+
Fachausdruck Auskiesung: Stadt, Wirtschaft und Region profitierten davon, so die Befürworter.

Abbau

Kiesabbau in Langen bringt 800.000 Euro

  • schließen

Nach Protesten der Naturschützer melden sich Stadt und Regierungspräsidium zu Wort.

Vor einer Woche haben Demonstranten gegen die geplante Rodung des Bannwaldes und den weiteren Quarzsand- und Kiesabbau der Firma Sehring am Langener Waldsee demonstriert. Jetzt melden sich das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt als Genehmigungsbehörde und die Stadt Langen als Eigentümerin der Flächen zu Wort.

Das RP schreibt in einer Stellungnahme, die Erweiterung des Abbaugebiets wurde und werde als notwendig erachtet, um angesichts der enormen Bautätigkeit im Rhein-Main-Gebiet den Bedarf an Sand und Kies zu decken. Lange Transportwege für die Rohstoffe würden so vermieden, erklärt Langens Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD).

Seine Stadt verdient aktuell jährlich rund 800 000 Euro am Abbau und der Verfüllung. Diese Summe, die Sehring neben der Gewerbesteuer vertraglich zu zahlen hat, brauche Langen dringend, um Steuererhöhungen zu vermeiden, so Gebhardt. Ohne weitere Kiesfördermöglichkeiten müsse die Firma, die seit 90 Jahren am Waldsee tätig ist, den Standort schließen, und 100 Arbeitsplätze wären dann weg.

Die Pläne des Unternehmens stünden voll und ganz im Einklang mit Beschlüssen der Langener Stadtverordneten und entsprächen dem geltenden Recht. Das Unternehmen werde stets an den Rand der Legalität gerückt, sagt der zuständige Fachbereichsleiter Carsten Weise. „Bergrecht bricht das Bannwaldrecht. Das ist die Grundlage.“ Es gebe klare Absprachen, an die sich Sehring immer gehalten habe, so der Bürgermeister. „Immer, wenn wir sehen wollen, was getan wird, ist uns noch nie ein Stein in den Weg gelegt worden.“

Der Firma sei mit Planfeststellungsbeschluss vom 15. August 2013 genehmigt worden, im Zuge der Südosterweiterung des Waldsees bis zum Jahr 2038 auf 63,7 Hektar Sand und Kies zu fördern – und zwar mit Unterschrift des damaligen Regierungspräsidenten Johannes Baron (FDP), heißt es in der Stellungnahme des RP. Der Antrag habe damals auf 82,7 Hektar Abbaufläche gelautet. Die Sand- und Kiesgewinnung in der Waldabteilung 37 sei abgelehnt worden, weil dieser Bereich unter anderem als Wasserschutzgebiet für die Trinkwasserbrunnen von Mörfelden-Walldorf von Bedeutung sei. Auch die Altholzinsel in der südlichen Waldabteilung 24 habe man ausgenommen, weil sie für den Natur- und Artenschutz von hohem Wert sei.

Sehring habe bis 2018 sogar mehr als die geplanten 63,7 Hektar der Südosterweiterung aufgeforstet, sagt Bürgermeister Gebhardt – allerdings andernorts in Rhein-Main als Ökoausgleich.

Die laufenden Rekultivierungsarbeiten am Waldsee würden regelmäßig mit und von der RP-Fachabteilung geprüft und fortgeschrieben, heißt es aus Darmstadt. In der 50 Hektar großen Ostgrube seien die Flächen bis auf drei Hektar wiederbestockt oder wenigstens erstbegrünt. Die fehlenden Flächen seien bereits hergerichtet und sollten in diesem Jahr aufgeforstet werden – „vorausgesetzt, die Witterung ist nicht zu trocken“. Die Aufforstungsflächen würden regelmäßig gepflegt und bei Bedarf nachgebessert.

Dass die Forst- und Naturschutzbehörden bisher erst einen kleinen Teil der Ostgrube abgenommen haben, sei kein Widerspruch, meint der Langener Magistrat. Der Zeithorizont liege beim Jahr 2035. „Die Rekultivierung wird erst dann abgenommen, wenn die Bäume einen Kronenschluss haben“, sagt Weise. In der Vergangenheit seien Nachbesserungen nötig gewesen, „weil man festgestellt habe, dass sich manche Baumarten nicht bewährten“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare