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Das Museum öffnet wieder

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Von: Andreas Hartmann

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Jörg Füllgrabe betreut das Museum von September an.
Jörg Füllgrabe betreut das Museum von September an. © Rolf Oeser

Seit Januar ist das Alte Rathaus in Langen geschlossen. Doch dank des Historikers und Germanisten Jörg Füllgrabe gibt es für das Heimatmuseum wieder einen Funken Hoffnung.

Das Alte Amtsgericht ist ein Prunkstück: Schöne denkmalgeschützte Bausubstanz, beste Lage am Wilhelm-Leuschner-Platz in der historischen Stadtmitte, mit prachtvollen Räumen zum Heiraten und einer heimatgeschichtlichen Sammlung, die Kurioses wie ein handgeschmiedetes Dreirad und Wertvolles wie die Sammlung von Gemälden des 1938 verstorbenen Malers Hermann Bahner umfasst.

Doch leider ist das Stadtmuseum seit Anfang des Jahres geschlossen. Dabei war das Gebäude erst im Sommer 2010 aufwendig behindertengerecht umgebaut worden und hatte einen Anbau sowie ein neues Foyer erhalten. Rund 450.000 Euro kostete das damals.

Museen sind überall landauf, landab ein Zuschussbetrieb: Das Eintrittsgeld von einem Euro ins Alte Rathaus deckte auch hier nur einen winzigen Bruchteil der Unterhaltskosten. Im Haushaltssicherungskonzept der hochverschuldeten Stadt sind nach der Pensionierung von Stadtarchivar Herbert Bauch die Haushaltsmittel für den regelmäßigen Betrieb gestrichen und dauerhaft eingespart worden.

Regelmäßiger Betrieb eingestellt

Jetzt gibt es doch wieder ein Fünkchen Hoffnung. Künftig ist die Volkshochschule Langen für das Stadtmuseum zuständig, die Honorarkräfte beschäftigen und Vorträge organisieren wird. Von 1. September an kümmert sich der aus Langen stammende promovierte Historiker und Germanist Jörg Füllgrabe im VHS-Auftrag um die Sammlung. Einmal im Monat und auf Anfrage soll die heimatgeschichtliche Sammlung dann wieder zugänglich sein.

„Herr Füllgrabe ist ein Kenner der Langener Geschichte“, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD). „Wir sind froh, dass wir ihn für das Stadtmuseum gewinnen konnten.“ Der Wissenschaftler hat Lehraufträge an der Uni Frankfurt und der Hochschule Darmstadt, er hat auch bereits einen Teil der jetzigen Dauerausstellung konzipiert. Diese entstand ursprünglich im Jahr 2000 zur 400-Jahr-Feier des Verkaufs des Ortes Langen an Hessen-Darmstadt.

Füllgrabe wird wohl eine „eierlegende Wollmilchsau“ sein müssen, wie er selbst sagt: Er soll sich um die Sammlung und ihre Präsentation kümmern, soll Interessierte führen und regelmäßige Öffnungszeiten organisieren. „Ich würde gerne wieder verstärkt Grundschulklassen und ihre Lehrer ansprechen, denn das Museum erzählt Geschichte viel lebendiger, als es Bücher tun, vielleicht nicht grade zum Anfassen, aber doch zum Erleben“, sagt Füllgrabe. Ein Kaufladen zeigt hier die Warenwelt vor der Supermarkt-Kühltheke, eine Amtsstube ein Leben ohne Computer und Telefon, ein Gastwirtschaftsraum die Zeit ohne Mixgetränke aus der Plastikflasche.

Inventarisierungsarbeiten werden in seinen Bereich fallen. Vermutlich sitzt der 53-Jährige dann auch selbst an der Kasse, führt und beaufsichtigt die Besucher. Füllgrabe erhält dafür einen Werkvertrag mit 40 Stunden im Monat.

Viel Zeit, um die klassischen Aufgaben eines Museumsleiters zu übernehmen, also Sonderausstellungen zu organisieren, Neuzugänge zu inventarisieren, Sponsoren zu finden oder einen Unterstützerverein aufzubauen, dürfte da kaum bleiben.

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