Mit dem Baden ist erst mal Schluss: Das Strandbad Langener Waldsee bleibt geschlossen.
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Das Strandbad Langener Waldsee bleibt geschlossen.

Baden in Rhein-Main

Langener Waldsee bleibt nach chaotischen Zuständen geschlossen

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
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Die Stadt Langen verteidigt ihr Konzept nach der Schließung des Badesees. Ein Online-Ticketsystem sei keine Lösung. Bei anderen Seen in der Region läuft es besser.

  • Stadt Langen hat den Langener Waldsee geschlossen.
  • Der Grund war der große Besucheranfrang und daraus resultierende Waldbrandgefahr.
  • Auch bei anderen Waldseen und Strandbädern in Hessen gibt es Probleme.

Langen - Die Schließung des Strandbads am Langener Waldsee stößt bei vielen Bürgern auf Unverständnis. „Diese Maßnahme ist schlicht eine Kapitulation der Verwaltung“, schreibt eine Nutzerin auf Facebook. „Wenn man den Parkplatz mal als solchen nutzen würde und Tickets online verfügbar wären, wie es in anderen Orten der Fall ist, müsste man nicht schließen“, so eine andere.

Nachdem sich an den vorangegangenen Wochenenden lange Warteschlangen vor dem Langener Waldsee gebildet hatten, war der Parkplatz zuletzt geschlossen worden. Trotzdem seien viele mit dem Auto angereist, wodurch es zu chaotischen Situationen gekommen sei. Weil die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden könne, habe sie das Bad nun geschlossen, teilte die Stadt mit.

Am Langener Waldsee musste man schon in einer Hunderte Meter langen Schlange anstehen.

Langener Waldsee: Stadt musste Strandbad wegen Waldbrandgefahr schließen

„Wir bedauern die Schließung“, sagt Markus Schaible, Pressesprecher der Stadt Langen. Die Schließung des Parkplatzes findet er aber auch im Nachhinein richtig. Damit habe man versucht, die Lage in den Griff zu bekommen. „Es war ein deutliches Signal: Fahrt unter keinen Umständen mit dem Auto hierher.“ Doch einige wenige hätten sich trotzdem unvernünftig verhalten. Der ausschlaggebende Grund für die Schließung sei die Waldbrandgefahr. Am Freitag hatte ein heißer Motor eines illegal im Wald geparkten Autos einen Brand ausgelöst.

Dass ein von vielen Bürgern gefordertes Online-Ticketsystem, Entlastung bringen würde, verneint Schaible. „Es kommen 700 Parkplätze auf 5000 Gäste. Ein Online-Ticketsystem ändert nichts an der Parksituation. Wir sehen ja trotzdem nicht, wo die Menschen parken.“ Auch die Parkplätze der Firma Sehring, die normalerweise zur Verfügung stehen, könne man wegen Corona nicht nutzen, weil deren Überwachung einen „immensen Aufwand“ bedeuten würde. Den Vergleich mit anderen Bädern, bei denen es besser zu funktionieren scheint, findet Schaible unangebracht. Die Waldbrandgefahr und die unübersichtliche Parksituation seien an anderen Seen kein Thema. Auch sei das Einzugsgebiet mit circa einer Stunde am Langener Waldsee deutlich größer.

Walldorfer See hatte gar nicht erst eröffnet

Ob das Strandbad am Langener Waldsee in diesem Jahr noch einmal öffne, stehe noch nicht fest. „Das ist nur dann möglich, wenn sich die grundlegenden Bedingungen ändern“, sagt Schaible. Das generelle Problem der Parksituation werde man nun verschärft angehen.

Der auf der anderen Seite der B44 gelegene Walldorfer See hat in diesem Jahr gar nicht erst eröffnet. „Weil der See seit 2019 nur noch eine frei zugängliche Badestelle hat und nicht mehr von der Stadt betrieben wird, ist kein Personal vor Ort“, sagt Mörfeldens Bürgermeister Thomas Winkler (Grüne). Die Einhaltung der Corona-Regeln zu überwachen sei deshalb nicht praktikabel. „Den See zu öffnen, war uns viel zu heikel“, sagt er. „Wie wir jetzt an der Situation des Langener Waldsees sehen, haben wir vorausschauend, richtig und sicher gehandelt.“

Badeseen in Hessen: Auch an anderen Seen ist die Lage problematisch

In Darmstadt war die Situation an der Grube Prinz von Hessen vergangenes Wochenende problematisch. Der Andrang sei so groß gewesen, dass es praktisch unmöglich wurde, Abstandsregelungen durchzusetzen, sagt die Stadt. Zudem hätten Autos beide Straßenseiten inklusive Rettungs- und Fahrradwege zugeparkt. Die Stadt appelliert, mit dem Rad anzureisen, und will die Kontrollen verstärken. Eine Sperrung des Sees sei derzeit nicht gepant.

Am Erlensee in Bickenbach (Landkreis Darmstadt-Dieburg) zieht die Kommune Konsequenzen aus dem massiven Besucherandrang und sperrt an den kommenden beiden Wochenenden den Parkplatz. Weitere Badeseen kommen besser zurecht: Das Strandbad in Rodgau habe mit seinem Online-Ticketsystem „sehr gute Erfahrungen“ gemacht, berichtet Thomas Dursun, Fachbereichsleiter des Bads. „Dadurch bilden sich keine langen Schlangen, außerdem hinterlegen die Besucher ihre Daten, was eine Nachverfolgung der Kontaktpersonen im Fall einer Corona-Infektion erleichtert.“

Am Rodgauer Strandbads herrscht in manchen Abschnitten große Enge.

Das Strandbad Spessartblick in Großkrotzenburg hat eine Auskunft via Google eingerichtet, die die aktuelle Besucherzahl anzeigt. Auch stünden genügend Parkplätze zur Verfügung, sagt Cihan Virit, stellvertretender Strandbadleiter. Dass sich aufgrund der Schließung des Langener Waldsees die Nachfrage erhöhen wird, erwartet sowohl das Strandbad Spessartblick als auch der Rodgauer Badesee. (Helene Schindler mit cka/jon)

„Auf die chaotischen Zustände der vergangenen Wochenenden zu reagieren, indem der einzige legale Parkplatz gesperrt wird, war unüberlegt“, kommentiert FR-Redakteurin Barbara Haas die Schließung des Langener Waldsees.

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