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Der Langener Waldsee.

Protest

Langen: Gemeinsam gegen weitere Rodungen im Bannwald

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Das Aktionsbündnis Langener Bannwald ruft unter dem Motto „Hände weg vom Bannwald“ zu einer Demo auf. 20 von 63 Hektar Wald sind schon weg.

Im Spätherbst will die Firma Sehring am Langener Waldsee weitere vier Hektar Bannwald roden, um dort Sand und Kies abzubauen. Insgesamt 63 Hektar Forst sollen für die Südosterweiterung der Abbaufläche abgeholzt werden, 20 Hektar davon sind schon weg – und Umweltschützer wollen nicht länger zuschauen, wie scheibchenweise immer mehr Bäume geopfert werden. Das Aktionsbündnis Langener Bannwald, ein Zusammenschluss von Organisationen, Vereinen, Parteien und Bürgerinitiativen, ruft deshalb für den morgigen Samstag zur Teilnahme an der Demo „Hände weg vom Bannwald“ auf.

Der Widerstand gegen den Kiesabbau am Waldsee läuft schon seit Jahrzehnten, aber seit eineinhalb Jahren haben sich die Gegner in einem Aktionsbündnis zusammengefunden, berichtet Matthias Rohrbach, einer der drei Sprecher. Man habe von den Umweltaktivisten im Hambacher Forst gelernt: „Wenn genügend Druck da ist, kann man was bewegen.“ Mitglieder von BUND, Naturfreunden Egelsbach/Erzhausen, Tierschutzverein Langen-Egelsbach, Trebu-rer Waldbesetzern, Bürgerinitiative gegen Flughafenerweiterung Mörfelden-Walldorf, Bündnis 90/Die Grünen, Linken, FWG-NEV Langen, Gewerkschaftskreisen und Robin Wood treffen sich regelmäßig im Naturfreundehaus in Egelsbach.

Die Gruppe hat morgen mehrere Anliegen: Sie fordert den sofortigen Stopp der Rodung, die unmittelbare und vollständige Umsetzung der ausstehenden Renaturierung, zu der sich die Firma Sehring verpflichtet hat, einen unabhängigen Gutachter, der eine Umweltverträglichkeitsprüfung vornimmt, sowie eine Entscheidung in den Klageverfahren, mit denen der BUND Hessen gegen die Südosterweiterung der Abbaufläche am See vorgeht. Die Klagen liegt seit drei Jahren beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel auf Eis. „Wenn da nicht bald eine Entscheidung kommt, ist der Wald weg“, sagt Rohrbach. Das Aktionsbündnis fordert deshalb als Minimum ein Moratorium bis zum Gerichtsentscheid.

Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt erlaubt der Firma Sehring seit Jahren, per Sofortvollzug in Teilabschnitten immer mehr Bannwald zu roden, um die Kiesabbaufläche zu erweitern und so den Quarzsand- und Kieshunger der Bauindustrie im Rhein-Main-Gebiet zu stillen. Schon vor Jahrzehnten begann Sehring am östlichen Ende des Sees mit der Rodung von insgesamt 84 Hektar Wald. Die Wiederaufforstung sei nur teilweise auf rund zwölf Hektar gelungen; der Rest sei heute „Brachlandschaft mit Büschen und Gestrüpp“, monieren die Egelsbacher Grünen. Im westlichen Bereich sollten im Jahr 2005 nach Beendigung des Abbaus rund 25 Hektar wieder aufgeforstet sein. Kurz vor Ablauf der Frist aber stellte das Unternehmen beim RP den Antrag, die Renaturierung auf 2038 zu verschieben.

2013 wurde der Planfeststellungsbeschluss zur umstrittenen Südosterweiterung mit 63 Hektar Fläche erlassen, 2016 rollten die Bagger auf dem ersten, zwölf Hektar großen Teilareal an. Im August 2017 genehmigte Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne) per Sofortvollzug die Rodung von weiteren 8,1 Hektar Wald. „Gerade hier sind 100 Jahre alte Bäume gefallen“, sagt Rohrbach. Im Spätherbst sollen nun weitere rund vier Hektar ausgebaggert werden. „Wir verlieren die letzten Ökosysteme vor unserer Haustür“, warnt er.

Landesweite Demo

Am Samstag, 16. März, treffen sich die Demonstrationsteilnehmer um 11 Uhr am Bahnhof Langen.

Der Zug läuft über die Bahnstraße zur Stadtkirche, wo um 12.30 Uhr die Abschlusskundgebung stattfindet.

Redner ist Thorwald Ritter, Vorsitzender BUND-Kreisverband Offenbach.

Im Rahmen der Veranstaltung gibt es die Möglichkeit, mit politischen Vertretern ins Gespräch zu kommen.

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