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Spannendes Spielen: Sophie mit der Therapeutin Angelika Twardella auf dem neuen Areal.

Langen

Raum zum Fühlen

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Ein neues Therapiegelände in der Langener Moselstraße soll es Autisten ermöglichen, ohne Angst zu spielen und sinnliche Erfahrungen zu machen - es ist die erste Einrichtung dieser Art im Kreis.

Autistische Kinder spielen anders. Vorsichtiger, ängstlicher vor schnellen Bewegungen anderer Kinder, „und sie merken, dass sie mit anderen nicht in Kontakt und nicht ins Spiel kommen“, sagt Irmgard Döringer, Leiterin des Autismus-Therapieinstituts in Langen. Deshalb gingen Kinder mit Autismus nicht gerne auf öffentliche Spielplätze.

Um ihnen und Kindern mit anderen Behinderungen trotzdem Raum zum Spielen, Bewegen und Entdecken zu geben, hat das Institut jetzt gemeinsam mit der Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Offenbach und der Stadt Langen ein Freigelände so gestaltet, dass es den Erfordernissen von Menschen mit Autismus und anderen Behinderungen gerecht wird.

Sowohl für Therapie als auch Freizeitgestaltung ist das rund 1000 Quadratmeter große Areal an der Moselstraße eingerichtet, das am kommenden Samstag, 28. August, offiziell seiner Bestimmung übergeben wird.

Kletter- und Balanciergeräte gibt es hier, Ecken zum Matschen und zum Fühlen, Kräuter zum Riechen und zum Schmecken. Kinder und Erwachsene sollen hier im geschützten Rahmen des nicht frei zugänglichen Geländes die Möglichkeit haben, Erfahrungen mit allen Sinnen zu machen.

120.000 Euro hat die Einrichtung des barrierefrei angelegten Areals gekostet, die Gestaltung stimmten Mitarbeiter des Ambulanten Dienstes in Langen und des Therapieinstituts mit einem Architekten ab. Finanziert wurde das Vorhaben zu zwei Dritteln über die Stadt Langen und das Land Hessen im Rahmen des Projekts Soziale Stadt Nordend. Das letzte Drittel – rund 40.000 Euro – brachte der Verein Behindertenhilfe vor allem durch Spenden auf.

Das Autismus-Therapieinstitut ist eine seit 1977 bestehende ambulante Therapie- und Beratungsstelle mit überregionalem Einzugsbereich. Die Trägerschaft hat seit sieben Jahren der Verein Behindertenhilfe. Das an das Institut angrenzende Therapiegelände wurde vorher vom Besitzer, den Stadtwerken Langen, als Materiallager genutzt und ist jetzt gepachtet.

Dieses Angebot sei das einzige seiner Art im gesamten Kreis Offenbach, sagt Carsten Müller, Erster Vorsitzender des Vereins Behindertenhilfe und Kreisbeigeordneter. Es sei eine große Schwierigkeit, passgenaue Angebote für Menschen mit Autismus zu schaffen.

Für Eltern sei die Einrichtung ein wichtiges Signal, dass hier für ihre Kinder etwas getan werde. „Viele versuchen in Eigenregie und oft bis an die Belastungsgrenze, mit der Behinderung ihres Kinder fertig zu werden.“ Geplant sei neben dem Therapieangebot auch das integrative Spielen mit Kindern aus dem angrenzenden Nordend, berichten Döringer und Müller. Das Zusammenleben mit Behinderten sei momentan in der gesamtpolitischen Diskussion ein wichtiger Aspekt.

Das Freigelände Moselstraße soll zunächst für das Institut, die Ambulanten Dienste und zu bestimmten Zeiten auch für Kinder aus der Nachbarschaft zum gemeinsamen Spielen mit behinderten Kindern zur Verfügung stehen. Für weitere Gruppen, etwa für Eltern mit behinderten Kindern, ist das Areal auf Anfrage nutzbar. Die Koordination läuft über das Stadtteilbüro, Telefon 06103/202984.

www.autismus-langen.de

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