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Langen: Mehr Kinderarztsitze, aber kaum Verbesserung

  • Annette Schlegl
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Zwei Kinderarztpraxen in Langen bekommen zusätzliche Kapazitäten genehmigt. Ärzte und Patienten profitieren davon aber kaum.

Auf den ersten Blick ist es eine gute Nachricht für alle Eltern in und um Langen: Die beiden Langener Kinderarztpraxen erhalten nach der neuen Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) nun 1,5 Arztsitze mehr, können also mehr junge Patienten aufnehmen. Euphorie sei aber fehl am Platz, meint der Langener Kinderarzt Rüdiger Leinweber, denn die zusätzlich geschaffenen Stellen reichten immer noch nicht aus. Er schätzt, dass er schon in zwei oder drei Monaten in seiner Praxis wieder „den Deckel draufmachen muss“.

Die KV hat für den Kreis Offenbach eineinhalb Kinderarztsitze mehr genehmigt. Da bei dieser Entscheidung Jobsharing-Praxen gegenüber Einzelpraxen bevorzugt wurden, fielen die zusätzlich genehmigten Sitze nach Langen. Dort sitzen nämlich zwei Praxen mit der entsprechenden Arbeitsplatzteilung. Beide Kinderarztpraxen sind schon seit Langem an der Kapazitätsgrenze. „Wir hatten Ärzte angestellt, waren aber im Jobsharing gefangen“, sagt der Mediziner. „Wir durften nicht mehr wachsen, sonst wären wir finanziell abgestraft worden“, sagt Leinweber. Vor allem Dr. Köhler habe immer wieder Honorar zurückzahlen müssen, weil er nur einen Arztsitz, aber nicht genehmigte Mehrarbeit wegen zu vieler Patienten hatte, sagt Leinweber.

Prekäre Lage

In Rodgau gibt es nach dem Tod einer Kinderärztin im August 2019 nur noch eine Kinderarztpraxis. Die KV will ihr jetzt ermöglichen, ihre Kapazitäten zu erhöhen. Die Praxis der verstorbenen Ärztin soll bald wieder besetzt werden.

In Neu-Isenburg wollen drei Kinderärzte, die sich in einer Gemeinschaftspraxis zusammengeschlossen haben, sukzessive in den Ruhestand gehen. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden. ann

Er selbst teilte sich seinen Arztsitz mit einer Kollegin im Jobsharing und nahm nur noch Kinder bis sechs Jahre auf; ältere Kinder mussten einen Hausarzt konsultieren.

In einer Diskussionsrunde mit Entscheidungsträgern aus dem Gesundheitswesen, die der Stadtverordnete und parteilose Bürgermeisterkandidat Joost Reinke initiiert hatte, kam das Dilemma der Langener Kinderärzte im November des Vorjahres zur Sprache. „Reinke hatte ein Thema angesprochen, das virulent war“, sagt Leinweber.

Ende letzten Jahres beantragte er einen zusätzlichen Arztsitz bei der KV. Nun ist ihm ein halber Sitz mehr genehmigt worden. Ein ganzer zusätzlicher Sitz ging an Kinderarzt Dr. Markus Köhler, der in seinen Räumen an der Lutherstraße zwei Ärztinnen angestellt hat. „Das ist zwar besser als nichts, aber Kollegen, die bereit sind, mehr zu arbeiten, bräuchten mehr als das, was sie jetzt zugestanden bekommen haben“, sagt Leinweber. Mit den eineinhalb zusätzlichen Arztsitzen hätte man den beiden Kinderärzten jetzt eigentlich nur das Pensum zugesprochen, das sie mit ihren angestellten Kolleginnen tatsächlich arbeiten. „Jetzt ist quasi das legalisiert worden, was wir schon die ganze Zeit betrieben haben.“

Seine angestellte Ärztin könne jetzt pro Quartal tatsächlich ein paar Stunden aufstocken, sagt Leinweber. Er nimmt nun wieder Kinder und Jugendliche auf, beschränkt sich aber auf unversorgte Patienten – also auf solche Eltern, die bisher keinen Kinderarzt gefunden haben. Da der Kreis Offenbach wächst und überall gebaut wird, könnte es in zwei bis drei Monaten in seiner Praxis schon wieder eng werden – vor allem, wenn sich Familien aus den unterversorgten Nachbarkommunen mit ihren Sprösslingen auf den Weg nach Langen machen. Dr. Köhler nehme keine zusätzlichen Patienten auf, sagt Leinweber. Er sei mit seinen Möglichkeiten eh schon am Limit und werde jetzt einfach nicht mehr abgestraft.

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