Langen wächst - zum Beispiel an der Elisabeth-Selbert-Allee.

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Langen: In acht Jahren 5000 Einwohner mehr

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Im Jahr 2027 werden 44.000 Bürger in Langen leben. Ein Demografiebericht hat das überraschend aufgezeigt.

Langen wird schneller groß als gedacht. Innerhalb von acht Jahren wird die Stadt um stolze 5000 Einwohner wachsen. Das besagt ein Demografiebericht, den der Student Lars Fitterer während seines sozialwissenschaftlichen Praktikums im Langener Rathaus erarbeitet hat. Er prognostiziert 44 000 Einwohner für das Jahr 2027. „Vor drei Jahren war noch von 42 000 Bürgern die Rede“, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD).

Fitterers Prognose basiert auf der sogenannten Diesterweg’schen Formel, die auch der Stadt Frankfurt als Grundlage dient. Diese geht in Neubaugebieten von einer durchschnittlichen Belegungsquote von 2,5 Personen pro Wohnung aus. Die bisherigen Berechnungen für Langen stützten sich laut Gebhardt auf Zahlen des Bundes, der mit 2,1 Personen pro Wohneinheit rechnet.

„Junge Familien bevorzugen die Stadt. Ohne diesen Zuwachs würde es düster aussehen“, sagt der Bürgermeister. Die Lage zwischen Frankfurt und Darmstadt, die gute Erreichbarkeit über die S-Bahn, aber auch die zwei Autobahnanschlüsse im Osten und Westen der Stadt seien wohl Gründe für die Zuzüge. Außerdem sei die Stadt weitgehend fluglärmfrei.

Seit 1927 hat sich die Einwohnerzahl von Langen fast verfünffacht. Damals wohnten 8100 Bürger in der Stadt, heute sind es rund 39 000.

Die Bevölkerungsstruktur ist im Vergleich zur deutschen Alterspyramide untypisch: Knapp 27 Prozent aller Langener sind unter 27 Jahre alt, 19,5 Prozent sind Rentner und Pensionäre. Durch Zuzug überwiegend junger Familien ist Langen also eine „junge“ Stadt.

Mehr als 7600 Bewohner haben einen ausländischen Pass; die Doppelstaatler nicht mitgerechnet. Innerhalb von drei Jahren sind rund 1000 Flüchtlinge zugezogen.  

Überraschend ist für den Bürgermeister die Zahl der ausländischen Mitbürger. „Ich bin immer von 14 Prozent ausgegangen, aber der Bericht hat fast 20 Prozent mit ausländischem Pass aufgezeigt.“ Damit müsse man sich verstärkt mit kulturspezifischer Pflege beschäftigen.

Langen hat derzeit im Stadtgebiet rund 1100 öffentlich geförderte Wohnungen. „Natürlich werden wir darauf drängen, dass dort, wo neu gebaut wird, die Mieten nicht durch die Decke gehen“, so der Bürgermeister. Für das Baugebiet Liebigstraße, in das bis zum Jahr 2027 rund 3600 Neubürger zuziehen werden, seien 20 Prozent bezahlbarer Wohnraum beschlossen. Bezahlbar heiße für ihn: nicht höher als die Durchschnittsmiete. Da aber Langen keinen Mietspiegel hat, gibt es auch keinen Wert für die Durchschnittsmiete allgemein. Bei Neubauwohnungen liegt der Preis zurzeit zwischen 13 und 14 Euro. Langen habe „einen hohen Anteil an gut verdienenden Menschen“ und die würden die Entwicklung im Mietsektor bestimmen, so Gebhardt.

So viel Wachstum bringt auch Herausforderungen mit sich. Mehr Kita- und Grundschulplätze sind vonnöten – und gerade da hat Langen durch den starken Zuzug schon heute ein großes Defizit: 200 bis 300 Kitaplätze haben bisher jährlich gefehlt. „Wir forcieren jetzt den Neubau von Kitas – allerdings braucht das alles seine Zeit“, sagt Gebhardt. Und auch die Erzieherinnen fielen ja nicht vom Himmel. Die Feuerwehr müsse mit der zunehmenden Zahl von Menschen und Unternehmen immer mehr Einsätze fahren. Das sei mittelfristig mit dem vorhandenen Personal nicht mehr zu schaffen - vor allem im Tagesbetrieb, so Gebhardt.

Er bezweifelt, dass die Mehreinnahmen aus der Einkommenssteuer ausreichen, um die Mehrkosten zu decken. Schließlich habe Langen bald weniger Erwerbstätige, weil die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gingen.

Bis auf Weiteres sieht Gebhardt für die Stadt kein weiteres Wachstum mehr – zumindest nicht in die Fläche. Aber es könne nachverdichtet werden und Langen könne in die Höhe wachsen. „Ich kann mir vorstellen, dass man an einer oder anderer Stelle ein Stockwerk mehr genehmigt, wo es das Baurecht erlaubt.“

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