Langen Tempolimit

Rasen bleibt erlaubt

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Der scheidende hessische Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) lässt die Stadt Langen ein letztes Mal abblitzen. Er ist nicht bereit, auf der Nordumgehung wieder Tempo 70 einzuführen.

Mit hundert Sachen an Langen vorbeibrausen, das geht dank des scheidenden Verkehrsministers Florian Rentsch (FDP) auf der B 486, der Nordumgehung, auch weiterhin. Rentsch hat nun in einem Schreiben an Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD) klargestellt, dass das hessische Verkehrsministerium nicht dazu bereit ist, auf der Nordumgehung wieder Tempo 70 einzuführen.

Dort und auf der Kreisstraße 168 zwischen Langen und Egelsbach hatte der Kreis Offenbach im Oktober vergangenen Jahres in einer Nacht-und-Nebel-Aktion viele Tempolimit-Schilder abmontiert oder die Geschwindigkeitsbegrenzung hochgesetzt. In Langen löste das große Empörung und Fassungslosigkeit aus. Die Stadtverordnetenversammlung forderte den Magistrat auf, die alten Geschwindigkeitsbeschränkungen wiederherzustellen. Bürgermeister Gebhardt schrieb mehrere Briefe an den Landkreis, das Regierungspräsidium Darmstadt und das Land Hessen. „Ich finde, auf der Nordumgehung ist Tempo 100 einfach zu schnell“, sagt Gebhardt. Doch bei Rentsch biss er offensichtlich auf Granit.

Besonders verärgert ist Gebhardt über den lapidaren Ton der Antwortschreiben. Nichtssagend seien diese Stellungnahmen gewesen, sagt Gebhardt. „Alle untergeordneten Stellen haben nur kurz geantwortet. Die Antwort von Verkehrsminister Rentsch kam erst vor einigen Tagen.“

Der Liberale schreibt darin an Gebhardt, er sehe keinen Grund, die Geschwindigkeitsbeschränkungen wieder einzuführen. Die eigene Verantwortung des Autofahrers müsse gestärkt werden. Schließlich, meint Rentsch, gehe die Straßenverkehrsordnung von dem Grundsatz aus, dass die Verkehrsteilnehmer „anhand der Charakteristik einer Straße intuitiv eine angemessene Geschwindigkeit“ wählen würden.

Tempolimit nur nach Unfällen

Rentsch schreibt dem Langener Bürgermeister weiter, ein Tempolimit komme nur bei einer Häufung von geschwindigkeitsbedingten Unfällen in Betracht, die nicht auf eine Missachtung der allgemeinen oder örtlichen Geschwindigkeitsbeschränkung zurückzuführen seien.

Gebhardt interpretiert das so, dass Tempo 70 demnach erst wieder möglich wäre, wenn sich mehrere Unfälle ereignet haben, bei denen die Autofahrer schneller als 70, aber langsamer als 100 Kilometer pro Stunde fuhren. „Der Preis, den der hessische Verkehrsminister verlangt, ist mir zu hoch“, stellt der Langener Rathauschef fest.

Den kann man in Blechschäden oder schlimmstenfalls in Menschenleben rechnen, aber auch ganz nüchtern in klingender Münze, wie das Fachbereichsleiter Carsten Weise versucht. Die Nordumgehung sei nie auf so hohe Geschwindigkeiten ausgelegt gewesen, sagt er. „Das heißt, dass die Beschleunigungsstreifen zu kurz sind und verlängert werden müssten. Auch die Lärmschutzwälle wären drei Meter zu niedrig.“ Bezahlen müsste das die hochverschuldete Stadt.

Langen prüfe, ob die Stadt klagen solle, sagt Gebhardt. Die Gemeinde Egelsbach habe ihre Unterstützung schon zugesagt. Aber möglicherweise ist das gar nicht mehr nötig. Neuer Verkehrsminister soll Tarek Al-Wazir werden. Womöglich hat er mehr Verständnis für die Langener Forderungen.

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