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Zeichen für Zuzug: Auch in den kommenden Jahren drehen sich die Baukräne in Langen.

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Langen: SPD bei Bürgermeisterwahl dieses Mal nicht Favorit

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Im Juni kämpfen in Langen sechs Kandidaten um das Amt des Bürgermeisters. Wahrscheinlich reicht ein Wahlgang nicht aus.

Sechs Kandidaten wollen in Langen den Chefsessel erklimmen, den Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD) am 30. Juni nach zwölf Jahren freimacht. Die Wahrscheinlichkeit ist aber gering, dass gleich im ersten Wahlgang am kommenden Sonntag, 1. März, ein Bewerber das Rennen macht, indem er mehr als 50 Prozent aller abgegebenen Stimmen erhält. Wer neuer Langener Stadtchef wird, dürfte in einer zweiten Runde am 15. März entschieden werden.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat die SPD in Langen den Bürgermeister gestellt. Dass ihr das auch diesmal gelingt, bezweifelt manch einer. Die sozialdemokratische Kandidatin Angela Kasikci sitzt nicht im Stadtparlament und ist kommunalpolitisch bisher kaum in Erscheinung getreten. Stefan Löbig, der Bewerber von Bündnis 90/Die Grünen, kann da schon mit ganz anderen Pfunden wuchern: Seit dem 1. Juli 2014 bestimmt er als Erster Stadtrat die Geschicke der Stadt mit.

Auch Jan Werner werden gute Chancen zugerechnet. Er ist nun schon zum dritten Mal Bürgermeisterkandidat und steht der CDU nahe, die in Langen immer die stärkste Partei war. Bei der vorigen Wahl im Jahr 2014 hätte er den Amtsinhaber fast vom Thron gestürzt: In der Stichwahl verlor er mit 49,8 Prozent denkbar knapp gegen Gebhardt.

Die Wahl

27 677 Bürgerinnen und Bürge r dürfen am Sonntag, 1. März, bei der Bürgermeisterwahl in Langen an die Urnen gehen. Briefwahl haben bisher 3135 Wahlberechtigte beantragt. Das sind rund 810 mehr als bei der Bürgermeisterwahl 2014.

Die Ergebnisse aus den einzelnen Bezirken werden nach Schließung der Wahllokale ab 18 Uhr auf eine Leinwand im großen Sitzungssaal des Rathauses projiziert. Zudem können die Zahlen auch auf der städtischen Homepage unter www.langen.de abgerufen werden. Das vorläufige Endergebnis dürfte spätestens um 19 Uhr vorliegen.

Eine Stichwahl wird nötig, wenn keiner der sechs Kandidaten am 1. März die absolute Mehrheit bekommt. Dann treten die beiden Bewerber, die die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnten, gegeneinander an. Termin für die Stichwahl ist der 15. März. ann

Vielleicht ist die Zeit ja reif für eine Frau an der Spitze. Dann könnte Claudia Trippel (FWG-NEV) zum Zuge kommen. Sie ist in Langen aufgewachsen und hat einige Male unter Beweis gestellt, dass sie die Sitzungen des Stadtparlaments souverän leiten kann. Stephanie Tsomakaeva dagegen ist in der kommunalpolitischen Landschaft ein unbeschriebenes Blatt. Joost Reinke, der Sechste im Bunde und wie Tsomakaeva parteilos, hat als Stadtverordneter schon mit einigen kritischen Beiträgen auf sich aufmerksam gemacht.

Dass der Wahlkampf in Langen ohne großes Getöse abläuft, dafür sorgt die Bestimmung, dass nur auf den städtischen Plakatwänden plakatiert werden darf. Da es in Langen noch nie feste Koalitionen gegeben hat und sich gleichzeitig die Wahlprogramme der Kandidaten kaum voneinander unterscheiden, werden den bekannteren Bewerbern am Sonntag die größeren Chancen eingeräumt.

Der nächste Bürgermeister wird es schwerhaben: Der Haushaltsausgleich wird in Langen immer schwieriger, weil die Kosten für die Kinderbetreuung aufgrund des Zuzugs und der Betreuungsgarantie der Bundesregierung exorbitant wachsen. Gleichzeitig muss das künftige Stadtoberhaupt Millionen für den Bau der Regionaltangente West aufbringen – falls die Schienenverbindung von Bad Homburg über den Flughafen wirklich, wie von den Stadtverordneten gewünscht, bis in die Stadt verlängert wird.

Wegen seiner guten Lage ist Langen als Wohnort beliebt: Die Stadt liegt zwischen zwei Autobahnen und an der Bahnstrecke Darmstadt-Frankfurt. Neun Minuten dauert die Fahrt mit der Regionalbahn zum Frankfurter Hauptbahnhof, die S-Bahn zur Hauptwache braucht gerade mal 20 Minuten. In den kommenden Jahren wird die Stadt um 5000 Bürger auf 44 000 Einwohner wachsen. Viele Bürger stehen dem Zuzug kritisch gegenüber, ärgern sich, dass die letzten Fleckchen Grün bebaut und Häuser immer dichter geplant werden. Einige haben in den sozialen Medien auch schon kundgetan, dass sie wegziehen, weil die Stadt „zubetoniert“ wird.

Die ohnehin langen Wartelisten für Kitaplätze werden durch die Zuzüge und wegen der Betreuungsgarantie des Bundes immer länger. Viele Eltern sind der Meinung, Langen habe Wachstum ausgerufen, ohne sich über Kinderbetreuung Gedanken zu machen. Aber die Einkommenssteuer ist nun mal für die Stadt berechenbarer als die volatile Gewerbesteuer.

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