Andrang

Waldsee Langen: Lange Schlangen in der Corona-Hitze empören Gäste

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Am Freitag und Samstag bildeten sich an der Kasse des Langener Waldsees lange Schlangen. Der frühe samstägliche Andrang kam dabei fürs Bäderteam überraschend.

  • Langener Waldsee: Lange Warteschlangen empören Gäste
  • Schließung wegen Überfüllung des Langener Waldsees
  • Bußgeld und kaputte Schranken auf Waldwegen am Langener Waldsee

Langen - Die Sahara-Temperaturen am Freitag und Samstag haben die Menschen auf der Suche nach Abkühlung von der Hitze an die Badeseen getrieben – und am Langener Waldsee erneut für Probleme gesorgt. Am Samstag standen die Besucher schon vormittags weit mehr als eine Stunde in einer Hunderte Meter langen Warteschlange vor den Kassen. Am Freitagnachmittag hatten Berufstätige, die nach der Arbeit im Langener Waldsee schwimmen gehen wollten, das Nachsehen. Kurz nach 17 Uhr wurde das Strandbad geschlossen, „obwohl zur selben Zeit mindestens 80 Personen das Bad verließen“, schimpfte ein Badewilliger, der nach rund 40-minütiger Wartezeit in sengender Sonne kurz vor dem Eintritt abgewiesen wurde.

Wer am Samstag zum Langener Waldsee wollte, musste schon am Vormittag in einer Hunderte Meter langen Schlange anstehen. andreas hartmann

Waldsee Langen: Hitze und lange Schlangen empören Besucher

„Viele Menschen empfanden das als Willkür“, sagte der Betroffene der FR. Auch auf der städtischen Website sei nicht mitgeteilt worden, dass das Seebad vorzeitig schließt. Dass sogar Behinderte bei den glühenden Temperaturen abgewiesen wurden, wiege besonders schwer.

Die Situation an anderen Seen

Im Strandbad Spessartblick (Großkrotzenburger See) gibt es wie am Langener Waldsee kein Online-Reservierungssystem. Dort wurde am Freitag und Samstag die maximale Besucherzahl von 5000 Badegästen nicht ganz erreicht. Die Autoschlangen bis zur Einfahrt zum See waren nach den Berichten von Badegästen lang, die Parkplatzeinweiser hatten alle Hände voll zu tun. Am Freitag von 14 bis 18 Uhr und am Samstag von 12 bis 18 Uhr wurde ein Einlassstopp verhängt, weil die Parkmöglichkeiten erschöpft waren.

Am Badesee Rodgau hat die Stadt Ein- und Ausgang wieder getrennt, der Zutritt zum See erfolgt jetzt wieder an alter Stelle. Drängelgitter kanalisieren die Warteschlangen schon im Vorgriff. Am Freitag zählte man insgesamt 4400 Besucher, am Samstag 4600. Trotz des großen Andrangs gelang die Abwicklung sehr zügig, weil fast alle Badegäste ihre Tickets vorab online geordert hatten. Zwei Sicherheitsmitarbeiter scannten die Tickets.

Im Pinta Beach (Raunheimer Waldsee) sind nur Online-Reservierungen möglich. Die Besucher müssen sich für einen von zwei Slots entscheiden: von 8 bis 14 Uhr oder von 15 bis 20 Uhr. Von Mittwoch bis Sonntag war das Bad mit dem großen Aquafunpark in jedem Slot mit 2000 Besuchern komplett ausgebucht. Die Besucher fanden auf der Homepage und in den sozialen Medien entsprechende Hinweise. Da sechs Kassen geöffnet waren, gab es laut Badleitung keine Staus. Auch fürs kommende Wochenende ist das Bad schon wieder so gut wie ausgebucht. ann

Hitze und hohe Besucherzahlen: Sperre am Waldsee Langen

„Die Entscheidung, niemanden mehr hineinzulassen, trifft der Badleiter mit Blick auf die Besucherzahl, die Sicherheits- und die Hygieneaspekte“, sagt Joachim Kolbe, Geschäftsführer der Bäder- und Hallenmanagement GmbH (BaHaMa). Wenn es im Bad beispielsweise „unruhig“ werde oder es „Problemgruppen“ gebe, die gerade mehr Aufmerksamkeit verlangten, lasse man eben keine 5000 Besucher in den Langener Waldsee ein. Es sei auch kein böser Wille gewesen, dass Behinderte außen vor blieben. „Wir wissen nicht, wer in der Warteschlange steht, wir kontrollieren keine Ausweise“, sagt Kolbe. Im Übrigen erlaube der Gleichheitsgrundsatz keine Ausnahmen.

Die riesigen Warteschlangen am Samstagvormittag waren laut Kolbe auf einen „Planungsfehler“ zurückzuführen. Von 8 bis 10 Uhr habe man nur eine Kasse am Langener Waldsee besetzt – „weil die Besucher erfahrungsgemäß samstags zunächst einkaufen und dann erst gegen 10 oder 11 Uhr an den See gehen“. Das war aber ein Trugschluss. „Zukünftig werden wir samstags schon morgens beide Kassen besetzen“, verspricht Kolbe. An einer Kasse werden die Autofahrer eingelassen, an der anderen die Fußgänger. „Wir haben nur zwei coronakonforme Kassen. Das sind aber keine, an denen man zu beiden Seiten kassieren kann“, sagt er. In den vergangenen Jahren habe ein Mitarbeiter zwischen den Autos gestanden und kassiert; das sei jetzt nicht mehr möglich. Auch ein Onlineticketsystem sei keine Lösung, weil sonst in den Autoschlangen aussortiert werden müsse, wer bereits ein Ticket hat und wer nicht. „Das gäbe viel mehr Diskussionen.“

Waldsee Langen: Bußgeld und kaputte Schranken auf Waldwegen

Gegen 12 Uhr waren am Samstag alle Parkplätze belegt. Die Einfahrt zum Langener Waldsee wurde gesperrt, Autofahrer stellten ihre Fahrzeuge daraufhin an der Bundesstraße 44 und im Wald ab und kassierten wieder Bußgeld – wie schon vor zwei Wochen. „Wir haben die kaputten Schranken unserer umliegenden Waldwege kontrolliert und repariert“, sagt Kolbe. Doch in angrenzenden Waldstücken habe man keine Handhabe, dort hätten die Städte Mörfelden, Neu-Isenburg und Trebur das Sagen.

Am Rodgauer Badesee hat die Stadt übrigens kurzen Prozess gemacht: Sie hat die kleinen Badeinseln im See entfernt, weil sich viele Besucher weder an die Abstandsregeln zum Schutz vor dem Coronavirus hielten noch an die Auflage, sich dort nur kurz auszuruhen. Die Badegäste hätten sowohl Absperrbänder als auch Schilder ignoriert, sagt Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD). Statt der Pontons gibt es jetzt nur noch einen Quadratmeter große Plateaus zum Festhalten. (Von Annette Schlegl)

Rubriklistenbild: © Andreas Hartmann

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