Die Kosten für die Erschließung des Baugebiets Liebigstraße-Nord gehen nach Meinung eines Grundstückseigentümers durch die Decke.
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Die Kosten für die Erschließung des Baugebiets Liebigstraße-Nord gehen nach Meinung eines Grundstückseigentümers durch die Decke.

Langen

Teure Erschließung im Langener Baugebiet

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Ein Grundstückseigentümer im Langener Baugebiet Liebigstraße-Nord ärgert sich: Die Erschließungskosten sind plötzlich um 30 Prozent gestiegen.

Erschließungskosten, die ohnehin schon hoch angesetzt waren und jetzt auch noch um 30 Prozent gestiegen sind: Das bringt Matthias Hochenauer und seine Schwester Birgit Fleischhauer aus Langen auf die Palme. Ihnen gehört je ein Grundstück im Langener Baugebiet Liebigstraße-Nord. Statt den bisher stets kommunizierten 150 Euro pro Quadratmeter sollen sie jetzt 196 Euro für die Erschließung bezahlen. Der von der Stadt Langen beauftragte Erschließungsträger Bonava rechtfertigt den Preis mit unvorhergesehenen zusätzlichen Kosten.

Schon 150 Euro pro Quadratmeter seien „ein ambitionierter Preis“, meint Hochenauer. Im Umkreis hätten andere Erschließungsträger nämlich Kosten von 60 bis 100 Euro pro Quadratmeter aufgerufen – zum Beispiel im vergleichbaren Langener Baugebiet Belzborn.

Jahrelang habe der Projektentwickler Bonava, der in Fürstenwalde sitzt, von rund 150 Euro pro Quadratmeter für die Erschließung im Wohngebiet Liebigstraße-Nord gesprochen. Im September 2016 sei den Grundstückseigentümern auf einer öffentlichen Veranstaltung der Stadt zusammen mit Bonava dieser Preis sowie höchstens zehn Prozent Kostensteigerung präsentiert worden. „Das stand auf Folien, die dann gedruckt ausgehändigt wurden“, sagt Hochenauer. Zuletzt seien diese Zahlen bei Überlassung der Kostenerstattungsvereinbarung im Sommer 2018 versichert worden – „und blieben bis Ende 2019 unwidersprochen“.

Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht

Mit den jetzt genannten Erschließungskosten von 196 Euro pro Quadratmeter sei das Ende der Fahnenstange für die Grundstückseigentümer noch gar nicht erreicht. „Die Kosten der Stadtwerke für die Hausanschlüsse kommen in jedem Fall noch obendrauf.“

Beim Unternehmen Bonava bedauert man, dass der Kostenansatz für die Erschließung des Baugebiets nicht habe gehalten werden können. Grund für die Verteuerung seien „nachträgliche technische und ökologische Notwendigkeiten“ beispielsweise beim Lärmschutz und bei der Entwässerung des Areals. Diese seien zu Beginn der Projektentwicklung nicht absehbar gewesen und hätten sich erst im Verfahren durch Gutachten ergeben.

Darüber hinaus habe man auf dem Areal unerwartet umfangreiche Mengen an wild und illegal abgelagertem sowie vergrabenem Müll beseitigen müssen, teilt Bonava mit. Auch Problemmüll habe ordnungsgemäß sowie kostenpflichtig entsorgt werden müssen. „Leider entstehen dafür nach wie vor jeden Monat erhebliche Kosten“, heißt es in einer Stellungnahme.

Hochenauer ist mit seiner Kritik aber noch nicht am Ende. Er sieht es auch als bedenklich an, dass es ohne Unterzeichnung des Erschließungsvertrags mit dem Unternehmen nicht zu einer Grundstückszuteilung durch die Stadt kommt. Dieser „Koppelvertrag“ ist ihm ein Dorn im Auge. „Man wird zum Vertragsabschluss mit einem Privaten genötigt, weil sonst hoheitliches Handeln ausbleibt.“ Das sei rechtlich grenzwertig. Er hat den Erschließungsvertrag bis dato nicht unterschrieben, seine Schwester hat widersprochen.

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