpopuläre Entscheidungen der vergangenen Jahre verantwortlich gemacht wurde – zum Beispiel die Erhöhung der Grundsteuer oder das Vergabeverfahren bei der Kinderbetreuung. „Machen wir den Bock zum Gärtner?“, wurde auf den weißen, Maschinen geschrieben Zetteln gefragt. die Wahlkreisabgeordnete Katy Walther war entrüstet: „Die Entscheidungen hat nicht er allein, sondern die gesamte Stadtverordnetenversammlung getroffen.“ Und der grüne Stadtverordnete Olaf Herrmann diagnostizierte: „Das ist Verleumdung, deshalb steht kein Absender drauf.“

Von Annette Schlegl

Auch in Schwalbach wurde am Sonntag (15.03.2020) ein neuer Rathauschef gewählt: Wahlbeteiligung bei der Bürgermeister-Stichwahl war hier überraschend hoch.

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