+
Johannes Schreiter, hier in seinem Haus in Langen, gilt als der vielleicht bedeutendste Glaskünstler der Gegenwart. 

Kultur

Langen: Glaskünstler Schreiter feiert ein Jubiläum

  • schließen

Der international bekannte Künstler Johannes Schreiter aus dem Kreis Offenbach lebt wird 90 Jahre alt.

Kunst liebt den Glamour. Die Stars der internationalen Szene verdienen Millionen, Museen und Galerien wetteifern um große Ausstellungen, es ist ein gutes Geschäft. Weit abseits vom Kunstrummel lebt im 35 000-Einwohnerstädtchen Langen ein stiller Star, der international einen hervorragenden Namen hat und trotzdem auf dem Markt fast nicht präsent ist.

Freie Glasbilder in den „Glas-Werken“ der Langener Stadthalle.

Der frühere Städel-Professor Johannes Schreiter, der an diesem Sonntag, 8. März, 90 Jahre alt wird, ist gradezu legendär für seine Bescheidenheit. Glamour und Luxus liegen dem tief gläubigen Christen fern. Seine zweite Frau Barbara und er leben in einem Reihenhaus aus den 60er Jahren, das Künstleratelier ist in einer Hochhauswohnung in der Nachbarschaft.

Ausstellungen seiner Arbeiten sind technisch durchaus schwierig. Denn er gilt aktuell als einer der bekanntesten, wenn nicht gar als der bedeutendste Glasmaler der Welt, auch wenn er selbst die Bezeichnung nicht gern hört. „Ich bin ein Künstler, der in ganz verschiedenen Bereichen gearbeitet hat“, sagte er einmal in einem Gespräch.

Die meisten seiner doch sehr berühmten Werke sind schlichtweg zu groß, um sie für Ausstellungen durch die Gegend zu transportieren, sie sind hoch empfindlich und meist auch fest eingebaut in die Fenster der großen Kathedralen und kleinen Dorfkirchen. „Die Fenster im Ulmer Münster sind 16 Meter hoch, die im Augsburger Dom immerhin auch zehn Meter“, sagt Gunther Sehring, der als Experte für die Malerei Schreiters gilt und wie dieser in Langen wohnt. In Ausstellungen werden oft Entwürfe oder kleinformatige freie Arbeiten gezeigt.

Meister der Moderne

Johannes Schreiter,am 8. März 1930 in Annaberg-Buchholz geboren, blickt auf ein großes Werk zurück. Präsent ist der Künstler, der seit 50 Jahren in Langen lebt, vor allem mit seinen Kirchenfenstern, etwa im Mainzer Dom, in der Wahlkapelle des Frankfurter Doms, im Ulmer Münster oder der Stuttgarter Stiftskirche.

Die Glas-Werke Langenzeigen im Souterrain der Neuen Stadthalle, Südliche Ringstraße 77, auf etwa 200 Quadratmetern Glasfenster Schreiters. Geöffnet sind sie nur ein Mal im Monat, in der Regel an einem Samstagnachmittag. Den Termin kann man erfragen bei Gabriele Seibel, Tel. 0 610 3/20 34 01, E-Mail glaswerke@langen.de. Der Schreiter-Experte Gunther Sehring führt auf Anfrage auch an anderen Terminen durch die Sammlung.

Am Mittwoch, 18. März,19 Uhr, veranstaltet die Bistumsakademie, Tel. 06131/257550, zum 90. Geburtstag Schreiters im Erbacher Hof, Grebenstraße 24-26, in Mainz einen Abend mit zwei Vorträgen über den Künstler. Birgit Schwarz (Wien) spricht über das Frühwerk, Gunther Sehring über Aspekte zur Kunst.

In Langen ist das ein bisschen anders: Die Stadt besitzt nämlich dank des Künstlers zahlreiche Glasfenster. Johannes Schreiter, 1930 im sächsischen Annaberg-Buchholz geboren und 1949 aus der DDR geflohen, stiftete seiner neuen Heimatstadt immer wieder bedeutende Arbeiten. Seit zehn Jahren ist eine Auswahl daraus in den sogenannten „Glas-Werken“ im Souterrain der Neuen Stadthalle zu sehen. Langener Bürger und Firmen finanzierten weitere Ankäufe. Sammlungen wie diese sind auch europaweit eine Seltenheit, wie Sehring betont. „Wo gibt es denn etwas Vergleichbares in einer mittelgroßen Stadt“, fragt er.

Blau ist eine der bevorzugten Farben des Künstlers. Monika Müller

Seinen Geburtstag wird Johannes Schreiter diesmal ganz still feiern. Er sei zu schwach für Interviews oder große Feste, sagte er auf Anfrage, verbindlich und freundlich wie immer. Die Stadt Langen, die einen Empfang für ihren Ehrenbürger geplant hatte, sagte diesen ab. Bis zum vergangenen Herbst hat er noch Fensterentwürfe geschaffen, die dann von Glasstudios wie dem bekannten Unternehmen Derix in Taunusstein umgesetzt wurden.

Wer ihm einmal in seinem Atelier über die Schulter schauen durfte, der konnte angesichts der sicheren Hand, mit der Schreiters Entwürfe entstehen, ins Staunen kommen. Auch die Sorgfalt, mit der er seine abstrakten Scheiben auf die dafür bestimmten Orte, ob romanische Kathedrale oder ultramoderne Kapelle, vorbereitet, ist verblüffend. „Für die Südseite wählt er kräftigere Farben, und er geht auch auf Zweck und Geschichte des Raums ein“, schwärmt Sehring. Besonders liebt der Künstler blaue und goldene Farbtöne. So bescheiden und zurückhaltend er selbst ist, so prächtig sind die Fenster.

Auch wenn es nun keine öffentliche Geburtstagsfeier gibt, ist Schreiter aber dennoch präsent in Langen, nicht nur in den Glaswerken in der Stadthalle. Deren Sammlung, die auch Werke anderer bedeutender Künstlerkollegen und Schreiter-Schüler besitzt, ist so groß, dass nur ein Bruchteil ausgestellt ist. Der Traum von einem eigenen Museum für Glaskunst des 20. und 21. Jahrhunderts liegt wegen der finanziell klammen Lage Langens allerdings schon lange auf Eis. Immerhin gebe es es die Idee, an der Glasfront der Stadtbücherei einige Künstlerscheiben zu zeigen, sagt Sehring.

Wer sich in Langen auf die Suche nach Schreiters Kunst macht, wird aber nicht enttäuscht. Die katholische Albertus-Magnus-Kirche besitzt mehrere Fenster aus verschiedenen Schaffensperioden, die evangelische Stadtkirche erhielt in den vergangenen Jahren sogar einen Zyklus in der typischen abstrakten Bildsprache des Künstlers. Selbst für die kleine Langener Friedhofskapelle hat er Fenster geschaffen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare