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Wo im Wald von Nieder-Roden tote Fichten standen, pflanzt Förster Stefan Horvath Edelkastanien.

Stadt und Kreis Offenbach

Offenbach: Die neuen Bäumchen dürsten

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Das Forstamt Langen forstet nach den Orkanschäden wieder auf - und wartet dringend auf Regen.

In den Wäldern im Kreis Offenbach ist es derzeit ungewöhnlich still - kaum ein Flugzeug startet oder landet noch am Frankfurter Flughafen. Gleichzeitig ist hier ungewöhnlich viel los, wie Dieter Hanke vom Forstamt Langen berichtet. „Gefühlt haben wir grade mindestens doppelt so viele Besucher hier im Wald“, sagt er. Viele Menschen drängt es offenbar aus der heimischen Isolation in die Natur, sie gehen joggen, wandern, picknicken oder spielen sogar Fußball auf den Wegen. „Aber das stört uns nicht, solange die Leute keinen Müll zurücklassen. Man sieht grade viele unbekannte Gesichter“, sagt er.

Wiederaufforstung

Am 18. August 2019 wütete rund um Langen und Egelsbach ein schwerer Sturm, der auch viel Wald zerstörte. Etwa 100 000 Festmeter Holz fielen allein dabei an - das dürfte ganz grob in etwa auch der Zahl der umgestürzten Bäume entsprechen.

Das Forstamt Langen, das in Stadt und Kreis Offenbach etwa 17000 Hektar staatliche und kommunale Wälder betreut, pflanzte seither auf den zerstörten Flächen 4000 junge Bäumchen, 3500 Eichen und 500 Elsbeeren. Die großen, seltenen Laubbäume sind eng mit dem Speierling und der Vogelbeere verwandt und gelten als relativ robust gegen Hitze und Trockenheit. Ihre Früchte sind essbar, das Holz ist sehr hart. aph

Während sich die Besucher über das sonnige Wetter freuen, wünschen sich die Forstleute, die für das Land Hessen fast alle Waldflächen in Stadt und Kreis Offenbach betreuen, nichts sehnlicher als Regen. Denn die Förster haben in den letzten Wochen einige tausend Bäumchen gepflanzt, um die enormen Schäden auszugleichen, die ein schwerer Sturm im vergangenen August hier verursachte. Gießen könne man die Setzlinge nicht, sagt Hanke. Das sei weder technisch möglich noch finanzierbar. „Wenn wir jetzt schon gießen müssten, damit die Bäume anwachsen, wie sollte es denn dann weitergehen“, sagt Hanke. Noch immer wird rund um Rodgau und Dietzenbach aufgeräumt, werden umgestürzte Bäume entfernt.

Vor allem Hitze und Trockenheit in den beiden vergangenen extrem heißen Sommern haben dem Wald im Kreis Offenbach schwer geschadet, wie Hanke berichtet. Revierförster Tuomas Koski weist auch darauf hin, dass für junge Bäumchen vor allem auch der Wildverbiss eine große Gefahr darstellt. Das hessische Umweltministerium habe deshalb die Jagdzeiten für Rehe, Rot-und Damhirsche sowie Mufflons auf den 1. April vorgezogen. Glücklicherweise gibt es im Bereich des Forstamts Langen nur noch wenige besonders anfällige Monokulturen. „Das Land Hessen setzt seit mehr als 30 Jahren auf naturnahen Waldbau. Das war bisher eine gute Strategie“, meint Hanke. Viele der großen Eichen, die den Wald prägen, sind in der Zeit Napoleons angepflanzt worden. Wer beim Spazierengehen aufmerksam ist, der sieht viele absterbende Bäume. Dabei entferne das Forstamt entlang der Wege aus Sicherheitsgründen tote Bäume, sagt Hanke. 

„20 Prozent Schäden in den vergangenen beiden Jahren, das ist schon beängstigend. An einigen Stellen löst sich der Wald flächendeckend auf. Das wird grade zwar von Corona überschattet, aber wenn solche Wetterlagen bis Ende Mai anhalten, dann wächst da gar nichts mehr.“Die kleinen Eichen, die das Forstamt jetzt auf einigen der Windbruchflächen gepflanzt hat und die so dringend Regen bräuchten, stammen aus der staatlichen Baumschule in Hanau-Wolfgang. Forstamtsleiter Roland Piper hofft, dass sie die Herausforderungen des Klimawandels meistern. 200 Jahre sind für eine Eiche ja keine Zeit.

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